HIV löst weiterhin Angst und Verunsicherung aus

Von: disch
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Kreis Heinsberg. „Seit dem ersten Auftreten der HIV-Infektion in den 80er-Jahren hat sich das Leben mit HIV inzwischen grundlegend verändert“, stellt Diplom-Sozialpädagogin Renate Kaspar, die Leiterin vom Aids-Beratungs- und Hilfsdienst der Arbeiterwohlfahrt, im jetzt vorgelegten Jahresbericht 2012 vor.

Während die HIV-Infektion bis weit in die 90er-Jahre unmittelbar mit einer tödlichen Bedrohung verbunden gewesen sei stelle sie heute aus medizinischer Sicht eine chronische Erkrankung dar. Medizinische Fortschritte hätten dazu geführt, dass die Infektion gut behandelbar sei.

Aufgrund wirksamer Medikamente könnten viele Betroffene oft mit einer normalen Lebenserwartung rechnen, da der Ausbruch der Erkrankung verhindert oder sehr lange hinausgezögert werden könne. „Es gibt heute klare Leitlinien und Behandlungsstandards in der HIV-Therapie“, so Kaspar weiter. „Eine vollständige Heilung oder ein wirksamer Impfschutz konnten jedoch nicht erreicht werden“, wie die 19. Welt-Aids-Konferenz in Washington im Juli 2012 bestätigt habe.

Medizinischer Fortschritt, aber ...

Die Beratungsstellenleiterin erklärte: „Medizinischer Fortschritt und Wissen konnten aber bis heute auch nicht überall Vorurteile, Stigmatisierung und Diskriminierung abbauen. HIV löst weiterhin bei vielen Menschen Angst, Stress und Verunsicherung aus. HIV bleibt eine Infektionskrankheit, die mit Sexualität, Drogenkonsum und verschiedenen Lebensstilen verbunden ist.“ Im Zusammenhang mit Ansteckungsängsten bilde dies weiterhin Grundlage für Ausgrenzung und Ablehnung von Menschen.

Die zentralen Ziele, die von der Beratungsstelle mit ihrem Angebot verfolgt werden, sind erklärtermaßen die Minimierung von neuen HIV-Infektionen sowie die Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung der Lebensqualität von HIV-Infizierten und Aids-Kranken.

Im vergangenen Jahr fanden insgesamt 347 persönliche oder ­telefonische Beratungskontakte sowie E-Mail-Beratungen statt – in insgesamt 63 Beratungsfällen. 18 Prozent der Ratsuchenden hatten einen Migrationshintergrund. Neben Einzel- oder Paarberatungen wurden 26 Fachberatungen angefragt. Sieben Treffen mit der HIV-Gruppe im Kreis Heinsberg fanden statt. In 60 Präventionsveranstaltungen wurden 1432 Teilnehmer erreicht.

Neben überwiegend schulischen Präventionsveranstaltungen organisierte die Beratungsstelle im Kreisgebiet verschiedene Projekte zur Karnevals- oder Urlaubszeit ­sowie zum Welt-Aids-Tag.

So waren „Schutzengel im Karneval“ dank der Zusammenarbeit mit Schülern der Gymnasien aus Hückelhoven und Wegberg und mit anderen Karnevalsgruppen bei Karnevalsumzügen im Kreisgebiet im Einsatz. Die „Schutzengel“-Aktionen haben zum einen den Schutz vor Ansteckungen und zum anderen den Schutz von Betroffenen vor Ausgrenzung und Diskriminierung zum Ziel.

Ein Projekt zur sexuellen Gesundheit wurde in Kooperation mit dem Kreisgesundheitsamt, Jugendeinrichtungen und Diskotheken realisiert. Im Rahmen dieses Projektes werden zweimal jährlich an rund 50 Einrichtungen im Kreisgebiet aktuelle Materialien für Jugendliche zu Aspekten von Liebe, Partnerschaft und Sexualität verteilt, um die Aufmerksamkeit für persönliche Risiken und den Schutz wach zu halten, Gesprächsanlässe zu fördern und Informationen zu Hilfsangeboten zu vermitteln.

Zum Welt-Aids-Tag brachten sich Schüler der Realschule Heinsberg wie auch der Gospelchor Rejoising mit einem Benefizkonzert in der Kirche St. Gangolf in Heinsberg zugunsten des Aids-Fonds der AWO ein.

Aids-Fonds

Neben der Beratung zu körperlichen, psychischen und sozialen Problemen leistet der Aids-Beratungs- und Hilfsdienst der Arbeiterwohlfahrt Hilfe bei ­finanziellen Notlagen durch Anträge an die Deutsche Aids-Stiftung oder den eigenen Aids-Fonds. Mit diesem Spenden-Fonds will die Beratungsstelle auch auf diesem Weg Lebensbedingungen von HIV-positiven Menschen und Aids-Kranken im Kreis Heinsberg verbessern. So soll in Fällen von akuter Not möglichst schnell und unbürokratisch finanziell geholfen werden.

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