Für eine Kamera lässt eine Gans ihr Leben

Von: Norbert F. Schuldei
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Arnold Steufmehls hat seine Erinnerungen am Computer niedergeschrieben. Foto: Norbert F. Schuldei

Erkelenz-Hetzerath. Als er die erste Seite auf dem nigelnagelneuen Computer geschrieben hatte, war er schon ein wenig stolz. Aber da war auch gleich die bange Frage: „Und wie geht´s nun weiter?”

Die Frage hat sich erübrigt: Es ging weiter - und wie! Denn jetzt ist es fertig, das Buch, zu dem Arnold Steufmehl, damals, vor 23 Monaten im zarten Alter von 86 Jahren seine ersten Gehversuche mit dem neuen Werkzeug Computer gemacht hat. 212 Seiten stark sind die „Erinnerungen und Erlebnisse” des gebürtigen Hetzerathers ausgewachsen - und mindestens genau so viele Fotos finden sich darin.

Alle selbst elektronisch in den Text eingebaut, also eingescannt, und - natürlich - aus dem eigenen, im Laufe der Jahre gewaltig angewachsenen Negativ-Archiv rekrutiert.

Denn Arnold Steufmehl hat von jungen Jahren leidenschaftlich gern fotografiert - bis ins hohe Alter war er für die vormals noch vier in Erkelenz erscheinenden Tageszeitungen mit eigenem Lokalteil als Bildchronist tätig.

„Etwa 1934 habe ich vier Mark für eine Camera zusammengespart”, schreibt Steufmehl in seinem Buch. „Es war eine Box, sie kostete damals vier Mark. Leider sind die damit entstandenen Bilder durch den Krieg fast alle verloren gegangen. Noch während des Krieges habe ich eine bessere bekommen.”

1921 ist er auf die Welt gekommen. Ein waschechter Hetzerather: Auch sein Vater und sein Großvater stammen aus dem Dorf. Noch heute wohnt der 88-Jährige in dem Ort mit dem Kreuzherrenkloster in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Natürlich kennt er Gott und die Welt in Hetzerath, schöne Geschichten und nette Vertällchen, fast Historisches und mehr Persönliches. Das alles hat er aufgeschrieben und damit für Nachgeborene festgehalten. Beispielsweise dies: „An der heutigen Hohenbuscher Straße liegt das Haus Spiess, viele Jahrzehnte von der Familie Spiess bewohnt. Letzte Bewohnerin war Fräulein Anna Spiess.

Wie alle anderen Familienmitglieder wurde sie in Doveren beerdigt. Nach ihrem Tod gingen die Gebäude, Ländereien, sowie Wald und Wiesen an eine Erbengemeinschaft. Inzwischen sind die Wiesen alle bebaut.

Ackerland und Wald haben ebenfalls den Besitzer gewechselt. Das übrig gebliebene Gebäude ist dem Verfall nahe. Ein dunkles Kapitel für das Haus Spiess war die Zeit, als die Juden aus dem Erkelenzer Raum dort untergebracht waren.

Wie viele es genau waren, ist heute nicht mehr festzustellen. Der Aufenthalt dauerte bis zum 22. März 1942.” Natürlich nehmen die Kriegserlebnisse und die Wirren des Krieges einen breiten Raum in Steufmehls Aufzeichnungen ein - seine Generation ist von den Folgen des Naziregimes nicht selten noch heute wie traumatisiert.

„Die Front rückte immer näher. Riesige amerikanische Scheinwerfer erleuchteten nachts die Hauptkampflinie. Brennende Fahrzeuge und flüchtende Menschen aus dem Kampfgebiet gehörten zum alltäglichen Straßenbild”, erinnert er.

Das Leben ging weiter - und neben seinem Beruf als Dreher bei der Erkelenzer Maschinenfabrik Ferdinand Clasen, den er dort bis zu seinem 63. Lebensjahr, also bis zur Rente, ausübte, gilt bis heute seine große Liebe der Fotografie.

Seine Schwester besorgte ihm die erste Kamera, eine Agfa 6x9. Der Preis damals: Eine Gans. Beide, Kamera und Gans, sind im Buch verewigt. Arnold Steufmehl hat das und Vieles, was ihm im Rückblick wichtig oder amüsant erschien, in den Computer geschrieben: „Das einzige Telefon im Dorf”, oder „Die neue D-Mark”, oder „Angesehene Originale”, oder „Was mein Großvater noch wusste” sind beispielsweise Kapitel überschrieben. Und sie alle werden mit einer Vielzahl von Bildern illustriert.
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