Hertie-Schließung: Stimmung der Kunden ist gedrückt

Von: Pia Wilbrand
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Die Hertie-immobilie ist zwar baulich nicht mehr im allerbesten Zustand - aber die Lage im Herzen von Hückelhoven und der Standort selbst sind ausgesprochen attraktiv für potenzielle Käufer. Foto: Koenigs

Hückelhoven. „Die Filiale lief doch gut...Hertie in Hückelhoven wäre bestimmt als letzte geschlossen worden.” Solche Überzeugungen teilen viele der Hückelhovener, die die letzten Tage von Hertie nutzen wollen, um am Schluss noch einmal von Rabatten zu profitieren.

Filialleiter Thomas Przybylski bestätigt, dass Hertie in Hückelhoven viele Jahre sehr erfolgreich war, und auch der Standort sei nie kritisch gewesen.

„Die Hückelhovener Kunden waren immer sehr kaufkräftig. Vor allem unsere Rabattaktionen haben großen Anklang gefunden und sich schnell herumgesprochen.”

Die Ladenschließung sei unternehmensabhängig. Ende Juli letzten Jahres meldete Hertie Insolvenz an. Im Mai diesen Jahres stand endgültig fest: Dem Unternehmen steht das Aus bevor. Bis Ende August werden alle verbliebenen 54 Filialen von ehemals insgesamt 73 endgültig die Tore schließen.

„Die Stimmung beim Einkauf ist schlecht”, bemerkt Dunja Henßen aus Millich, die nach Kleidung für ihre zweijährige Tochter sucht. „Man merkt den Verkäuferinnen ihre Situation an. Ich habe einer von ihnen alles Gute gewünscht, aber da ist sie gar nicht drauf eingegangen.”

Sie hat Verständnis für die Angestellten der Hückelhovener Filiale - ungewiss ist die Zukunft, denn nun stehen ca. 30 Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit. Nach der endgültigen Ladenschließung werden sie nur noch eine Woche beschäftigt sein, um aufzuräumen. Thomas Przybylski betont das Engagement seiner Mitarbeiter.

„Als im September 2008 die Bäckerei gebrannt hat, da kamen meine Mitarbeiter auch in der Nacht, um zu helfen und haben ihre Putzeimer mitgebracht.” Gerne übernehme er auch die Vermittlerposition für Unternehmen, die zuverlässige, erfahrene und treue Mitarbeiter suchten.

Samstag ist der letzte Verkaufstag

Vor zwei Wochen wurde bekanntgegeben, dass Hertie am 8. August schließt. Eigentlich sollte dies schon Ende Juli geschehen, aber der Warenbestand sei noch zu groß gewesen. „Wir wollen das Gebäude möglichst besenrein verlassen”, erklärt Thomas Przybylski, und der Plan scheint aufzugehen: In vielen der Verkaufsregale herrscht gähnende Leere.

Es wird im gewohnten Hertie-Rot mit Rabatten von bis zu 90 Prozent geworben. Obwohl vier Kassen geöffnet haben, kann es 15 Minuten bis zur Bezahlung der ergatterten Schnäppchen dauern.

Eigentlich ein Erfolg, würde über der ganzen Szenerie nicht die endgültige Schließung der Filiale stehen. Hinweise wie „Achtung! Ab sofort kein Umtausch mehr” weisen subtil auf das Ende hin. Was danach mit dem Gebäude geschieht, kann der Filialleiter nicht sagen.

Helmut Holländer, Kämmerer der Stadt, legt dar, dass der Eigentümer des Gebäudes ein Ableger des britischen Hertie-Investors Dawnay Day sei. Mercatoria Acquisitions (MABV) ist ein holländisches Unternehmen und möchte die Räumlichkeiten der Hertie- Filialen am liebsten an Investoren veräußern.

„Für Hückelhoven wird dies allerdings nicht in absehbarer Zeit geschehen.”

Damit werden Hoffnungen der Hertie-Kunden zunichte gemacht, die sich einen schnellen Verkauf und „ein Hertie-ähnliches Geschäft” wünschen. Auch eine Mutter, die ihren Namen nicht nennen wollte, kauft gerne und oft bei Hertie ein.

„Ich weiß gar nicht, wo ich jetzt zum Beispiel Spielzeug kaufen soll. Da muss man ja schon mindestens bis Erkelenz fahren!” In ihrer Stimme schwingt Bedauern, aber auch Ärger mit. Wie viele Kunden findet sie, dass es in Hückelhoven zu wenige Geschäfte mit Qualitätsware gibt.

Für Markus Thomas aus Hilfarth sei Hertie zudem „ein zentraler Punkt in Hückelhoven” gewesen. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Die Hückelhovener Kunden sind sich einig: Seit das Geschäft, damals noch Karstadt, am 1. Mai 1974 seine Tore öffnete, hat es das Stadtbild von Hückelhoven geprägt, und es ist„unheimlich bedauerlich”, dass dies heute nach 35 Jahren enden müsse.
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