Gutachten in Totschlag-Prozess: Täter ist „aggressionsfrei”

Von: kl
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Erkelenz-Granterath. Der 68-jährige Rentner aus Granterath, der seine Ehefrau erwürgt und verbrannt hat und sich deswegen wegen Totschlags vor dem Schwurgericht in Mönchengladbach verantworten muss, „wird nie wieder irgendeine Straftat begehen.”

Davon ist Dr. Martin Platzek überzeugt. Er hat das psychiatrische Gutachten über den Angeklagten erarbeitet, das er Mittwoch bei der Verhandlung vorstellte. Für ihn ist der Rentner ein Mann mit einem übergreifenden Minderwertigkeitsgefühl, ein Versager und Minus-Typ, der dank seiner Fassade als höflich, freundlich und stets hilfsbereit angesehen wurde.

Der Angeklagte habe über Jahrzehnte gelernt, seine Minderwertigkeit zu kaschieren. Als Folge der Tat sei eine tiefe Depression hinzugekommen. „Er ist im Prinzip ein gebrochener Mann.”
ArtikelÜber viele Jahre habe er sich um seine depressive Frau gekümmert, dabei sein Leben ihren Bedürfnissen untergeordnet und es „stromlinienförmig um ihr Leben herumgebaut”. Nicht nur aus Pflichtbewusstsein habe der Angeklagte gehandelt, sondern auch aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung mit der Furcht, als Versager erkannt zu werden. Wie unter Zwang habe er stets versucht, seiner Frau das Leben zu erleichtern.

Zu der eigentlichen Tat bei einem Streit um das fehlenden Geld sei es aus drei Gründen gekommen. Zum einen spielt nach Ansicht des Gutachters die langjährige Konfliktsituation zwischen Täter und Opfer eine Rolle. Hinzu käme das finanzielle Problem, das ständig angewachsen sei. Als er beim Streit ums Geld von seiner Frau nicht nur mit Worten beleidigt, sondern zugleich körperlich attackiert wurde, sei, als dritte Komponente, es zu einer „Entladung des Affektstaus” gekommen, bei dem „das Handeln weitgehend der Kontrolle des Angeklagten entzogen war.”

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