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Die Welt durch Bildung verbessern: Alice Mackenstein hilft in Südafrika

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
Alice Mackenstein aus Ratheim
Alice Mackenstein aus Ratheim hat den Koffer schon gepackt: In wenigen Tagen startet sie nach Südafrika, um dort ein Jahr lang an einem Projekt in den Townships von Port Elizabeth zu arbeiten. Foto: N. Schuldei

Hückelhoven-Ratheim. Als sie mir die Tür öffnet, erinnert sie mich einen langen Moment an Julie Christie in dem wunderbaren Film „Der Himmel kann warten”: Diese großen, lachenden, braunen Augen. Dieser blonde, wuschelige Lockenkopf - genau wie die grandiose britische Schauspielerin.

Alice Mackenstein ist natürlich so weit entfernt davon, Julie Christie zu sein. Aber die 25-Jährige hat die gleiche, auf Anhieb gewinnende, sympathisch-einnehmende Art, wie sie für die auf der Leinwand wie im Leben für ihre Ziele eintretende Stilikone der 60er Jahre charakteristisch ist.

Alice Mackenstein sitzt auf gepackten Koffern: Am 24. September fliegt sie für ein Jahr nach Südafrika, um dort im Rahmen eines Projektes des South African German Network (SAGE Net) im Township von Port Elizabeth, also dem Armenviertel, unterprivilegierten Kindern das an die Hand zu geben, mit dem die ihre soziale Lage nachhaltig verbessern können: Bildung.

„Bildung ist die stärkste Waffe, mit der wir die Welt verändern können”, sagt Nelson Mandela, der südafrikanische Friedensnobelpreisträger. Madiba, wie man ihn mit seinem Clannamen in Südafrika nennt, war von 1994 bis 1999 der erste schwarze Präsident des Landes am Kap der guten Hoffnung, weiß also genau, wovon er spricht.

„Ich fliege mit drei anderen Freiwilligen aus Deutschland dort runter. Wir vier werden auch zusammen in einem Haus im Township wohnen”, sagt Alice Mackenstein. Tür an Tür mit 50.000 bis 100.000 Einheimischen - genauer lässt sich die Bevölkerungszahl nicht eingrenzen.

Seit einem Jahr weiß sie, dass sie diese zwölf Monate Freiwilligendienst in Südafrika machen will. „Im Oktober 2010 ist das Bewerbungsverfahren angelaufen. Von da an wurde es ganz konkret”, erinnert sich die 25-Jährige.

In den folgenden Monaten hat sie eine Vorbereitung im beschaulichen Bad Breisig besucht und eine Auswahltagung in der Hauptstadt Berlin - das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das die Entsendeorganisation SAGE Net finanziell unterstützt, will schon wissen, wen es sozusagen als Botschafter des Landes in die Fremde schickt.

Sie habe sich während des Studiums in eine ganze Reihe von Projekten, meist internationalen, eingebracht, sagt Alice. Das, glaubt sie, sei auch ein Grund gewesen, „warum man mich genommen hat, als ich mich beworben habe”. Ganz sicher hat ihre natürliche Art, ihre grundpositive Einstellung dem Leben gegenüber das Seine dazu getan. Und natürlich ihr herzliches Lachen...

„Der Verein, für den ich vor Ort in Port Elizabeth arbeiten werde und der in Bensheim seinen Sitz hat, ist der Masifunde Bildungsförderung e.V”, klärt Alice über die verschlungenen Pfade des hilfsorganisatorischen Miteinanders auf.

Masifunde hat ein ganzheitliches Bildungsprogramm etabliert, das Kinder in den Townships Südafrikas nachhaltig ausbildet. Ziel ist es, die Kinder zu mündigen und aufgeklärten Mitgliedern ihrer Gesellschaft auszubilden, damit sie in ihrem sozialen Umfeld Verantwortung übernehmen. Alice Mackenstein will dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Vor sechs Jahren hat sie am Gymnasium in Hückelhoven Abi gemacht, um sich dann in Erlangen an der Uni einzuschreiben. „Amerikanische Kulturwissenschaft und Theater- und Medienwissenschaft habe ich da studiert. Es war eine wunderschöne Zeit”, sagt sie.

Im August hat sie das Studium mit dem Magister abgeschlossen. Den Drang in die „weite Welt” hat Alice schon in ihrer Hückelhovener Schulzeit gespürt - und ihm nachgegeben: „Ich war als Austauschschülerin in Maryland, später von der Uni aus an der University of Georgia und zu einem Praktikum am Goethezentrum in Atlanta.”

Ihre offene Art, auf Menschen zuzugehen, kommt ihr sicher auch bei ihrer neuen Herausforderung, die sie sich selbst stellt, zugute. „Meine konkreten Arbeitsfelder in Port Elizabeth werden auf der einen Seite Öffentlichkeitsarbeit für Masifunde, auf der anderen Seite die Co-Leitung der Theatergruppe ,Born free, einer so genannten Talentgruppe, sein”, erläutert sie.

Wie wird sie sich da unten eigentlich verständigen? Ihr perfektes Englisch wird sie dort ja nicht unbedingt weiterbringen. „Doch”, sagt sie, „Englisch ist da schon die Verkehrssprache. Aber die Hauptsprache ist Afrikaans, die Landessprache ist Xhosa, und die Kinder reden in ihrer Stammessprache miteinander”. Du lieber Himmel! „Du musst”, lacht sie, „offen und neugierig sein, wenn du dich auf so etwas einlässt.” Der afrikanische Kontinent, der sei ihr eine „Herzensangelegenheit”.

Keine Frage: Sie freut sich schon. Und? Koffer schon gepackt? „Das ist ein Problem: 23 Kilogramm, mehr darf ich nicht mitnehmen.” Für ein Jahr Aufenthalt in Südafrika nicht eben viel. Was darf auf keinen Fall fehlen? „Tee. Und ganz viel Schokolade!” Da ist es wieder, dieses gewinnende Lachen. Und diese strahlenden Augen. Wie bei Julie Christie...
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