Die tickende Bombe im Bauch

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„Sie haben kein Aneuyrisma!”
„Sie haben kein Aneuyrisma!”, erklärte Oberarzt Dr. Thomas Büllesbach (links) dem 72-jährigen Artur Braun aus Doveren nach dem Screening. Chrefarzt Dr. Nikolaus Mastragelopulos ergänzte die Untersuchung durch Erläuterungen anhand von Foto: Petra Wolter

Heinsberg. Im Rahmen des zweiten nationalen Screening-Tages zum Thema Bauchaortenaneurysma (BAA), einer Initiative der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin, freute sich auch das Städtische Krankenhaus in Heinsberg über rund 200 interessierte Besucher.

Die Cafeteria war dazu in einen großen Vortragssaal umfunktioniert worden. „Die tickende Bombe im Bauch” hatten die Fachärzte im Gefäßzentrum des Krankenhauses ihre Vorträge zum Thema überschrieben. Nach einer Begrüßung durch Geschäftsführer Heinz-Gerd Schröders erläuterte Dr. Günter Mertens den Zuhörern zunächst, was ein Bauchaortenaneuyrisma ist und wie es festgestellt werden kann. Mertens ist in Heinsberg Chefarzt Angiologie, eines Teilgebiets der Inneren Medizin, das sich mit Gefäßerkrankungen beschäftigt.

Mit Aneurysma meint der Facharzt die Erweiterung einer Schlagader (Arterie). Sie kann in allen Körperregionen auftreten. In über 95 Prozent aller Fälle ist jedoch die Bauchschlagader betroffen, was dann als Bauchaortenaneurysma bezeichnet wird. In Deutschland geht man davon aus, dass bis zu 10.000 Menschen jedes Jahr an den Folgen einer geplatzten Bauchschlagader sterben.

Sechs von 100 Männern über 65 Jahre haben eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader, welche überwacht werden sollte. Aktive und frühere Raucher sind besonders gefährdet, darüber hinaus wird auch eine erbliche Veranlagung beobachtet. Frauen haben ein niedrigeres Risiko, sollten aber bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Nikotinabhängigkeit oder Arterienverkalkung ebenfalls untersucht werden.

Bei diesem sogenannten Screening wird der Bauch abgetastet und eine kurze Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Zudem werden wegen der möglichen erblichen Veranlagung die Krankheitsbilder in der Familie abgefragt.

Ab einem Durchmesser des Aneurysmas von fünf Zentimetern steigt die Gefahr des Platzens durch einen Gefäßwandeinriss erheblich an. Ein Grund zur Operation kann sich jedoch auch schon bei kleineren Aneurysmen ergeben.

Wie derartige Operationen durchgeführt werden, erklärten dann Dr. Nikolaus Mastragelopulos, Chefarzt Gefäßchirurgie im Städtischen Krankenhaus, und Oberarzt Dr. Thomas Büllesbach. Beim herkömmlichen Operationsverfahren wird der Bauchraum geöffnet, das betroffene Blutgefäß unterhalb der Arterienerweiterung abgeklemmt, längs geöffnet und eine Gefäßprothese als Ersatz eingenäht.

Nach Freigabe des Blutstromes wird die ursprüngliche Arterienwand zum Schutz der umgebenden Organe wieder um die Prothese gelegt. Möglich ist aber auch der Einsatz von sogenannten Stent-Prothesen im Rahmen eines schonenderen, minimalen Eingriffs. Dabei wird über die Leistenarterien eine durch Draht verstärkte Prothese von innen eingebracht, um das Aneurysma zu schienen und auszuschalten.

Das jeweils geeignete Behandlungsverfahren werde im Gefäßzentrum des Städtischen Krankenhauses Heinsberg in einer fachabteilungsübergreifenden Fallkonferenz zusammen mit dem Patienten festgelegt, so Mastragelopulos. Wie seine Kollegen Mertens und Büllesbach empfahl auch er allen Männern und Frauen ab dem 65. Lebensjahr eine Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader.

Viele der Besucher nutzten dann gleich im Anschluss an die Vorträge die Chance, sich untersuchen zu lassen.
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