Wassenberg - Die Herren von Heinsberg und die Tante Lucie

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Die Herren von Heinsberg und die Tante Lucie

Von: kkli
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Wassenberg. Landschaft und Historie verbinden sich an mehreren markanten Stellen des Stadtgebietes Wassenberg in idealer Weise. Der schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gezielt geförderte Fremdenverkehr wurde von einer privaten Gastronomie getragen, die zum Teil noch heute auf bewährte Wurzeln zurückgreifen kann.

Viele Schulausflüge aus den umliegenden Städten und Ortschaften sind bis heute in Erinnerung geblieben. Dazu zählten auch die Ausflüge zu „Tante Lucie” im Wassenberger Wald. Schon mehr als 150 Jahre „alt” ist diese Stätte der Geselligkeit, die sogar mit einem Stück Stadtgeschichte verwoben ist. Die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene „Wingertsmühle” - eine ehemalige Ölmühle aus dem Mittelalter - war auch Anfuhr- und Ruhepunkt für die Fuhrleute. Der lehmige Boden in diesem Bereich war auch Ausgangspunkt für die Herstellung von Ziegelsteinen, die hier geformt und gebrannt wurden.

Das muss auch so schon im 13./14. Jahrhundert gewesen sein, denn das Mauerwerk des Bergfrieds der Burg Wassenberg und der Turm der Propsteikirche St. Georg - die beiden „Brüder” - stammten beide aus der Zeit nach 1420. Die Entstehungszeit ist geschichtlich bekannt.

Die „Herren von Heinsberg” hatten im Zuge schwerer Fehden den Bergfried und die aus der Zeit vor 1365 stammende „erste” Stadtmauer von Wassenberg zerstört. In den Friedensverhandlungen wurden sie vom Landesherrn „verdonnert”, den Bergfried und die Stadtmauer wieder aufzubauen. Das geschah auch, und zwar diesmal mit Ziegelsteinen, die in den „Kleikaulen” geformt und gebrannt worden waren. Am „Verlorenenturm” von Wassenberg und am „Roßtor” sind heute noch die zwei verschiedenen Bauphasen deutlich zu unterscheiden. Später kam in den „Kleikaulen” bei „Tante Lucie” die Produktion von Dachpfannen aus dem gleichen Material auf.

Französische Ziegelform

Als „Wassenberger Pann”, die keinen Falz hatte, war sie noch bis nach dem zweiten Weltkrieg an manchen Scheunen und Bauernhäusern bis zum Selfkant zu sehen. Die Produktion kam in frühen 20. Jahrhundert völlig zum Erliegen, weil sie von der französischen Ziegelform (mit Falz) verdrängt wurde. Viele Wassenberger Bürger - besonders aus dem Landwirtschaftsbereich der „Brühl” - besaßen Eigentum und Produktionsmöglichkeiten an den „Kleikaulen”.

Dazu gehörte auch „Tante Lucie”, die Familie von Casper Vieten (1799 bis 1892 ), der Müller der „Wingertsmühle” und Wirt, der großen Zulauf aus dem Stadtgebiet hatte, denn hier war es immer sehr gemütlich auf der Kegelbahn im Freien. Die Brennöfen für die „Pannen”-Herstellung wurden die Vorläufer besonders hübscher Blumeninseln, die im Garten von „Tante Lucie” Wild und Sohn im Auftrage der Familie Packenius/v. Forckenbeck gestaltet wurden.

Packenius und sein Schwiegersohn von Forckenbeck, der in Wassenberg wohnenden spätere Gründer des „Judenbruch” im Stil der Anlagen von Kassel-Wilhelmshöhe um zu einem Erholungswald allererster Güte mit Teichen und Wasserläufen. „Tante Lucie” liegt also mitten im Erholungsraum der ersten Stunde. Hier wurden herrliche Feste gefeiert, vor allem der Königsvogelschuss der St. Georgius-Schützenbruderschaft von 1427, das wichtigste Fest in Wassenberg in früherer Zeit.

Aber als Anziehungspunkt am Sonntag Nachmittag nach dem Familienspaziergang in den herrlichen Wälder oder zum „Birgelener Pützchen” ging es zu „Tante Lucie” zum Biertrinken und Schaukeln.

Die Schaukel als Herzstück

Am Eingang zu Traditionshaus saß - unter schönen alten Linden - Tante Lucie Vieten, die wohlbeleibte alte Dame, die von jedem Kind mit einem respektvollen Knickschen begrüßt wurde. Lucie Vieten hatte alles im Griff. Sie ist in Wassenberg unvergessen geblieben. Sie übertrug den Betrieb im Alter an ihre Verwandten der Familie Rütten. 1987/88 übernahmen Marianne und Hans-Theo Limburg den gesamten Betrieb. Mit viel Liebe und Sachverstand „restaurierten” sie vorsichtig und einfühlsam die gesamten Einrichtungen. Dazu gehörte auch der nach wie vor heiß geliebte Garten.

Nach dem Tod von Hans-Theo Limburg führt Frau Marianne Limburg mit ihrem erfahrenen Personal die Gaststätte und den Garten weiter. Das Kleinod bietet an schönen Tagen rund 200 Gästen Platz. Der Kinderbereich zum Spielen ist noch größer und attraktiver geworden. Die Schaukel ist selbstverständlich weiterhin das Herzstück. Ob in der Sonne oder lieber etwas schattiger unter schönen alten Bäumen: Hier ist es überall gemütlich und angenehm. Die „Höhenlage” wurde geschickt genutzt. Alles beruht auf Erfahrung im laufenden Betrieb, nichts wurde dem Zufall überlassen.

Bei „Tante Lucie” ist es immer gemütlich und erholsam. In Verbindung mit einem kleinen Spaziergang im Judenbruch lässt sich gemütlich ausspannen bei „Tante Lucie”. Für alles ist hier gesorgt. Nur das Wetter: Dafür ist ein anderer zuständig.
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