Heinsberg - Handy-Einsatz bei der Jagd: unlauter oder sinnvoll?

Handy-Einsatz bei der Jagd: unlauter oder sinnvoll?

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Wildschweinjagd
Ein Jäger sammelt nach einer Treibjagd erlegte Wildschweine ein. Foto: dpa

Heinsberg. Nachdem die Verwendung von Handys bei der Jagd schon in einigen Kantonen in der Schweiz verboten worden ist, soll diese Regelung jetzt auf das gesamte Land ausgeweitet werden.

Die Befürworter argumentieren mit der Jagdethik: Ein Jäger kann den anderen geräuschlos per SMS auf verstecktes Wild hinweisen, und wenn es die Flucht ergreift, kann es leichter verfolgt werden. Der Mensch ist dank der Jagdhilfe Handy gegenüber dem Tier in einem übergroßen Vorteil.

Wie sehen das Jäger hierzulande? Der Sprecher des Landesjagdverbands Nordrhein-Westfalen, Andreas Schneider, sagt, dass dieses Thema in Deutschland nicht von Bedeutung sei. Aber stimmt das?

Peter Deckers, stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft Heinsberg, sagt, dass der Einsatz von Mobiltelefonen die Jagd „ganz entschieden” verändert habe. „Die Kommunikation hat sich dadurch sehr stark vereinfacht”, so Deckers, zumal nur noch die wenigsten Jagdhorn-Signale beherrschten.

Allerdings bezieht er dies in erster Linie auf den Aspekt Sicherheit. Man könne sich leichter auf Gefahren hinweisen, etwa auf Straßenverkehr, oder auch vor Spaziergängern warnen. Auf die Jagdstrecke, also die Menge des erlegten Wilds, meint Deckers, habe das Handy aber keinen spürbaren Einfluss. Wenngleich er nicht abstreiten will, dass es denkbar ist, dass ein Jäger vom Hochsitz aus einen Kollegen per Handy durchs Gelände dirigiert, um den Abschuss zu erleichtern. „Das ist nicht völlig an der Realität vorbei”, sagt Deckers. Bei der Drückjagd halte er dies aber, allein schon wegen der eingeschränkten Sicht in den hiesigen Wäldern, für wahrscheinlicher. Bei der Drückjagd wird Wild mit Treibern - mit oder ohne Hunden - aufgescheucht, um es zu den stehenden Jägern zu treiben.

Ähnlich argumentiert auch der landesjagdverband: „Sichtweiten wie in den Alpen von 400 bis 500 Metern haben wir nicht”, sagt Andreas Schneider. Das Gelände sei ein anderes und das Wild auch. Außerdem habe beispielsweise Rehwild ganz andere Laufwege, als der Mensch sich das gemeinhin vorstelle. Am Handy sei nicht nur wegen des fehlenden Einflusses auf die Jagdquote, sondern auch insgesamt nichts zu beanstanden, es gebe schließlich auch andere Wege, sich über die Position von Wild zu verständigen. Funk etwa. „Daran ist nichts unlauter”, sagt Schneider.

Aus Tierschutzsicht lässt die technische Entwicklung allgemein dem Wild auch jetzt schon wenige Möglichkeiten, der Bejagung auszuweichen. Vor allem bei der Fallenjagd prangert der Tierschutzbund die Handynutzung an: „Viele Jäger lassen sich heute mit einer Nachricht aufs Handy mitteilen, ob ein Tier in die Falle gegangen ist oder nicht”, sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund. Schnappt die Falle zu, wird durch ein Kontakt geschlossen und ein Signal aufs Handy geschickt. So sparten sie sich die regelmäßige Fallenkontrolle.

„Unabhängig von der ohnehin problematischen und tierschutzwidrigen Fallenjagd, ist das aus Tierschutzsicht natürlich fahrlässig, da technische Probleme nie auszuschließen sind und es durchaus vorkommen kann, dass die Technik versagt, obwohl ein Tier in der Falle ist, welches dann lange Zeit leidet”, erläutert der Sprecher. Die zahlreichen Tierschutzprobleme durch die Jagd stünden aber nicht unmittelbar mit der Handynutzung in Zusammenhang, „sondern gerade mit dem unbestimmten Begriff der Weidgerechtigkeit”, so Tünte weiter. „Bei einer Novellierung des Bundesjagdgesetzes würden wir daher - neben vielen anderen Aspekten - fordern, diesen durch konkrete Leitsätze für tierschutzgerechtes Töten zu ersetzen.”

Welche Interessen sich bei einer Gesetzesänderung am Ende durchsetzen werden, bleibt abzuwarten.
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