Gangelt - Gangelter Wildpark: Einblick in Fauna und Flora geben

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Gangelter Wildpark: Einblick in Fauna und Flora geben

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Erwin Janssen
Ein staunendes Publikum, das gut zuhört und Fragen stellt, ist für Erwin Janssen das Salz in der Suppe bei den täglichen Flugshows. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Erwin Janssen braucht keinen Wecker. Der Falkner im Gangelter Wildpark wird so geweckt, wie es sich viele andere erträumen: Vom Vogelgezwitscher, vom Rauschen der Blätter oder vom Röhren der Hirsche.

Oft kommt es vor, dass Erwin Janssen im Blockhaus an der Falknerei übernachtet und dann von da aus gegen acht Uhr seine Arbeit beginnt. Nach einem Wetter prüfenden Blick in den Himmel gilt sein Augenmerk den Tieren.

„Wenn mit den Tieren alles in Ordnung ist, kann der Tag beginnen”, so der 61-Jährige. Zuerst werden die kleineren Greifvögel, die über Nacht aus Sicherheitsgründen in Voliere gesperrt werden, herausgeholt, dann sind die Jungvögel an der Reihe. Sechs Stück sind es derzeit bei den Adlern, Bussarden, Rotmilanen und Sakorfalken.

Interessierte Zuhörer sind für Erwin Janssen nach den Flugsshows immer ganz wichtige Gäste. Den Menschen einen Einblick in das Leben und Funktionieren von Flora und Fauna zu geben, sei wichtig.

„Da erzählte ich gerade vom phantastischen Gehör der Eule, als mir ein siebenjähriges Mädchen mit einem enormen Fachwissen auffiel”, so Janssen. Woher sie dass denn alles wisse, fragte der Falkner und bekam erstaunt zu hören, dass sie das von ihrem Freund habe. Und der war letzte Woche bei dir in der Flugshow”, erzählte die junge Dame. „Das ist es”, begeistert sich Janssen, „würden doch mehr Menschen so zuhören, wie diese beiden es getan haben.”

Nicht wenige der Greifvögel in der Falknerei haben aus dem Ei schlüpfend zuerst in das strahlende Gesicht von Erwin Janssen geblickt. „Nach dem Füttern und Säubern der Unterkünfte sind die ganz jungen Vögel mit der Handaufzucht dran”, erzählt er immer noch von der Arbeit vor dem Mittagessen.

Später werden dann Vögel für die beliebte Flugshow trainiert. Alle Vertrautheit, jede vermeintliche Sicherheit und auch noch so großes, über die Jahre erworbenes Zutrauen können aber trügerisch sein. „Ich arbeite mit Wildtieren und dessen muss ich mir immer bewusst sein”, so Janssen.

Bei jedem Freiflug trifft der Vogel die Entscheidung, ob er wiederkommt oder nicht. In den rund 30 Jahren, die Jansen jetzt im Gangelter Tierpark als Falkner arbeitet, haben gerade einmal eine Handvoll Vögel adé gesagt. Ihren Reiz haben die Freiflüge der Greifvögel (im Sommer 13 und 15 Uhr) unter anderem dadurch, dass die Gäste unmittelbar am Geschehen teilnehmen.

Wer aber zum zweiten Mal an einer solchen Veranstaltung teilnimmt, der weiß, dass mindestens die Hälfte der guten Unterhaltung vom Falkner selber kommt: „Erwin ist Kult”, hört man da schon mal. „Die Vögel hören genau so gut wie Kinder!” Spätestens wenn er diesen Satz gesagt hat, ist der Kontakt zum Publikum hergestellt.

Vorher hat dann meistens Steinadler Sam für Staunen und der Schwarzmilan für Begeisterung gesorgt. Erwin Janssen stellt sich dann mit einer Eule, die die Versammlung mit ihren 180-Grad-Kopfdrehungen ziemlich skeptisch ansieht, zu den Gästen und wartet auf Fragen.

„Es gibt keine dummen Fragen”, ermuntert er seine Zuhörer, obwohl es nach rund 11 000 Flugshows keine Frage gibt, die er noch nicht gehört hat. Oft dreht es sich um die artgerechte Haltung der Tiere. Warum zwei Riemen an den Füßen, warum aus Leder und warum so kurz? Ein Ritual für den Falkner ist auch die Fütterung mit Eintagskücken. „Oooh” und „Aaaah” und „Igitt” sind vorprogrammiert und bekommen immer die gleiche Antwort.

„Jetzt wird geraunt, wenn die gleichen Küken sechs Wochen alt sind, schmecken sie euch als halbe Hähnchen!” Staunen rufen auch immer die „technischen Daten” der Vögel hervor. Dass „Sam” bei über zwei Meter Flügelspannweite nur rund 3,5 Kilogramm wiegt, wird noch hingenommen. Dass er aber mit 300 Kilo Griffkraft 50 Kilo mehr hat als ein Rottweiler Beißkraft, wird mit ungläubigen Blicken beantwortet.

Überhaupt kein Verständnis hat Erwin Jansen für die Leute, die „ihr Gehirn an der Kasse abgeben.” Da wird den fleischfressenden Greifvögeln Brot und Mais um die Ohren gefeuert, Hunde, obwohl in der Falknerei gar nicht zugelassen, bei den Greifvögeln frei laufen gelassen, oder es wird Radau wie auf der Kirmes gemacht.

Das spricht er an, in knappen, kommafreien Sätzen. Denn: „Im Vordergrund stehen immer die Tiere”, vermittelt Janssen jedem Gast. Der Privatmann Erwin Jansen hat ein große Leidenschaft: „Alles, was mit Jagd zu tun hat.” Er hat die Berufsjägerprüfung und ist Jagdhornbläser.

Nach der letzten Flugshow steht dann noch einmal ein Training mit den Jungvögeln an. Danach wird im gesamten Park noch einmal nach dem Rechten gesehen, an der Kasse vorbeigeschaut, ein Blick auf die auszuführenden Arbeiten geworfen und auch schon mal schnell ein Kaffee im „Wildblick” getrunken.

„Wenn alles gut läuft, mache ich zwischen 18 und 19 Uhr Schluss”, so Janssen, der sich danach im „2-Länder-Eck” gerne mit den Honoratioren des Dorfes zu einem Feierabendbierchen trifft.
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