Elektrische Premiere auf den Gleisen

Von: Georg Schmitz
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Triebfahrzeugführer Marco Freisinger hat den Bahnhof Heinsberg schon im Visier... Foto: Georg Schmitz
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... wenige Sekunden später hat der ET 425 der DB Regio sein Ziel erreicht. Foto: Georg Schmitz
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Innerhalb weniger Sekunden hat Marco Freisinger die elektrische Einstieghilfe für Rollstuhlfahrer ausgefahren. Foto: Georg Schmitz
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Der örtliche Betriebsleiter der Rurtalbahn, Christoph Göddecke (l.) und der Teilnetzmanager der DB-Regio-Euregio Maas-Rhein, Franz Welfens, sind nach der ersten Elektro-Fahrt zufrieden. Foto: Georg Schmitz

Heinsberg/Geilenkirchen. Es war eine besondere Zugfahrt auf der neu ausgebauten Strecke zwischen Geilenkirchen-Lindern und Heinsberg. Ab dem kommenden Sonntag wird die Wurmtalbahn von und nach Aachen regelmäßig zwischen Lindern und Heinsberg verkehren. Unsere Zeitung war bei der Premiere mit dem ersten, jemals auf der Strecke elektrisch betrieben Personenzug mit an Bord.

Es ist 10.15 Uhr als für die Oberleitungen erstmals der Strom eingeschaltet wird. Der örtliche Betriebsleiter der Rurtalbahn, Christoph Göddecke, der Teilnetzmanager der DB-Regio-Euregio Maas-Rhein, Franz Welfens und Triebfahrzeugführer Marco Freisinger sowie einige Kollegen haben schon gespannt auf die Freischaltung gewartet.

In den Wochen zuvor wurden die blau-grauen Diesel betriebenen Züge der Rurtalbahn für Testfahrten eingesetzt, einer stand seitdem als „Ausstellungsstück“ im Bahnhof Heinsberg. Die Rurtalbahn ist der Pächter der der West-Energie und Verkehr gehörenden Strecke, die DB-Regio stellt ihre roten Triebwagenzüge im Auftrag der Nahverkehr Rheinland für den Betrieb zur Verfügung.

Um 10.35 Uhr gibt die neue Weiche kurz vor dem Bahnübergang Lindern freie Fahrt für die sich aus Richtung Geilenkirchen nähernde, so genannte Doppeltraktion. Das sind zwei voneinander unabhängige Triebwagen, wovon einer in Lindern abgekuppelt wird. Ein langwieriges Rangieren ist nicht nötig, denn der Zug wird direkt auf Gleis 3 geleitet. „Der Vorteil dieses Flügelzugprinzips ist, dass der Fahrgast von Aachen nach Heinsberg und umgekehrt durchfahren kann“, sagt Franz Welfens. Während der vordere Triebwagen des Zugverbandes im Bahnhof Lindern verbleibt, begibt sich der zweite in entgegengesetzte Richtung auf den rechtzeitig zum neuen Fahrplan fertig gestellten Gleisstrang nach Heinsberg.

Seit der Ankunft im Bahnhof sind inklusive Abkoppeln gerade einmal sechs Minuten vergangen, bevor sich die 68 Meter lange, viergliedrige Einfachtraktion Richtung Kreisstadt in Bewegung setzt. Der Personenzug verfügt im klimatisierten Innenraum über 206 Sitz- und 228 Stehplätze. „Betriebsfahrt“ zeigt das Sichtfenster an.

Der erste Bahnübergang an der L 364 Richtung Leiffahrt ist schnell erreicht, und nach einer weiteren Minute ist schon der nächste bei Honsdorf überquert. „Jeder der 19 Bahnübergänge ist technisch gesichert“, erläutert Christoph Göddecke. Technisch gesichert bedeutet aber nicht, dass alle mit Halbschranken ausgestattet sind. An Wirtschaftswegen reiche eine Lichtzeichenanlage, die bei Annäherung eines Zuges auf rotes Blinklicht schaltet.

Erster Haltepunkt bei der Erprobungsfahrt ist Heinsberg-Randerath. An jedem Bahnhof hält der „Testzug“ an, auch in Heinsberg-Horst. Neben dem kleinen Ort hat noch nie ein Personenzug fahrplanmäßig gehalten, aber nun verfügt er sogar über einen eigenen Bahnsteig. Der vom Konsortium „Adtranz-Siemens-DWA“ gebaute ET 425 setzt sich langsam wieder in Bewegung. Die gleichmäßige und ruhige Fahrt führt über den Haltepunkt Heinsberg-Porselen nach Heinsberg-Dremmen. „Hier haben wir eine gute Busverknüpfung mit Park&Ride-System“, weist Göddecke auf einen positiven Umstand hin. Der örtliche Betriebsleiter lobt die Zusammenarbeit mit den Kommunen als beispielhaft und schwärmt regelrecht davon.

Zwischenzeitlich hat der Zug Heinsberg-Oberbruch hinter sich gelassen und der nächste Halt „Heinsberg-Kreishaus“ naht. Auf die Frage, warum die neuen Haltepunkte alle ein „Heinsberg“ vor dem Ortsnamen haben, Lindern aber nicht als Ortsteil von Geilenkirchen kenntlich gemacht worden ist, gibt es keine schlüssige Erklärung. Es sei zwar mittlerweile üblich, die Ortszugehörigkeit zu dokumentieren, aber: „Das ist vielleicht hier so gewachsen“, meint Franz Welfens.

Rampe für Rollstuhlfahrer

Der erste Elektrozug fährt langsam in den Heinsberger Bahnhof ein. „Lokführer“ Marco Freisinger verweist noch auf die elektronische Rampe für Rollstuhlfahrer, mit der der vordere Teil des Zuges ausgestattet ist und führt vor, wie schnell diese in Betrieb genommen werden kann. Wie schon auf der Hinfahrt, vorbei an Wiesen und Feldern und kleineren Ortschaften reiben sich einige Menschen während der Rückfahrt neben der Strecke erstaunt die Augen. Sogar Fotoapparate werden schnell hervorgeholt, um das Ereignis festzuhalten. In Lindern angekommen, wird aus der „Einfachtraktion“ durch Ankuppeln wieder eine „Doppeltraktion“, die sich abschließend nach Rheydt in Bewegung setzt.

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