Gut fürs Leben, aber finanziell nicht nötig

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Peter Randerath (links hinten) mit dreien seiner „Schützlinge” im Johannes-Sondermann-Haus in Heinsberg. Ibrahim-Kaan Cevahir, Steffen Freyer und Koch Marco Heinrichs (v.l.) werden heute nach neun Monaten Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt Foto: N. Schuldei

Kreis Heinsberg. Nach den laut ausgesprochenen Überlegungen von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zur Änderung der Wehrpflicht für junge Männer schrillen bei den Sozialverbänden die Alarmglocken: Es würde indirekt auch sie betreffen.

„Falls man den Grundwehrdienst aussetzt, ist das de facto das Ende der Wehrpflicht”, warnt CDU-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck. Denn dann müssten nur noch die zur Ausbildung antreten, die sich freiwillig zum Dienst melden. Das wäre ein harter Schlag für die Sozialverbände. Sollte man meinen. Die freilich scheinen auf den Ausfall der Zivildienstleistenden vorbereitet zu sein.

„Schon die Verkürzung der Dienstzeit auf sechs Monate hat uns getroffen”, sagt Peter Randerath. Er ist beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Beauftragter für die Zivildienstleistenden. Zehn junge Männer, die statt zum Dienst mit der Waffe im stationären Pflegebereich der Altenheime, in der Individuellen Schwerbehindertenbetreuung oder im Mobilen Sozialen Hilfsdienst der AWO eingesetzt sind, leisten dort derzeit ihren Zivildienst.

„Aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten”, sagt Randerath, „wäre das für uns keine große Lücke, die der Wegfall der Zivis reißen würde.” Ein Zivi koste den Wohlfahrtsverband im Monat etwa 600 bis 700 Euro. „Wenn Sie die Zeiten, in denen die Zivis Schulungen des Bundesamtes oder Lehrgänge besuchen oder Urlaub haben, abrechnen, dann tut sich das rein finanziell mit dem, was uns ein vergleichbar qualifizierter hauptamtlicher Mitarbeiter kostet, nicht viel”, sagt Randerath. Um das mit Zahlen zu untermauern: „Wir haben kreisweit rund 630 Beschäftigte, davon zehn Zivis. Nein, von der wirtschaftlichen Seite gesehen sind Zivildienstleistende für uns kein entscheidender Faktor.”

Allerdings schiebt er direkt nach: „Aber von der gesellschaftspolitischen Seite betrachtet sind wir nach wie vor ganz entschieden dafür, auch weiter Zivildienstleistende in unseren Einrichtungen zu beschäftigen.”

Es sei für ihn immer wieder ebenso faszinierend wie erstaunlich, dass die Zivildienstzeit die jungen Männer „sehr verändert und positiv formt”. Beim Roten Kreuz werden die Zivis hauptsächlich im Behindertenfahrdienst eingesetzt. „Häufig wechselnde Bezugspersonen”, so Mercks, „sorgen gerade bei Behinderten und anderen an diesem sensiblen System beteiligten Menschen für Verunsicherungen.”
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