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Einfühlsamer Dirigent agiert mit viel Körpereinsatz

Von: ulla
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Kreis Heinsberg. Besondere Überraschungen hat es beim vierten Meisterkonzert der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg in dieser Saison in der Erkelenzer Stadthalle gegeben. Zum Nikolaustag hatte das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter seinem Dirigenten Georg Mais viele unbekannte Musikstücke mitgebracht.

Und manche „harmonische Disharmonie” darin war ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Das Konzert begann mit einem Stück von Robert Schumann (1810-1856), das erst 2006 entdeckt wurde und bis dahin unerkannt weit über 100 Jahre in den Archiven einer Bibliothek verborgen war. Die ursprünglich für Klavier komponierten 24 Takte hatte Georg Mais vervollständigt und für Streicher gesetzt - wo Schumann aufhörte und Mais begann, war nicht zu hören.

Auch ein Kompliment für den Dirigenten des Kammerorchesters, der mit viel Körpereinsatz und großer Einfühlsamkeit seine 14 Musiker anspornte und zügelte, je nach dem Geist der gespielten Stücke.

Und Mais führte auch kurz in die einzelnen Werke ein und ordnete sie ein in die Musikgeschichte.

Es folgte „Nenia für Viola und Kammerorchester nach Themen des Mozart-Requiems” von Detlef Kobjela (geboren 1944), dem sorbischen Komponisten und Musikwissenschaftler, der maßgeblich an der Erhaltung und Entwicklung der sorbischen Musikkultur in der Lausitz beteiligt ist.

„Auch das Schöne muss sterben, das Menschen und Götter bezwinget”, so hatte einst Schiller seine Totenklage Nenie eingeleitet, und etwas von diesen Gedanken klang an bei dem Werk, das eine besondere Note erhielt durch die Kommentierung der Bratschistin Barbara Buntrock. Denn die Klänge der Viola schienen als Meditation über dem Ganzen zu schweben.

Auch beim „Konzert für Viola G-Dur” von Georg Philipp Telemann (1681-1767) war es die Bratsche, die (wie es schon der Titel sagt) in den vier Sätzen mit ihren sanften und schnellen Bewegungen den Ton angab und die Telemann´sche Genialität des Hochbarock zum Klingen brachte.

Da war es insbesondere die Solistin Barbara Buntrock, fünfmalige Gewinnerin des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert” und Gewinnerin zahlreicher Preise und Auszeichnungen, die mit ihrem meisterlichen Spiel das Publikum zu stürmischem Beifall herausforderte - und es gab eine ungewöhnliche Zugabe (Bourrée von Bach), mit der sie noch einmal ihre ungewöhnliche Meisterschaft auf ihrem Instrument unter Beweis stelle.

Nach der Pause folgte dann das Streichquartett G-Dur op. 148 von Julius Weismann (1879-1950) in der Orchesterfassung von Georg Mais, der den selbst unter Fachleuten weithin unbekannten Komponisten zu den romantischen Traditionalisten zählt. Wie ein solch beschwingtes und graziöses Werk in den beiden letzten Kriegsjahren entstehen konnte, dies bleibt wohl das Geheimnis Weismanns. Vielleicht dachte Georg Mais auch an dieses Geheimnis, als er die Zuhörer bat, auf eine Zugabe zu verzichten und stattdessen die Klänge des Streichquartetts im Ohr zu behalten.
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