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„Galileo en miniature“ startet 2013 in Wildenrath

Von: disch
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Ein ICE dreht seine Runden auf dem großen Testring des Siemens-Bahnprüfcenters in Wegberg-Wildenrath: Dort können zukünftig Galileo-Anwendungen für den Schienenverkehr unter realen Bedingungen getestet werden. Quelle: Agit
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Auf dem ehemaligen Royal-Air-Force-Fliegerhorst in Wegberg-Wildenrath: Rund um das Bahntestgelände von Siemens verteilt, wurden Sendeanlagen aufgestellt. Diese Pseudolites (rote Markierungen) senden Galileo-konforme Signale aus. So werden die Entwicklung und den Test von Galileo-Anwendungssystemen ermöglicht. Die Referenzstation (gelbe Markierung) befindet sich in der Mitte des Areals. Die Monitor- und Kontrollstation (grüne Markierung) ist im List-Zentrum untergebracht. Quelle: Agit mit freundlicher Genehmigung von tim-online

Wegberg-Wildenrath. Die Amerikaner haben GPS, die Russen Glonass. Galileo, das europäische ­Navigationssatellitensystem, das ebenfalls weltweit Daten zur exakten Positionsbestimmung liefern soll, aber dies möglichst noch zuverlässiger, ist noch im Aufbau begriffen und wird erst in einigen Jahren in Betrieb gehen.

Im Sommer 2013 soll es dann richtig losgehen in Wildenrath. Dort können nach Angaben von Dipl.-Ing. Martin Pölöskey und Dr.-Ing. Carsten Hoelper vom Automotive + Rail ­Innovation Center Aachen (ARIC), einem Geschäftsbereich der ­Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT), komplexe Fahrsituationen auch mit mehreren Schienenfahrzeugen gleichzeitig bei hohen Geschwindigkeiten praxisnah und ohne Beeinträchtigung oder Gefährdung des öffentlichen Verkehrs getestet werden.

Dies werde es Unternehmen wie Forschungseinrichtungen ermöglichen, schneller und effizienter als bisher neue, innovative Anwendungen der Satellitennavigation zu ent­wickeln und zur Marktreife zu führen. Somit ließen sich integrierte, aktive Assistenz- und Sicherheitssysteme, die auf Galileo basieren würden, zur Unfall- und Kollisionsvermeidung realisieren. Wobei railGATE Praxistests unter definierten Bedingungen möglich mache. Da könnten beispielsweise Abschattungen durch Brücken oder Tunnel ebenso simuliert werden wie bestimmte ­Extremfälle.

Der Heinsberger Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung die Verwaltung zum Abschluss einer Kooperationsvereinbarung mit den unmittelbar am Projekt beteiligten Organisationen ermächtigt. Und es wurde „grünes Licht“ für Förderzusagen in Höhe von 20.000 Euro im Jahr 2013 und 40.000 Euro im Jahr 2014 erteilt. Für Dr. Joachim Steiner, den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG), der im Kreistag für eine Zustimmung geworben hatte, ist dies auf jeden Fall eine sinnvolle Ausgabe. „Mit railGATE bietet sich die Chance, frisches Blut in den Standort ­Wildenrath als Bahntechnologiezentrum zu bringen.“ Dieses Galileo-Projekt könne den Standort in Bahntechnologiekreisen noch einmal „pushen“. So könne Aufmerksamkeit nach Wildenrath gelenkt werden, hofft er.

Unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind in Deutschland verschiedene Galileo-Test- und Entwicklungsumgebungen geschaffen worden. Gefördert von Bund und Land, sind in das unter Federführung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen entstandene Galilo-Anwendungszentrum für bodengebundenen Verkehr („Galileo above“) mit automotiveGATE in Aldenhoven-Siersdorf für Autoverkehr und railGATE in Wegberg-Wildenrath für Schienenverkehr insgesamt zehn bis elf Millionen Euro investiert worden.

In Wildenrath gibt es acht Pseudolites mit Galileo-Signalgenerator und Antenne. Sie senden die ­Galileo-konformen Signale aus. Sechs bis zu 60 Meter hohe Masten wurden dafür neu errichtet; zudem werden ein ­Vodafone-­Mast und der ehemalige Radarturm der Royal Air Force genutzt. In der Mitte des Areals steht die Referenzstation. Im List-Zentrum ist die Monitor- und Kontrollstation untergebracht.

Entwickelt werden bereits die ersten Applikationen, sprich Anwendungsprojekte. Da geht es vor allem ums Rangieren: „Elektronische Streckenbegrenzung“ , „Zielbremsung“, „Kuppelbereites Positionieren“ oder „Automatisches Flachrangieren“ sind da die Stichworte. Durch eine Automatisierung der Zugbildung außerhalb der großen Rangierbahnhöfe könnte der Güterverkehr auf der Schiene attraktiver werden, so die Hoffnung. Benötigt werden dafür auf jeden Fall präzise Positions- und Geschwindigkeitsinformationen. Dank der hochgenauen ­Wildenrather Galileo-Signale – mit einer Präzision von unter einem Meter – sollen die Forschungsprojekte ab 2013 erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden.

Wobei Carsten Hoelper auf Nachfrage betont, wie ungefährlich die mit den ausgesendeten Signale verbundene Strahlung sei. Eine Mobiltelefon-Basisstation, wie sie zum Beispiel auf einem Mast, einem Kirchturm oder einem Hochhaus zu finden sei, sende mit zehn Watt, die Pseudo­lites in Wildenrath hingegen nur mit 0,001 Watt.

Pölöskey und Hoelper bezeichnen das Galileo-Testfeld im sogenannten Wegberg-Oval als „weltweit einzigartig“. Derzeit rühren sie bereits kräftig die Trommel bei vielen Fachveranstaltungen: ob in Berlin oder London, Hamburg oder Lille. Da railGATE nicht firmengebunden, sondern neutral sei, könne das Testfeld von jedem Interessenten genutzt werden. Auch wenn die Nachfrage im Voraus schwer einzuschätzen sei, so zeigen sich beide davon überzeugt, dass die Aus­lastung kommen werde. Die Möglichkeiten, die in Wildenrath mit der Kombination von Siemens-Bahnprüfcenter und railGATE geboten würden, „werden sich herumsprechen“.

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