Heinrich Spiegel nimmt Abschied von Betty-Reis-Gesamtschule

Von: Anna Petra Thomas
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Zwei Arbeitsplätze hatten die Kunstschüler geschaffen: einen für Heinrich Spiegel in Anspielung auf seine kölschen Wurzel, einen zweiten für Karin Hilgers mit Doktorhut in Anlehnung an ihre Tätigkeit als Englischlehrerin.

Wassenberg. Eine Sportveranstaltung im eigentlichen Sinne war er nicht, der knapp dreistündige Festakt im Forum der Betty-Reis-Gesamtschule zur Verabschiedung von Gründungs-Schulleiter Heinrich Spiegel und zur Einführung seiner Nachfolgerin Dr. Karin Hilgers, die bisher Stellvertreterin war.

Und doch gings dabei recht sportlich zu, im Sinne des Wortes, mehr noch aber im übertragenen Sinne.

So entführten Michael Bodmann und Dr. Ludger Herrmann die Gäste gleich zu Beginn gedanklich in ein Leichtathletik-Stadion, präsentierten Spiegel als Startläufer der Schulstaffel, der den Stab im Laufe der Feier an seine Nachfolgerin übergeben sollte. Der Schulchor unter der Leitung von Sara Philippen sang dem scheidenden Schulleiter „Alles Gute für die Zukunft”, bevor der Leitende Regierungsschuldirektor Bernward Gilles als Vertreter der Bezirksregierung ihm dies in seiner Ansprache persönlich wünschte.

Vor 22 Jahren sei man auf der Suche gewesen nach einem Schulleiter, „der Gesamtschule konnte”, so Gilles, und sei in Köln fündig geworden. Die Schule sei furios gestartet und jage auch heute noch von Erfolg zu Erfolg, stellte er fest und schloss: „Lieber Heinrich, du hast deine Sache sehr gut gemacht” Vor 22 Jahren hätte man total gut gesagt. „Heute sagt man voll gut”, ergänzte Gilles, bevor er Spiegel die Urkunde überreichte.

Mit den elf Geboten eines rheinischen Schulleiters brachte Kollege Lothar Ricken die kölsche Mundart ins Geschehen ein. Noch amüsanter schlüpfte danach der Zehntklässler Kay Corsten in die Rolle Spiegels und präsentierte dem Publikum im Zeitraffer aktiv dessen Leben. Für viele Schüler sei er eine Art Vaterfigur gewesen, der ihnen mit seinem moralischen Gewissen den Weg gewiesen hätte, würdigte Mirko Vahlkamp als Vertreter der Schüler den Scheidenden.

Nicht überall würden Eltern gehört, lobte Nelli Hummen die stets gute Zusammenarbeit der Schule mit den Eltern und verkündete unter großem Beifall, dass es künftig auf dem Schulgelände einen „Heinrich-Spiegel-Platz” geben werde. „Du bist von der Betty-Reis-Gesamtschule begeistert und hast begeistert”, charakterisierte Lehrerratsvorsitzender Thomas Kranz das Wirken von Spiegel.

Den Übergang zur Einführung der neuen Schulleiterin im Festakt tanzten Zehntklässler und Sportlehrer mit einem „Goodbye - Hello”.

Generalapotheker a.D. Hanns Heidemanns referierte über „die Heilkraft des Lesens”, bevor sich Bürgermeister Manfred Winkens als Vertreter des Schulträgers an Spiegel und Hilgers wandte.

Die Schule sei heute aus Wassenberg nicht mehr wegzudenken, befand er. Sie sei ein Standortfaktor, der Wassenberg weit über die Grenzen hinaus bekannt mache. Spiegel sei es gewesen, der ihr „ein unverwechselbares Profil” gegeben habe. „Sei nicht traurig, sondern freue dich, denn du darfst zu Recht sehr stolz sein auf das, was du hier geschaffen hast”, sagte Winkens ihm, einer „Persönlichkeit im öffentlichen Leben, auf die die Stadt nicht verzichten möchte.”

Stolz sein dürfe auch die Nachfolgerin, meinte er zu Hilgers, „denn du bist einstimmig von allen gewählt worden, weil alle dir diese Aufgabe zutrauen und alle wissen, dass du das kannst.” Er sei sicher, dass die Schule auch in Zukunft ein Aushängeschild für die Stadt sein werde.

Achtklässer präsentierten danach tatsächlich einen Staffellauf durchs Forum. Spiegel sprach schließlich selbst in wenigen Worten in Anlehnung an einen Spruch aus dem Buch der Weisheiten: „In großer Dankbarkeit für die vielen guten Jahre hier und für diesen Tag.” Minutenlange, stehende Ovationen ließen ihn dann sichtlich gerührt gar nicht mehr von der Bühne.

Nach einer Einlage von Achtklässlerinnen mit Einrad-Akrobatik führte Gilles Hilgers in ihr Amt als leitende Gesamtschuldirektorin ein. Damit gehe wohl der längste Staffellauf der Geschichte zu Ende, bemerkte er schmunzelnd. Nachdem Sepp Becker vor fünf Jahren in Ruhestand gegangen sei und Hilgers seine Nachfolge angetreten habe, sei jetzt erneut eine lückenlose Übergabe möglich. „Eine bessere Personalentscheidung kann es nicht geben”, erklärte er und würdige die 51-Jährige als Nachfolgerin, die für Kontinuität stehe, aber auch für notwendige Veränderungen offen sei.

Sechstklässer gratulierten mit einer amüsanten „English Lesson”, bevor Hilgers selbst versicherte, dass an der Schule die Segel gesetzt und sie auf einem guten Kurs sei. Zugleich erklärte sie jedoch ihre Bereitschaft, nötigen Segel so zu setzen, „dass unsere Schule stets auf einem guten Kurs bleibt.”

Kompass und Taktstock

„Mit dir ist die beste Nachfolgerin für die Betty-Reis-Gesamtschule gefunden”, empfing sie der Lehrerratsvorsitzende. Petra Paulussen, Susanne Rüter und Arno Kemman überreichten als Elternvertreter unter anderem einen Kompass und einen Taktstock. „Die Frau hats einfach drauf”, fand Julia Stolz schließlich passende Schülerworte. Hilgers habe trotz ihrer herzlichen Art ein unglaubliches Durchsetzungsvermögen. „Sie ist konsequent und diszipliniert, und das gucken wir uns von ihr ab.”

„Willkommen Karin!”, sang der Schulchor zum Schluss eines langen, aber kurzweiligen Programms.

„Ihr habt sehr viel Herz und sehr viel Arbeit investiert”, erklärte Hilgers auch mit Blick auf die im Kunstunterricht geschaffene Dekoration des Festaktes, der mit einem Empfang im Oberstufengebäude ausklang.
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