Gespräch mit einem HIV-Betroffenen: Die Angst verfliegt rasch

Von: Anna Petra Thomas
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Von zwei Schülern nahm Renate
Von zwei Schülern nahm Renate Kaspar den Scheck entgegen. Lehrerin Sabine Funk (rechts) freute sich ebenfalls über das Projekt. Foto: Thomas

Heinsberg. Krank aussehend, schüchtern und traurig - so hatten sich die Schüler des Kurses Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Biologie der Jahrgangsstufe 8 in der Realschule im Klevchen ihren HIV-positiven Gesprächspartner vorgestellt. Und Angst hatten sie gehabt. Neben wem er wohl sitzen würde, hatten sie sich zum Beispiel sorgenvoll gefragt.

Aber sie wurden überrascht: Der Mensch, der da in ihren Kurs kam, war alles andere als am Boden zerstört wegen des HIV-Virus, mit dem er leben muss. „Ich bin ein bisschen anders, ein bisschen positiver eingestellt”, erklärte der fröhlich gekleidete und munter dreinblickende Heinsberger, der sich erstmals in eine Schule begab, um Schülern direkt von seinem Leben mit dem Virus zu berichten, ansonsten aber anonym bleiben möchte. Zwei Schulstunden nahm er sich Zeit, im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts mit den Schülern ganz unterschiedliche Facetten rund um das Thema Aids zu beleuchten.

Eingeladen in ihren Kurs hatte ihn Vertrauenslehrerin Sabine Funk, die das Thema Aids in jedem Jahr in der Schule ins Gespräch bringt, zuletzt anlässlich des Weltaidstages im vergangenen Jahr. Ihr Kurs hatte sich natürlich noch viel intensiver mit der Thematik befasst. Und über Renate Kaspar vom „Aids Beratungs- und Hilfsdienst” im Gesundheits- und Sozialzen-trum der AWO in Hückelhoven hatte sie den HIV-positiven Menschen sogar als Gesprächspartner für ihre Schüler gewinnen können.

Ob er Angst vor dem Ausbruch der Krankheit hat? „Soweit lass ich es gar nicht kommen. Das kommt gar nicht in Frage”, lautete seine klare Antwort auf eine Schülerfrage. Intensiv wurde die Diskussion, als Renate Kaspar und Sabine Funk mit den Schülern nach dem Grund für die nach wie vor weit verbreiteten Vorurteile gegenüber HIV-infizierten Menschen suchten. „Das hat gar nicht unbedingt etwas mit Wissen zu tun. Es geht doch auch darum, ob ich einen Menschen in dieser Situation als gleichwertig anerkennen möchte”, fasste Kaspar zusammen. Und dass die Infektion meist über ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werde, schüre die Vorurteile natürlich noch mehr, betonte sie.

Er habe sich im Alter von 16 Jahren bereits dazu bekannt, homosexuell zu sein und lebe jetzt mittlerweile bereits seit 22 Jahren mit der Infektion, erklärte der HIV-positive Gast. Wie er denn mit Schwulenwitzen umgehe, wollte da Lehrerin Funk von ihm wissen. „Ich mache genau so gerne Blondinenwitze”, kam es spontan zurück. „Vor dir müssen wir ja gar keine Angst haben”, zog einer der Schüler am Ende für die gesamte Gruppe ein positives Resümee. „Du bist ein Mensch wie jeder andere auch.”

Alle Schüler waren froh, die Möglichkeit angenommen zu haben, sich in einem sehr persönlichen Gespräch mit einem HIV-positiven Menschen ein eigenes Bild zum Thema machen zu können. Für sie alle, vor allem aber für eine ihrer Mitschülerinnen, ist ein Tabu gebrochen, konnte sie doch am Ende der zweistündigen Veranstaltung darüber sprechen, dass es auch in ihrer eigenen Familie einen HIV-infizierten Menschen gibt. Die Vorschläge der Gäste zum weiteren Umgang mit dem Thema in ihrer Familie nahm sie gerne an.

Abschließend überreichten die Schüler noch eine kleine Spende an Renate Kaspar: 135 Euro waren beim Weltaidstag zusammengekommen, als Erlös aus gebastelten roten Schleifen und Keksen in Schleifenform, mit denen die Schüler Solidarität zeigten mit HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen.
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