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Harter Tobak beim Theater an der Schule

Von: hewi
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Stefan Leonard präsentierte sich den Neuntklässlern in der Rolle des „Michael Kohlhaas” im paramilitärischen Outfit. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Harten Tobak präsentierte das Westfälische Landestheater im Rahmen der Reihe Theaterstarter am Gymnasium. In „Kohlhaas” ging es um ein Thema, das auch an deutschen Schulen leider traurige Realität ist: Amoklauf.

Stefan Leonard präsentierte sich den Neuntklässlern im paramilitärischen Outfit mit Pistole, Messer und schwarzer Sturmhaube als Mitschüler, der seinen bevorstehenden Amoklauf ankündigt und mit der Geschichte des Kohlhaas frei nach Kleist rechtfertigt.

Die Geschichte des Pferdehändlers, der mit Gewalt Gerechtigkeit erzwingen will und einen revolutionären Flächenbrand entfacht, wurde von Marco Baliani und Remo Rostagno überarbeitet. Leonard erzählte und spielte die Geschichte sehr einfühlsam und brachte sie so dem jungen Publikum näher. Das Stück war durchzogen von der Frage, wie weit jemand gehen darf, wenn er sich von der Gesellschaft ungerecht behandelt fühlt.

Dabei hatte der Erzählstil streckenweise durchaus auch komödiantische Züge, was dem Publikum die an sich schwere Kost sicher leichter verdaulich präsentierte.

Der Rachefeldzug des Kohlhaas wegen zweier Pferde, um die er von einem Adligen betrogen wurde, entgleitet ihm schon bald, und immer mehr Unschuldige fallen seiner Rachlust zum Opfer. Zuerst jedoch hat er versucht, mit legalen Mitteln zu seinem Recht zu kommen, womit er jedoch scheitert und sogar seine Frau verliert, die den Wachen des Kurfürsten zum Opfer fällt. Schließlich gibt er auf, „denn ich wollte nicht, dass das geschieht, was in meinem Namen geschehen ist. Ich wollte im Kreise der Menschen bleiben.” Die Schüler wurden aber mit ihren Fragen nicht allein gelassen, nachdem der Amokläufer am Ende des Stückes mit der gezückten Pistole und dem Ruf „Jetzt zeige ich euch, was Freiheit ist” aus der Klasse stürmte, um sein Mordwerk zu beginnen.

Gemeinsam mit der Theaterpädagogin Franziska Rieckhoff suchte Leonard die Diskussion mit den sichtlich nachdenklichen Schülern. Warum entscheidet sich jemand für den Tod und nimmt „das Recht” selbst in die Hand? Diese und andere Fragen zum Stück wurden erörtert, bevor die Schüler wieder in den Unterricht entlassen wurden. Die anfänglich verhaltene Reaktion der Schüler sei normal, betonte die Theaterpädagogin Rieckhoff. Es dauere immer einige Zeit, bis sich die Zuschauer innerlich mit dem Thema und den aufgeworfenen Fragen auseinander gesetzt hätten.

Wichtig sei auch, dass es im Unterricht eine Aufarbeitung des Themas gebe. Holger Loogen vom Stadtmarketing, der auch die Theaterreihe betreut betonte, dass man sich im Vorfeld lange überlegt habe, ob das Stück an der Schule gezeigt werden könne. Schließlich habe man sich aber dafür entschieden, um Denkanstöße zu geben. „Die Polizei wurde im Vorfeld informiert, dass es sich um einen Schauspieler handelt, falls aufmerksame Beobachter den Amokläufer am Gymnasium gemeldet hätten”, sagte Loogen.

Am 22. März steht in der Michael-Ende-Schule in Ratheim das Stück „Igraine Ohnefucht” auf dem Programm.
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