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„Dinge geben etwas vor, was sie nicht sind“

Von: defi
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Beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch: Jaana Caspary (2. v. r.) präsentiert dort ihre Ausstellung ­„curiositas”. Ingrid Trantenroth-Scholz (r.) hielt für das Vernissage-Publikum die Einführungsrede. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Jaana Caspary absolviert gerade ihre erste Einzelausstellung – und zwar im Kunstverein Region Heinsberg auf dem Horster Hof in Unterbruch. Alwin Hintzen, der Vorsitzende des Vereins, durfte erfreulich viele Besucher zur Vernissage begrüßen. „Business as usual“ also – eine schöne Ausstellung und viele Besucher – auch wenn es hinter den Kulissen des Kunstvereins weiterhin kräftig „brodelt“. Wie berichtet, war Kassierer Willy Lennartz nach Differenzen im Vorstand ausgeschieden.

Auch dies war am Rande der Vernissage ein Gesprächsthema unter Besuchern.

Jaana Caspary erschafft ihre Kunst aus modernen Werkstoffen wie Styropor und Epoxidharz. Es entstehen Objekte, die vielleicht an Baumstämme, Äste erinnern oder an so eine Art riesiges Ei. Manchmal kann die Fantasie des Betrachters allerdings keine Assoziationen herstellen – und der Hinweis „ohne Titel“ hilft dann natürlich auch nicht weiter.

Die Oberflächen ihrer bildhauerischen Arbeiten beklebt die junge Künstlerin, die 1988 in Wuppertal geboren wurde und im letzten Jahr an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Didier Vermeiren studiert, mit Fotomaterial. Betitelt hat Jaana Caspary ihre Ausstellung mit „curiositas“.

Ingrid Trantenroth-Scholz, Beisitzerin im Vorstand des Kunstvereins, führte das Vernissage-Publikum in die Arbeiten ein und zitierte Caspary: „Dinge geben etwas vor, was sie nicht sind. Eine Interpretation der Dinge selber erfinden können, ist eine spannende Aufgabe.“

Trantenroth-Scholz weiter: „Die Objekte im Ausstellungsraum korrespondieren miteinander, einerseits durch sich ergänzende Formen und Volumina, aber auch durch ihre Bodenhaftung oder raumgreifende Ausdehnung.“ Erst bei näherer Betrachtung komme die Zwiesprache mit der strukturierten Oberfläche ins Spiel – „und wir werden in eine ganz neue Welt der Betrachtung und Wahrnehmung mitgenommen.“

Im Kabinett des Kunstvereins in der ersten Etage zeigt Jaana Caspary, die aus einer Künstlerfamilie stammt, Zeichnungen und Collagen. Der Aufstieg lohnt sich. Die Künstlerin beweise ein Gespür für Strukturen und Texturen, so Trantenroth-Scholz.

Auch in den flächigen Arbeiten würden die Intention und der Bezug zu ihren plastischen Werken deutlich, indem sie auch da dem Betrachter genügend Raum für ein freies Spiel der Irritation und Assoziation lasse.

Besonders schön ist ein Konvolut von 15 kleinformatigen Arbeiten, die eine so verspielte Formenvielfalt aufweisen, dass es einem ganz warm ums Herz wird. Das „große Ei“ ist mit 4000 Euro die teuerste Arbeit in der Ausstellung. Jaana Caspary hat die 75 x 95 x 95 Zentimeter große Arbeit aus Styropor, Fotos und Kunststoff „jump n‘ run“ betitelt.

Das „große Ei“ scheint sich durch die Wand des Kunstvereins zu bohren, und man ist versucht, mal gucken zugehen, ob draußen tatsächlich die andere Hälfte rauskommt.

Wie sagte Ingrid Trantenroth-Scholz so schön über die Aufgabe eines Kunstvereins: „Ein vornehmliches Anliegen ist es, jungen Künstlern ein Forum zu bieten …“ Und manchmal kehrten die Künstler, wenn sie etabliert seien, an ihren Anfang zurück.

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