Heinsberger Ruhestätten verraten viel über die Entwicklung der Stadt

Von: Rainer Herwartz
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Helmut Hawinkels nimmt seine Z
Helmut Hawinkels nimmt seine Zuhörer mit auf eine spannende Entdeckunsgtour. Der evangelische Friedhof am Waldenrather Weg ist dabei nur eine von drei Stationen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Manchmal sind sie wunderbar gestaltete Orte im Einklang mit der Natur, hin und wieder eher mit dem Nötigsten ausgestattete Räume der Ruhe und selten verwahrloste Endstationen menschlichen Daseins auf Erden.

Dass Friedhöfe jedoch weit mehr sein können als dies, wird der Heinsberger Helmut Hawinkels interessierten Bürgern ab Ende April hautnah näherbringen. Mit „Geh-denken” bietet der beliebte Stadtführer dann eine neue, etwa zweistündige Tour an, in der Spannendes und Geschichtsträchtiges über die Stadt Heinsberg anhand der Friedhöfe nachverfolgt werden kann.

Die Idee sei entstanden, so Hawinkels, als im letzten Jahr der alte evangelische Friedhof am Waldenrather Weg nach einer umfassenden Sanierung wieder ein schönes Bild bot. „Die Gräber waren verwildert und die Grabmäler zum Teil in einem bedauernswerten zustand”, erzählt Hawinkels. 2011 sei dort die allerletzte Bestattung erfolgt.

„In einem Gespräch mit Pfarrer Sebastian Walde war das Thema schon vor einiger Zeit angeklungen. Nach der Fertigstellung durch die Stadt rief mich dann der Erste Beigeordnete Jakob Gerards an und fragte, ob die Friedhöfe nicht in die Stadtführungen eingebaut werden könnten.” Das jedoch, so war Hawinkels schnell klar, hätte den Rahmen der Stadtführungen bei weitem gesprengt, denn die mehrere hundert Jahre alten Ruhestätten hatten einfach zu viel „zu erzählen”.

Wenn Hawinkels an den Jüdischen Friedhof im Klevchen denkt, auf dem mit Simon Randerath im Sommer 1938 der letzte jüdische Mitbürger Heinsbergs beerdigt wurde, fällt ihm spontan ein Satz seines Großvaters ein. In der Nazizeit war der Friedhof wiederholt geschändet worden - und viele wussten nur zu gut, durch wen. „Opa hat gesagt: Jong, die, die dr Hemmel drare, det sind net ömmer de Beste”, spielte der alte Herr auf einen der Träger des „Himmels” zu Fronleichnam an.

1933 lebten noch 92 jüdische Mitbürger in der Stadt. Der Friedhof müsse allerdings schon weit vor dem Jahr 1800 existiert haben, sagt der Hobbyhistoriker. „Das weiß man, weil er genau in diesem Jahr auf Anordnung der französischen Besatzung unter Napoleon geschlossen wurde, da er schon dreimal übereinander belegt worden war.”

Die Anhänger Martin Luthers seien bereits im 16. Jahrhundert erwähnt worden, hatte schon Heimatforscher Willi Frenken beschrieben. Seit 1595 gibt es den evangelischen Friedhof - übrigens der einzige konfessionelle der Stadt. „Die Alvertha von Lynnich, Witwe des Tilmann Roberts aus Heinsberg, schenkte der reformierten Gemeinde dazu ein Stück Land am Waldenrather Weg. Die evangelischen Christen früherer Tage hätten großen Wert darauf gelegt, auf „ihrem” Friedhof beigesetzt zu werden.

Für den evangelischen Pfarrer Arthur Fuchs, der den Bau der Christuskirche forciert und begleitet hat, spielte dies aber wohl nicht die entscheidende Rolle. Seine sterblichen Überreste wurden nämlich auf dem städtischen Friedhof an der Geilenkirchener Straße gebettet. Dort ruht übrigens auch Propst Wilhelm Krüppel, dessen Name unverbrüchlich mit dem Wiederaufbau des Selfkantdomes nach dem Kriege verbunden ist. Interessantes zu berichten weiß Hawinkels auch über die bekannten Künstler Prof. Hein Minkenberg, der den Hochaltar im Selfkantdom gestaltete, oder den Dichter und Verfasser geistlicher Lieder und Musicals, Wilhelm Willms, der ebenfalls als Propst in Heinsberg wirkte.

Die erste Führung findet am Mittwoch, 25. April, 17.30 Uhr, statt. Treffpunkt ist die Christuskirche. Von dort aus geht es zum Jüdischen Friedhof, dann zum evangelischen und schließlich zum Städtischen Friedhof. Die Tour dauert etwa zwei Stunden. „Wenn die Christuskirche fertiggestellt ist, wird diese sicherlich mit einbezogen, da dort einige fast 400 Jahre alte Grabsteine in die linke Wand eingelassen sind”, sagt Hawinkels.

„Wenn man bedenkt, dass die Grabsteine alle von Hand bearbeitet wurden, kann man sich vorstellen, dass es sich bei den Verstorbenen um Mitglieder angesehener und begüterter Familien gehandelt hat.”

Reichtümer verdient Hawinkels mit seinen Führungen übrigens nicht. Da er ausschließlich ehrenamtlich tätig ist, erbittet er lediglich eine Spende der Teilnehmer für das brasilianische Waisenhaus Niteroi, das ihm sehr am Herzen liegt.
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