„Drachenflug” als Hilfe für Problemkinder

Von: Helen Mäurer
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Die Musiktherapie als Schutzraum: Mehr als die Hälfte der Kinder bauen sich Höhlen. Foto: helen

Erkelenz-Katzem. „Ich habe oft Menschen mit Alkoholbelastungen in der Familie behandelt, ohne dass dies der Grund für die Therapie war”, hat Waltraut Barnowski-Geiser in ihrer Musiktherapeutischen Praxis in Katzem gesagt. Über zehn Jahre arbeitet sie schon als Musiktherapeutin.

Und dabei hat sie auch mit zahlreichen Menschen mit Alkoholbelastungen gearbeitet. Das, obwohl laut Statistik nur etwa 14 Prozent aller Alkoholbelasteten Hilfe in Anspruch nehmen. Das wundert nicht, denn der Kauf und Verkauf von Alkohol ist hier zu Lande legal, die Grenzen zwischen „normalem” Konsum und Sucht jedoch sind schwimmend.

Wie sehr dieses Thema jedoch in der Gesellschaft tabuisiert ist, wurde der Kreativen Leibtherapeutin, Kreativen Kinder- und Jugendpsychotherapeutin (Heilpraktik), Fachtherapeutin AD(H)S und Lehrbeauftragten für Kindermusiktherapie und Leiborientierte Musiktherapie an der Universität zu Köln klar, als sie an ihrer Doktorarbeit „Hören, was niemand sieht - Leiborientierte Musiktherapie mit Kindern und erwachsenen Kindern aus alkoholbelasteten Familien” schrieb.

„Selbst in der musiktherapeutischen Forschung gibt es international so gut wie keine Literatur darüber. In Deutschland leben jedoch mehrere Millionen Kinder in alkoholbelasteten Familien. Und die Zahl steigt”, sagt sie.

An einen Großteil der Kinder käme niemand heran und wenn es doch einmal gelänge, dann sei kaum jemand entsprechend ausgebildet, Sozialarbeiter und selbst Therapeuten seien oft einfach überfordert. Das, so hat sich Waltraut Barnowski-Geiser vorgenommen, soll sich nun ein Stück weit ändern. Neben niederschwelligen kreativen Förderangeboten, die die Musiktherapeuten zunehmend an Schulen installieren, arbeiten sie an der Zusammenarbeit mit Jugendämtern.

Parallel zu ihrer Doktorarbeit beim deutschen „Musiktherapie-Papst” Hans-Helmut Decker-Voigt von der Universität Hamburg entwickelte Barnowski-Geiser mit ihrem Kollegen Udo Baer, der über einen reichen Erfahrungsschatz in der Therapie von Kindern psychisch kranker Eltern verfügt, das „Projektkonzept für Kinder psychisch- und suchtkranker Eltern” aus, das sie „Drachenflug” nennt. Beide Leiden seien sich sehr ähnlich, sagt sie.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Jugendämtern im Raum Düsseldorf in Kürze anlaufen. Fällt einem Sozialarbeiter der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) zukünftig ein Fall auf, leitet der ihn, so das Konzept, an die Fachtherapeuten weiter.

Zusätzlich bieten die Musiktherapeuten in ihrem Institut für kreative Leibtherapie „Zukunftswerkstatt” Fortbildungen für Sozialarbeiter, Therapeuten und Pädagogen zum Thema an. Aufsuchende Unterstützung wird möglich.
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