Erkelenz - Ein Zeichen gegen das Vergessen

Ein Zeichen gegen das Vergessen

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Das Oberstufentheater des Cusanus-Gymnasiums führte Artur Millers „Spiel um Zeit” auf. Foto: Koenigs

Erkelenz. Mit Arthur Millers „Spiel um Zeit” hatte sich die Theater-AG am Cusanus-Gymnasium eines schwierigen Stückes angenommen. Trotzdem wollten die Schüler mit der Auswahl auch ein Zeichen gegen das Vergessen setzen, erklärte Schulleiterin Rita Hündgen bei der Premiere in der Aula des Gymnasiums.

Das Stück des bekannten Dramatikers aus dem Jahr 1980 erzählt in autobiografischer Form vom Aufenthalt der französischen Sängerin und Halbjüdin Fania Fénelon (Julia Kvint) im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Wegen ihrer musikalischen Begabung wird sie ins Mädchenorchester des Lagers aufgenommen und hat die Möglichkeit, um Lebenszeit zu spielen. Denn die Überlebenschancen sind umso höher, je unentbehrlicher sich die Gefangenen machen.

Lagerführerin Mandel (Nicola Platte) scheint die Sängerin gar zu bewundern. Das Orchester spielt zur Ermutigung und Täuschung der Opfer und zur Belustigung der Täter. Neben Fania wird auch die Geschichte von Marianne (Julie Peters) erzählt. Beide Frauen lernen sich auf dem Transport nach Auschwitz kennen. Fania verhilft ihrer jungen Freundin in das Orchester, um ihr Leben zu retten. Die Orchesterleiterin Alma Rosé (Demet Ögüt) arbeitet als Kapo für die Nazis und versucht so zu überleben.

Während sich Fania auch angesichts des Todes und der Gefahr um Selbstachtung und Würde bemüht, ist Marianne bereit, sich selbst zu demütigen und alles Mögliche über sich ergehen zu lassen. Sie entwickelt eine überlebensorientierte Taktik, die keine Freundschaften zulässt. Unterschiedlicher könnten die beiden Frauen nicht sein. Fania wird zur Stütze des Orchesters. Doch auch sie verroht. „Ich muss im Leben nur ein Ziel haben. Wenn ich hier rauskomme, bringe ich einen Polen um”, sagt sie, als die Wut über ihre menschenunwürdige Behandlung durch die polnische Mitgefangenen wächst.

Bedrückend realistisch verstanden es die Schauspieler, sich in die Empfindungen der Lagerinsassen zu versetzen. Die Anspannung und permanente Bedrohung war spürbar. Jede Äußerung und jeder falsche Schritt konnten ein Todesurteil sein. Gesprochen wurde zumeist in einem aggressiven Ton, denn auch untereinander schienen die Sitten von Szene zu Szene zu verrohen. Angst braucht eben ein Ventil. So kam keine Ruhe auf und wurde dem Publikum keine wirkliche Verschnaufpause gegönnt.

In Zeitsprüngen wurden auch die Aussagen ehemaliger Häftlinge in den NS-Prozessen nach dem Krieg dargestellt, die von dem Grauen erzählten, das im Lager herrschte. Das Bühnenbild war bedrückend düster und hielt hinter dem Vorhang vieles vor dem Publikum verborgen.

Nach der Premiere am Donnerstag und der Aufführung am Freitag öffnet sich am Samstag zum letzten Mal der Vorhang.
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