Fixierung in Heimen ist nur das letzte Mittel

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Kreis Heinsberg. Die landesweite Berichterstattung über die Fixierungspraxis in Alten- und Pflegeheimen und über die von den ­Länder-Justizministern verfolgten Pläne, nach denen die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter künftig auch diese Heime überprüfen soll, hat vermehrt zu Anfragen bei der Heimaufsicht des Kreises Heinsberg geführt, berichtete die Pressestelle des Kreises Heinsberg.

„Der Kreis Heinsberg begrüßt, dass die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert wird“, erklärte Sozialdezernentin Liesel Machat, „gleichwohl ist es nach unserer Ansicht in der täglichen Pflegepraxis noch nicht möglich, gänzlich auf die gerichtlich genehmigten Fixierungen zu verzichten.“ Die Kontrollen der Heimaufsicht – mindestens einmal jährlich in jeder Einrichtung – würden sich daher auch auf die Rechtmäßigkeit von Maßnahmen zur Freiheitseinschränkung konzentrieren.

„Wenn es freiheitseinschränkende Maßnahmen gibt, müssen diese juristisch einwandfrei, sach- und fachgerecht und unter der Maxime der Anwendung des mildesten möglichen Mittels erfolgen“, erläuterte Marion Okuhn von der Heimaufsicht, „es werden sowohl die pflegefachlichen wie auch juristischen Aspekte überprüft.“ Die Praxis im Kreis Heinsberg zeige, so Sozialdezernentin Liesel Machat, dass die Pflegeeinrichtungen aufgrund der Transparenz im Rahmen der Qualitätskontrolle sehr daran interessiert seien, die entsprechenden Vorgaben einzuhalten.

Gemeinsames Projekt

Derzeit befindet sich nach Angaben des Kreises Heinsberg ein gemeinsames Projekt von Heimen, Heimaufsicht und Amtsgerichten in der Umsetzungsphase. Im Rahmen dieses Projekts solle erreicht werden, Fixierungen zu vermeiden, wo dies möglich sei, indem Alternativen geprüft würden. Alternativen seien beispielsweise herunterfahrbare niederflurige Betten oder sogenannte Easy ­Walker, besondere Gehhilfen für Menschen, bei denen ein Rollator nicht mehr ausreichend Sicherheit biete, die dadurch wieder die Möglichkeit zur Fortbewegung erhalten würden.

Andreas Louven vom Amt für Soziales des Kreises Heinsberg betonte: „Wichtig ist uns, dass sich das Denken in den Pflegeheimen spürbar verändert, wonach die Fixierung wirklich nur noch die ­Ultima Ratio darstellt.“ Das letzte Mittel also.

Wünschen würde sich die Heimaufsicht, „dass auch die Angehörigen mitziehen“, heißt es in der Pressemitteilung des Kreises weiter. Marion Okuhn berichtete aus ihrer täglichen Praxis: „Gerade die Angehörigen ­äußern oft den Wunsch, die zu pflegende Person zu fixieren, damit – so wörtlich - ‚nichts passiert’.“

Dass zur Pflegequalität und zur Vermeidung von unnötiger Fixierung auch eine entsprechende personelle Ausstattung der Pflegeheime nötig sei, könne die Heimaufsicht nur bestätigen. Daher überprüft die Heimaufsicht laut Kreis bei ihren Kontrollen ständig die personelle Ausstattung der Pflegeheime. Andreas Louven: „Im Kreis Heinsberg erfüllen sämtliche Pflegeheime zurzeit die gesetzlich vorgeschriebenen personellen Standards.“

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