Hückelhoven-Doverheide - Fotoapparat ist künstlerisches Werkzeug

Fotoapparat ist künstlerisches Werkzeug

Von: Norbert Schuldei
Letzte Aktualisierung:
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Helmut Machat mit seinem Arbeitsgerät. Sein Sujet sind Spiegelungen, die er in der Rur findet. Foto: N. Schuldei

Hückelhoven-Doverheide. Alles ist im Fluss. Nein, das ist jetzt nicht philosophisch gemeint. Kann es auch gar nicht, wenn der Fluss die Rur ist. Die ohne H zudem. Also weder ein griechischer Philosoph noch ein geschichtsträchtiger Strom werden bemüht, um die Fotografien von Helmut Machat zu beschreiben.

Die nämlich sind im wahrsten Sinn des Wortes im Fluss: In ihnen spiegeln sich Bäume und Sträucher, die der Fotograf bei Spaziergängen entlang der Rur gleich hinter seinem Haus in Doverheide mit der Kamera in ein rechtwinkliges Format zwängt.

Sie werden durch die Bewegung des Wassers ebenso verformt wie durch die Spiegelung der Wolken verfremdet. Alles fließt in diesen Fotografien dahin, gleitet vorbei, bis aus den konkreten Formen abstrakte Modulationen entstanden sind, die den Fotografien das Wesen der Malerei einhauchen. „Ja, die Spiegelungen sind mein Thema geworden”, sagt der 57-Jährige.

Die Leidenschaft für die Fotografie wurde bei dem gelernten Elektromeister vor genau 28 Jahren geweckt, wie er heute noch haargenau erinnert: „Mein Bruder hat mir damals seine Minolta verkauft.” Machat trat dem Fotoclub in Hückelhoven bei, stellte seine Fotos im Kreis der ambitionierten Amateure zur Diskussion - und wurde verrissen.

„Sicher war das anfangs hart, aber ich habe aus diesen heftigen Kritiken positive Dinge für mich herausgeholt.” Er ging seinen fotografisch einmal eingeschlagenen Weg konsequent weiter: „Mit der Zeit berkam ich ein Auge für ein gutes Bild”. Vor sieben Jahren dann stellte Machat im Fotoclub sein erstes Foto einer Spiegelung in der Rur aus. „Schon damals war ich mir sicher, dass ich mein fotografisches Thema gefunden hatte”, sagt er.

Er bezeichnet diese Phase, in denen die Dinge, die sich im Wasser spiegeln, noch sehr realtiätsnah sind, also einen noch ziemlich hohen Wiedererkennungswert in sich tragen, als „erste Ebene”. Womit er sich als Fotograf und dem, was und wie er es fotografiert, eine Entwicklung zuschreibt: Auf Ebene eins folgt zwangsläufig die zweite Ebene. „Das sind die Spiegelungen, bei denen die Realität der sich spiegelnden Dinge schon deutlich reduziert ist”, sagt er. Oder anderes ausgedrückt: Diese Fotografien wirken sehr viel abstrakter als die aus der Anfangsphase.

Inzwischen ist Helmut Machat auf seiner „selbst gemachten” Skala auf der dritten Ebene angelangt. Er beschreibt diese Fotografien so: „Eigentlich geht es mir jetzt darum, reine Formenspiele und Farbenreize festzuhalten.” Die Bewegung und das Fließen der abgebildeten Gegenstände mündet in diesen Arbeiten in surrealistische Formen - der Übergang von einer Fotografie zu einem gemalten Bild wird fließend.

Möglicherweise ist diese Ambivalenz von Fotograf und so genanntem „bildenden Künstler” ein Grund, warum sich Machat um die Mitgliedschaft in der Hückelhovener Künstlervereinigung Canthe bemüht hat. Mit Erfolg: Machat ist heute der einzige Fotograf in der Gruppe. Denkbar auch, dass die Nähe des Fotografen zu den Malern ihn animiert, seine Fotografien großformatig auf Leinen oder auch auf Papier mit Baumwollmaterial aufziehen lässt.

Dabei wirken die Fotografien auch im kleinen Format: „Die Technik”, sagt Machat, „ist für mich nicht so entscheidend. Denn es kommt nicht so sehr darauf an, wie man etwas macht, sondern was man macht.” Auf die Form des Ausdrucks eben. Und da hat Helmut Machat seine eigene Bildsprache gefunden. Mit dem Fotoapparat als künstlerischem Werkzeug.
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