Gangelt - Freiheit des Glücksbringers überm Dach

Freiheit des Glücksbringers überm Dach

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Schornsteinfegermeister Johannes Houben und seine Mitarbeiterin Corinna Joerissen wünschen einen guten Start und ein erfolgreiches Jahr 2009. Dem schließt sich die Lokalredaktion an. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Lassen Sie mich doch schnell an Ihrem Knopf drehen!” Diesen Satz hören Schornsteinfegermeister Johannes Houben und seine Mitarbeiterin Corinna Joerissen täglich. Nach der Pensionierung von Bezirksschornsteinfegermeister Rainer Metzing übernahm Johannes Houben dessen Bezirk und ist nun für weite Teile der Gemeinde Gangelt, einige Orte im Selfkant und insgesamt 3000 Haushalte zuständig.

Beide, Johannes Houben und Corinna Joerissen, scheinen ihren Beruf über alles zu lieben - und nicht nur, weil sie quasi als permanente Glücksbringer gelten. „Der ländliche Bereich ist schön; hier hat man es mit netten Leuten zu tun”, freut sich Johannes Houben bei der Zuteilung eines Kehrbezirkes, in Heimatnähe geblieben zu sein.

„Dieser Beruf vermittelt einem ein großartiges Freiheitsgefühl”, umschreibt es Corinna Joerissen. „Und nicht nur, weil man auf den Dächern steht und alles überblicken kann.” Und was ist mit dem ganzen Dreck, den man sich permanent bei dieser Arbeit einhandelt? „Für den Dreck gibt es die Dusche”, lacht die zweifache Mutter. Sie hat 1990 nach dem Realschul-Besuch eine Ausbildung zur Schornsteinfegerin begonnen.

Eine TV-Reportage hatte sie darauf gebracht. „Physik und Chemie haben mich immer schon interessiert - und dieser Beruf bot mir beides”, erzählt sie und weiß, dass der Schornsteinfeger weit mehr macht, als nur mit der schweren Kugel und mit dem Besen die Kamine zu fegen. Schüttelflasche und CO2-Indikator waren die „High-Tech-Hilfen” aus ihrer Lehrzeit.

„Heute sind die Messgeräte alle computergestützt”, berichtet sie über den Wandel der Technik. Aber auch die steigenden Energiepreise haben für Veränderungen gesorgt. Förster Wolfgang von der Heiden weiß nicht, wie er den „Hunger” der Kunden nach Brennholz stillen soll.

Entsprechend ist die Zahl der Kaminöfen in die Höhe geschnellt. „Damit”, so weiß Johannes Houben aus leidiger Erfahrung, „steigt auch wieder die Zahl der Kaminbrände.” Wichtig ist, dass die Kamine, an die die Öfen angeschlossen sind, vom Schornsteinfegermeister abgenommen werden. „Sonst kann sogar der Versicherungsschutz erlöschen”, erzählt der Fachmann.

„Frische Luft und nette Leute”, haben Corinna Joerissen von Anfang an ihren Beruf lieben lassen. Sie konnte nach bestandener Gesellenprüfung in ihrem Ausbildungsbetrieb Vise in Heinsberg-Aphoven weiter arbeiten, bis eine andere Liebe sie zu einer schornsteinfegerfreien Zeit zwang.

Nach der Heirat 1993 kamen alsbald die Töchter Chantal (14) und Joyce (11) auf die Welt. Aber sobald das möglich war, trieb sie die Begeisterung für ihren Beruf wieder auf die Dächer. Stundenweise habe sie in der Kindergartenzeit schon wieder gearbeitet oder das mit dem Schichtdienst ihres Mannes koordiniert. Seit diesem Jahr ist sie wieder „voll im Geschäft” und als Dienstleister wie Glücksbringer unterwegs.

Das Glückbringen auch schon mal seltsame Blüten treibt, hat sie in ihrer Anfangszeit erlebt. Sie sollte für ein Foto ein Glücksschweinchen auf dem Arm tragen.

„Als aber das Schweinchen eine ausgewachsene Sau war, musste der Fotograf umkalkulieren und ich habe mich daneben gekniet und ihm zu geprostet!” Da sind die Fälle, wo sie bei Hochzeiten für wildfremde Leute einen Blumenstrauß überreicht von einfacherer Natur.
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