Ehrenlokführer sind mit Volldampf bei der Sache

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Günther Wallnöfer war der 993. Mann und 1000. Teilnehmer am Ehrenlokführer-Seminar, mit dem sich Ausbilder Günther Steinhauer auf die Suche nach dem richtigen Bremspunkt der Elfkantbahn machte. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Schierwaldenrath. Günther Wallnöfer heißt der Mann, der die aktuelle Krönung einer Erfolgsgeschichte bei der Selfkantbahn ist. Der Südtiroler war jetzt der 1000. Teilnehmer des Ehrenlokführer-Seminars, das die Verantwortlichen der Museumsbahn in Zusammenarbeit mit der Heinsberger-Tourist-Service (HTS) organisiert haben.

Neben den Nikolausfahrten kommt dieses Angebot schon an zweiter Stelle im Reigen der wichtigen Veranstaltungen bei der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr (IHS).

„Bremsen ist das A und O“, fasste ein anderer Günther, Ausbilder Günther Steinhauer, den schwierigsten Teil der Ausbildung zusammen. Entsprechend viel Aufmerksamkeit legt er als verantwortlicher Ausbilder auf dieses Thema. Gut, dass es bei der Selfkantbahn eine Bremsprüfanlage gibt, bei der das dosierte Einsetzen dieses komplexen Systems geübt wird. Eine Dampflok alleine wiegt um die 20 Tonnen, ein kompletter Zug bis zu 150 Tonnen. Die wollen mit Bedacht gebremst werden.

Schnell ausgebucht

Seit 1997 gibt es das Angebot, bei der Selfkantbahn den Ehrenlokführerschein zu machen. Die Idee kommt aus Großbritannien, mitgebracht hat sie der ehemalige Kreisdirektor Michael Jansen, der im Vorstand des HTS und später auch der IHS war. „Grundsätzlich sind im März schon die Termine für die folgende Saison ausgebucht“, sagt Günther Steinhauer.

Und wie sieht er aus, der klassische Ehrenlokführer? „Männlich, deutlich über 50; oft hat er gerade einen runden Geburtstag hinter sich oder ist in Rente gegangen“, umschreibt Günther Steinhauer das ziemlich deutlich. Die Statistik der letzten 17 Jahre untermauert das. 993 Männer standen da gerade mal sieben Damen gegenüber.

Von H0 auf die Meterspur – ein größerer Sprung ist wohl kaum vorstellbar. Günther Steinhauer kann bestätigen, dass es bei vielen der Herren eine Modelleisenbahn im Keller gibt. „Es ist immer irgendeine Verbindung zur Eisenbahn da, bevor ein solches Geschenk gemacht macht.“

Spaß für Väter und Söhne

Väter und Söhne – das ist auch immer wieder ein Gespann vor Ort. Für Günther Steinhauer ist das auch immer eine Erinnerung an die Zeit, als sein Vater ihn mit dem Eisenbahn-Virus infizierte.

Ein Glas Sekt und eine Urkunde, das sind die äußeren Zeichen für eine erfolgreiche Teilnahme am Kurs. Und die Eisenbahnermütze. „Die bekommt jeder Teilnehmer schon am ersten Tag von uns und wird gebeten, sie dann, wenn er uns wieder besucht, auch aufzusetzen“, so Steinhauer.

Wer genau aufpasst, sieht immer wieder diese meist älteren Herren, die voller Stolz „behütet“ über den Bahnhof laufen. Wenn Betrieb und Zeit es zulassen, dürfen sie dann auch noch mal im Bahnhofsbereich eine kleine Strecke fahren. So beginnt auch der erste Kontakt mit den Dampflokomotiven.

Freitags ist stets die Anreise und das Kennenlernen der Teilnehmer angesetzt. „Technik, anheizen und putzen“, so sieht der Samstag aus. „Fahren ist einfach, Bremsen ist die Kunst.” Diesen Satz hören die angehenden Ehrenlokführer, wenn Günther Steinhauer mit seinen Schülern auf dem Bremsstand übt.

Die technischen Zusammenhänge werden vermittelt und am Nachmittag gibt es dann die ersten Fahrversuche. Ab 15 Uhr rollt der erste Planzug und alle acht Teilnehmer fahren dann ein Stück. Sonntags werden die Ehrenlokführer in den normalen Fahrplan integriert – natürlich immer unter Aufsicht.

Bei den vier Zügen kann jeder eine komplette Strecke fahren. Spätestens hier sieht man in den Augen älterer Herren ein Leuchten wie einst vor ihrem ersten Rendevouz.

Es sei sicherlich keine Ernüchterung für die Kursteilnehmer und man habe es auch nicht absichtlich ganz klein ins Kleingedruckte geschrieben: „Der Ehrenlokführer berechtigt zu gar nichts“, lautet aber das Fazit eines Wochenendes zwischen Kohlenstaub und Öl, zwischen Hitze und harter Arbeit, zwischen Männerträumen und dem Potenzial, auf lange Zeit ganz viel erzählen zu können.

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