Heißes Wetter bedeutet Schwerstarbeit im Tierheim

Von: Rainer Herwartz
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Das tut gut und macht auch noch Spaß: Die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Bianka Mai (rechts) und Tierpflegerin Franziska Steiner lassen eine muntere Hundeschar im Wasser plantschen. Foto: Rainer Herwartz
Tierheimleiterin
Annett Klotsche, stellvertretende Tierheimleiterin, weiß, dass die Kätzchen nicht in der Hitze leiden. Foto: Rainer Herwartz

Kreis Heinsberg. Es klingt schon beinahe paradox, aber die strahlende Sonne hat auch ihre Schattenseiten. Nach den wenigen Tagen einer leichten Abkühlung soll gen Wochenende das Thermometer wieder in schweißtreibende Höhen schnellen. Von 38 Grad ist da laut Wettervorhersage die Rede. Eiscafés, Biergärten und Freibäder werden frohlocken. Doch nicht überall lösen diese Aussichten wahre Freudenstürme aus.

Im Tierheim für den Kreis Heinsberg in Kirchhoven bedeuten die Hitzegrade Strapazen für die Tiere und Schwerstarbeit für die Tierpfleger.

„Wir haben bei der Hitze manchmal das Gefühl, wir leben hier unter einer Lupe. So sehr steht an manchen Stellen die heiße Luft“, sagt Bianka Mai, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, der das Tierheim betreibt. „Die Hunde leiden am meisten unter der Wärme. Die Katzen folgen eher ihrem Naturell und verziehen sich in Höhlen oder Verstecken und werden erst abends munter.“ Auch die Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen bereiten Mai und ihrem Team kein Kopfzerbrechen, denn sie verhalten sich ähnlich wie die Samtpfoten. Sowohl bei den Hunden als auch bei den Katzen bewege sich das Tierheim derzeit im Hinblick auf die Aufnahmekapazität ohnehin am Limit, erklärt Mai. „Wir können nur noch Notfälle aufnehmen.“

Damit es durch die Hitze nicht im Tierheim selbst zu Notfällen kommt, müssen die Tierpfleger allerdings mächtig Schwitzen. „Bei den 40 Hunden, die wir momentan beherbergen, wird bis zu fünfmal am Tag der Auslauf gewechselt, damit jeder in den Genuss kommt, auch mal auf der großen Wiese mit Teich Zeit verbringen zu können. Die Tiere werden dabei meist in Zweier- oder Dreier-Gruppen gehalten.“

Alle Ausläufe besäßen zudem kleine Planschbecken zur Erfrischung und für kleine Wasserspiele. Einziger Wermutstropfen: „Drei unserer Hundeausläufe bieten keinen Schutz bei praller Sonne oder Starkregen, weil eine entsprechende Abdeckung fehlt. Ein gut erhaltenes Sonnensegel wäre schon hilfreich“, richtet die Vereinsvorsitzende gleich einen Appell an die Bevölkerung, doch einmal nachzudenken, ob sich nicht noch ein nicht mehr gebrauchtes Exemplar im Keller oder in der Garage befinde.

Der Platztausch, so erläutert die Tierschützerin, ermögliche den Hunden einen fortwährenden Wechsel zwischen Sonne, Schatten und Abkühlung. „Drinnen hocken über den ganzen Tag, ist für uns keine Option.“

Bei den älteren oder herzkranken Hunden achteten die Mitarbeiter besonders darauf, dass sie jedoch immer wieder Zeiten im kühlen Hundehaus auf den Fliesen verbringen, „damit sie sich richtig runterkühlen. Außerdem behalten wir sie gut im Auge, um bei eventuellen Kreislaufproblemen direkt eingreifen zu können“. Letzteres komme aber zum Glück aufgrund der getroffenen Vorkehrungen nur sehr selten vor.

„Bei diesem Wetter, das können ruhig alle Hundehalter als Botschaft verstehen“, meint Bianka Mai, „dürfen Hunde auch einmal ein paar faule Tage haben. Das ist allemal besser, als in einer Affenhitze mittags um zwei den Hund ans Fahrrad zu binden.“ Dabei sollten die Hundehalter bedenken, dass ihr treuer Vierbeiner seine Körpertemperatur ja nur über das Hecheln regulieren könne und nur wenige Schweißdrüsen an den Pfoten besitze.

Hunden fehlt eine Funktion der Haut. Sie können nicht wie Menschen über die Haut ihre Temperatur senken. Daher lassen sich höhere Temperaturen des Körpers schlechter ableiten. Messungen hatten gezeigt, dass Hunde immer durch die Nase ein- und dann durch den Mund ausatmen. Die Verdunstungskälte, die unmittelbar durch das Hecheln erzeugt wird, wird also lediglich beim Ausatmen auf der kleinen Fläche der Zunge wirksam. Professor Dr. Oechtering von der Uni Leipzig hat nachgewiesen, dass der Nase die wesentliche Funktion bei der Thermoregulation der Hunde zukommt. Diese wird aus extrem feinem und gut durchbluteten Faltengewebe gebildet, das beim Einatmen belüftet wird. Oechtering hat herausgefunden, dass nur der vordere Teil der Nase zum Riechen gebraucht wird. Die Funktion der Thermoregulation durch die Nase der Hunde nimmt in der Hundenase den meisten Platz ein.

Von vitaler Bedeutung sei diese Erkenntnis für die kurzschnäuzigen Rassen wie etwa Mops, Pekinese, Bully oder Bulldog. Durch die Extremzucht der letzten 30 Jahre wurden die Nasen immer kürzer. Entsprechend seien die Funktionen eingeschränkt, ja weitgehend zerstört.

Schwitzen zu dürfen, kann also auch von Vorteil sein. Vielleicht macht dieser Gedanke es manchen Zeitgenossen am Wochenende ja erträglicher, wenn ihnen wieder die Kleidung am Leibe klebt.

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