Gummibären reisen nicht im Schuhkarton

Von: Anna Petra Thomas
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Auf ihrem Esszimmertisch packt
Auf ihrem Esszimmertisch packt Josi Helfert ihre unzähligen Päckchen, die seit Jahren auf die lange Reise zu bedürftigen Kindern bis nach Kosovo, Polen und Serbien gehen. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Kirchhoven. Wenn Josi Helfert aus Kirchhoven Mitte Oktober ihr Esszimmer räumt, gehts für einen Monat hoch her am Vorschelner Hof 9, allein für einen guten Zweck: „Weihnachten im Schuhkarton” heißt die Aktion, die sich selbst als die weltweit größte Geschenk-Aktion für Kinder in Not bezeichnet und für die sich die 55-Jährige mit Unterstützung ihrer Familie nun bereits zum elften Mal engagiert.

Gerade nimmt sie einen dunkelgrünen Schuhkarton, den sie passend mit grünem Weihnachtspapier beklebt hat, auf dem goldene Sterne leuchten. Zuerst wandert ein kleiner Traktor mit Anhänger hinein, dann ein Block, Buntstifte, eine Plüschmaus, eine Kappe, eine Zahnbürste und eine Handvoll Lutscher. Das ist das Weihnachtsgeschenk für einen Jungen, zwischen fünf und neun Jahre alt, irgendwo im Kosovo, in Polen oder in Serbien.

In einer christlichen Zeitschrift habe sie von der Aktion gelesen, erzählt Josi Helfert. Das war im Jahre 2000. Zuerst habe sie nur selbst Päckchen gepackt, dann immer mehr aus dem Bekanntenkreis bekommen. „Ich habe nie gerne Geld gespendet”, erzählt sie. „Und diese Aktion fand ich so genial, weil sie es möglich macht, Jungen oder Mädchen in drei verschiedenen Altersklassen zu beschenken.”

Der grüne Karton, den Josi Helfert gerade gepackt hat, bekommt daher jetzt auch einen grünen Aufkleber, auf dem „Boy” steht und auf dem sie die Altersgruppe „5-9 Jahre” ankreuzt. Möglich sind auch Päckchen für Jungs und Mädchen (mit roten Aufklebern) in den Altersklassen „2-4 Jahre” oder „10-14 Jahre”.

Vor elf Jahren hat Josi Helfert ihre ersten Päckchen noch im Keller gepackt. Heute wird ihr Esszimmer zur Packstation. An den Wänden entlang werden dann rundherum Tische aufgestellt, auf denen sich Materialien stapeln, die den Helferts geschenkt werden, etwa ein ganzer Karton mit kleinen Plüschtieren, Blöcke, Buntstifte und vieles mehr. Damit packt Josi Helfert selbst Kartons, die sie in Schuhgeschäften geschenkt bekommt oder nutzt einzelne Teile, um in den Kartons Dinge auszutauschen, von denen sie sicher weiß, dass sie Probleme machen werden beim Zoll. Ein Beispiel sind Gelierstoffe, wie sie etwa in Gummibärchen, Weingummi oder Kaubonbons enthalten sind. Tüten mit Gummibärchen muss sie austauschen, und die gibt sie dann vor Weihnachten noch weiter an die Tafeln, ans Gefängnis oder ans Kinderdorf, wie sie erzählt.

Was genau hinein darf in die Schuhkartons, steht auf einem Handzettel, den sich jeder, der an der Aktion Interesse hat, sogar vor dem Haus der Helferts aus einer Infobox nehmen kann. Hier befindet sich die zentrale Sammelstelle für die ganze Region Heinsberg. Daneben gibt es drei sogenannte Untersammelstellen, wo die Pakete ebenfalls auf ihren Inhalt geprüft und versiegelt werden sowie weitere zehn Annahmestellen. Von dort kommen die Schuhkartons Mitte November zu den Helferts und werden hier in große Umkartons verpackt, die dann von einem Lkw abgeholt werden. 1200 Schuhkartons kamen so im vergangenen Jahr zusammen. „2009 waren es sogar 1600!”, sagt Josi Helfert.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 500.000 Päckchen zusammen, fast 100 000 davon aus Nordrhein-Westfalen. Die Schuhkartons aus der Region Heinsberg gehen seit drei Jahren auf den Transport nach Kosovo, Polen und Serbien. Neben weiteren Ländern in Osteuropa werden auch Päckchen aus anderen Regionen Deutschlands in die Mongolei oder nach Haiti geliefert.

In den Empfängerländern werden sie christlichen Gemeinden verschiedener Konfessionen übergeben. Sie überreichen hilfsbedürftigen Mädchen und Jungen die Päckchen und, wo es erlaubt und erwünscht ist, dazu auch ein Heft mit Geschichten aus der Bibel.

Die diesjährige Schuhkarton-Packaktion geht bis zum 15. November. Da sich die Aktion rein aus Spenden finanziert, freut sich Josi Helfert über jede finanzielle Spende, denn sechs Euro werden alleine für den Versand eines gefüllten Kartons benötigt; Spendenkonto 104 102 bei der Postbank Berlin (BLZ 100 100 10), Projektnummer 300 501.

Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton” entstand 1996 durch einen Aufruf in der christlichen Zeitschrift „Entscheidung”. Spontan trafen 1600 Pakete in der Redaktion ein. Als der Ruf nach weiteren Projekten lauter wurde, ging 2001 aus der Billy Graham Evangelistic Association Deutschland als Herausgeberin der Zeitschrift der Verein „Geschenke der Hoffnung” hervor. Er arbeitet eng mit der internationalen Hilfsorganisation Samaritans Purse und weiteren Partnern in derzeit 16 Ländern zusammen.
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