Ein Abschied mit allen Konsequenzen

Von: Rainer Herwartz
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In der SPD sein möchte der Ap
In der SPD sein möchte der Aphovener Lambert Rebig nach nunmehr 52 Jahren zwar nicht mehr, aber die Geschicke im Heinsberger Rat will er noch weiter beeinflussen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Dass es in der Politik nicht ohne Kompromisse geht, ist ihm nicht neu. Doch halbe Sachen sind seine Sache nicht. Und wenn er nicht mehr hinter dem stehen kann, was er vertreten soll, dann ist für ihn das Ende der Fahnenstange erreicht - mit allen Konsequenzen.

Für das SPD-Urgestein Lambert Rebig aus Aphoven bedeutet dies nun den sofortigen Austritt aus Partei und Fraktion im Rat der Stadt Heinsberg. Am Freitag wurden der Ortsvereinsvorsitzende Dr. Hans Josef Voßenkaul und Fraktionschef Ralf Herberg per Einschreiben über den Entschluss des 78-Jährigen informiert.

„Ich bin mit der Arbeit in der Partei in Heinsberg und in der Fraktion nicht mehr zufrieden”, erklärt Rebig gegenüber unserer Zeitung. „Ich vermisse inzwischen die kritische Auseinandersetzung bei schwierigen Themen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Fraktionsmehrheit der Verwaltungsspitze, zu der ich kein Vertrauen mehr habe, unkritisch folgt.”

Dieses Vertrauen sei unter anderem erschüttert worden in Zusammenhang mit der Einladung zu einer Versammlung der Aphovener Vereinsvorstände im September letzten Jahres im Hinblick auf die Schaffung eines dauerhaften Veranstaltungsortes. Obwohl ein entsprechendes Schreiben, das auch von allen Ortsvereinigungen bis auf die Feuerwehr unterzeichnet worden sei, an den Bürgermeister ging und dieser bereits zu einem Termin zugesagt habe, sei es nach einer diesbezüglichen Veröffentlichung in unserer Zeitung zu einem Rückzieher gekommen.

Als Begründung gab Dieder damals in einem Schreiben vom 24. September 2010 an: „Von einem vorhandenen Raumprogramm für eine Mehrzweckhalle einschließlich Nebenräumen an einem bereits ausgewählten Standort war bisher nicht die Rede und ich zweifele an, dass dies der Wunsch aller Vereine ist.”

Da er nur von einem „informativem Vorgespräch” mit den Vereinen ausgegangen sei, sagte Dieder seine Teilnahme an der Veranstaltung ab. Eine „drohende Obdachlosigkeit” sei zudem nicht gegeben, da der bisherige Zeltverleiher seine Tätigkeit offenbar noch nicht aufgebe, wie Rebig behauptet hatte.

Nach einer neuerlichen Einladung Rebigs zu einem Termin, an dem Dieder schon aus zeitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, distanzierten sich plötzlich auch die Vereinsvorstände, die zuvor noch die erste Einladung mit unterzeichnet hatten, von dem SPD-Mann. Jetzt sollte ein Gespräch an einem Tag stattfinden, das nur noch von dem Ortsvorsteher Wolfgang Kirsch (CDU) und der Ortsringvorsitzenden Marie-Sofie Mevissen mit dem Bürgermeister erarbeitet wurde. Rebig, so beteuert er, hat bis heute nichts mehr davon gehört. Da habe er wohl das falsche Parteibuch gehabt, glaubt er.

Dass er es jetzt nach 52 Jahren formell zurückgibt, hänge jedoch aktuell auch mit den Umständen bei der Vergabe der Gaskonzession an die Firma Alliander zusammen. „Entscheidungen, die ich als ungerecht empfinde, kann und will ich nicht mittragen.”

Im Rat der Stadt bleibt Rebig übrigens dennoch aktiv: „Ich werde bis zum Ende der Legislaturperiode mein Mandat behalten, da ich stets meinen Wählerauftrag ernst genommen habe. Daran ändert sich auch heute nichts”, sagt er. „Ich bin nach wie vor bereit, Ansprechpartner für jeden Bürger zu sein.”

Was nun diesen „Wählerauftrag” angeht, regt sich beim SPD-Vereinsvorsitzenden Voßenkaul erheblicher Protest: „Ich bedauere seinen Schritt sehr, muss ihm aber auch widersprechen. Lambert Rebig hat sein Stadtratsmandat über die SPD-Liste erhalten. Es handelt sich also nicht um einen Wählerauftrag an ihn, sondern um einen Auftrag an die SPD”, stellt Voßenkaul klar. Deshalb fordert er im Schulterschluss mit dem Fraktionsvorsitzenden Rebig auf, das Ratsmandat niederzulegen.

Pikant ist die Angelegenheit nicht zuletzt deshalb, weil es diesbezüglich auch eine „Ehrenerklärung” von Rebig gebe. Die Genossen hatten seinerzeit den Parteiaustritt von Gertrud Aufdenkamp, die auch ihr Mandat behielt, zum Anlass genommen, vor der letzten Kommunalwahl alle Kandidaten öffentlich zu verpflichten, im Falle eines Austritts aus der SPD ein über die Liste errungenes Stadtratsmandat zurückzugeben.

Rein rechtlich bestehe zwar keine Möglichkeit für die Sozialdemokraten, das Mandat zurückzubekommen, „aber was soll ich über einen Menschen denken, der seine Ehrenerklärung bricht?”, sagt Voßenkaul. „Nach solchen Aktionen kann ich verstehen, dass immer mehr Menschen den Parteien den Rücken kehren. Das hat mit Demokratie und Ehre nichts mehr zu tun!”

Dieder: Ortsring muss Ansprechpartner sein

Da konnte von „verlorenem Vertrauen in die Verwaltungsspitze” wohl noch keine Rede sein. Bei seiner Amtseinführung als Bürgermeister der Stadt Heinsberg nahm Altersratspräsident Lambert Rebig Wolfgang Dieder den Amtseid ab. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Dieder jetzt zum Thema Aphovener Veranstaltungshalle:

„Lambert Rebig muss verstehen, dass in solchen Angelegenheiten der Ortsring Ansprechpartner ist, in dem die Interessen aller Vereine gebündelt werden und die Frage, ob und wann eine Halle kommt, dann ja erst einmal beraten werden muss. Es ist ja eine Entscheidung des Rates, das weiß Rebig auch. Man kann keine Standorte zeigen, wenn der Rat noch nicht einmal mit der Angelegenheit befasst worden ist.”

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