„Einwohnerschwund“ auch im Kreis

Von: disch/st/kl/nosch
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Kreis Heinsberg. Beim Zensus vor zwei Jahren hat Information und Technik Nordrhein-Westfalen, das Statistische Landesamt, für den Kreis Heinsberg eine Einwohnerzahl von 248.161 Menschen zum Stichtag 9. Mai 2011 ermittelt. Diese Zahl lag zwar erwartungsgemäß weit (und zwar um mehr als 35.000 Einwohner) über dem Wert der Volkszählung 1987, doch andererseits weicht er mit einem Minus von 2,6 Prozent von der bisherigen Fortschreibung der amtlichen Einwohnerzahl ab.

Diese hatten die Landesstatistiker auf Basis der Volkszählung von 1987 und der von den Kommunen gemeldeten Zu- und Fortzüge, Geburten und Sterbefälle kontinuierlich fortgeschrieben. Doch der Zensus mit seiner stichprobenartigen Haushaltsbefragung und seiner flächendeckenden Gebäude- und Wohnungszählung hat nun gezeigt, dass die Einwohnerzahlen niedriger sind als bislang angenommen. Eine der vermuteten Ursachen: Viele Menschen, die weggezogen sind, vermutlich vor allem Ausländer, haben sich offenbar nicht abgemeldet beim Einwohnermeldeamt.

Beim Blick auf die zehn kreise_SDHpangehörigen Städte und Gemeinden fällt auf: Die Stadt Geilenkirchen weist mit einem Minus von 7,0 Prozent die größte Abweichung auf. Und die Stadt Heinsberg hat hingegen mit einem Plus von 0,4 Prozent mehr Einwohner als gedacht; als einzige Kommune im Kreisgebiet überhaupt.

Auswirkungen ab 2014

Welche finanziellen Auswirkungen werden die weithin also gesunkenen Einwohnerzahlen für die Städte und Gemeinden und für den Kreis Heinsberg haben, insbesondere was die sogenannten Schlüsselzuweisungen vom Land angeht. „Im Gemeindefinanzierungsgesetz (GFG) 2013 wird noch keine Anpassung vorgenommen“, sagten sowohl eine Sprecherin des Düsseldorfer Innenministerums als auch ein Mitarbeiter der Pressestelle des Statistischen Landesamtes. Sehr wohl aber wird ab 2014 mit Auswirkungen zu rechnen sein, da dem GFG 2014 die Fortschreibung der Einwohnerzahlen auf Basis vom Zensus 2011 zugrunde liegen soll.

Was erwartet beispielsweise Kreiskämmerer Ludwig Schöpgens an finanziellen Einbußen? „Das kann man noch nicht sagen“, erklärte er am Montag auf Nachfrage. Er verwies allerdings darauf, dass der Kreis Heinsberg mit einem Minus von 2,6 Prozent „nicht so weit weg vom Landestrend“ liege; NRW-weit beträgt das Minus 1,7Prozent. So äußerte Schöpgens die Hoffnung, dass „die Verschlechterungen sich in Grenzen halten“. Beziffern könne man die Auswirkungen aber noch nicht; da seien die Modellrechnungen für das GFG 2014 abzuwarten.

Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler kann sich die Differenz für seine Stadt teilweise erklären: „Der Zensus berücksichtigt nicht die in Geilenkirchen stationierten ausländischen Streitkräfte.“ Die Nato-Angehörigen seien nicht meldepflichtig, dennoch hätten sich 401 Personen freiwillig angemeldet und seien daher im Melderegister der Stadt erfasst. Der Zensus berücksichtige auch nicht die im Ausland tätigen Angehörigen der Bundeswehr, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Stadtgebiet Geilenkirchen haben. „Aufgrund der in Geilenkirchen vorhandenen Kasernenstandorte ist davon auszugehen, dass auch deswegen einige im Melderegister erfasste Personen im Zensus unberücksichtigt geblieben sind“, erläuterte Fiedler weiter.

Aber auch zur Erhebungstechnik vom Zensus stellt sich Fiedler Fragen. Denn: Um festzustellen, wie viele Fehlbestände in den Melderegisterdaten enthalten sind, wurde bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung eine Haushaltsbefragung vorgenommen. Stelle man fest, dass an einer Anschrift neun Menschen wohnen, obwohl zehn gemeldet sind, stelle die eine Person einen Fehlbestand dar und dürfe nicht zu den amtlichen Einwohnern gezählt werden. Die in der Befragung ermittelten Fehlbestände werden, so Fiedler, anschließend auf die ganze Gemeinde hochgerechnet. „Hier können jedoch zwei Ungenauigkeiten auftreten. Fraglich ist, ob die Stichprobe von zehn Prozent repräsentativ genug ist. Die Ergebnisse werden schließlich auf die gesamte Gemeinde hochgerechnet. Wurden bei der Befragung wahrheitsgemäße oder unrichtige Angaben gemacht?“

Nach dem Meldegesetz könne man sich auch ohne Zustimmung des Wohnungseigentümers für eine Wohnung anmelden. Bei der Anmeldung brauche derzeit kein Mietvertrag vorgelegt werden. „Es kann demnach sein, dass ein Wohnungseigentümer gar nicht weiß, wie viele Personen in seiner Wohnung leben oder gemeldet sind.“ Tendenziell sei davon auszugehen, dass gerade in größeren Wohnungsanlagen mehr Menschen wohnen und gemeldet sind, als dem Wohnungseigentümer bekannt ist. Diese Personen seien im Zensus 2011 nicht erfasst.

Für die Stadt Erkelenz ändert sich „im Prinzip zunächst nichts“, abgesehen von einer geringeren Einwohnerzahl, wie der Erste Beigeordnete Dr. Hans-Heiner Gotzen sagte. Ohnehin war die Kommune davon ausgegangen, dass ihre Einwohnerzahl im Laufe der nächsten Jahre sinken wird, allein bedingt durch den demografischen Wandel. Dennoch: „Erkelenz ist und bleibt nach wie vor die größte Stadt im Kreis Heinsberg.“ Bei der Berechnung der Zuweisungen vom Land Nordrhein-Westfalen müsse man sehen, dass es landesweit weniger Einwohner gebe. Daher werde aber der einzelne Pro-Kopf-Anteil aus dem Finanztopf bei gleichbleibender Gesamtsumme etwas größer. Wie sich das schlussendlich in Euro und Cent auswirken werde, könne frühestens errechnet werden, wenn das Land die Finanzzahlen für 2014 auf den Tisch lege.

Freude in Heinsberg

Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder war am Montag in der glücklichen Lage, in einem Wort zusammenfassen zu können, was sich für die Kreisstadt mit den neuen Zahlen vom Zensus ändert: „Nichts.“ Denn die Stadt Heinsberg liegt – anders als alle anderen Kommunen im Kreisgebiet – sogar leicht (um 0,4 Prozent) höher in der Einwohnerzahl vom Mai 2011 als in der bisherigen Fortschreibung der amtlichen Einwohnerzahl auf Basis der Volkszählung 1987. „Natürlich freue ich mich darüber“, sagte Wolfgang Dieder. „Vor allen Dingen deshalb, weil unsere Einwohnerzahl dem demografischen Wandel zum Trotz offenbar sehr stabil bleibt“. Das, so Dieder, sei „alles andere als selbstverständlich“.

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