Die Ernte einfahren wie vor 100 Jahren

Von: Georg Schmitz
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Immer noch im Einsatz: Beim 30-jährigen Bestehen der Interessengemeinschaft historische Landmaschinen in Gillrath zeigten die Aussteller, dass die „alten Schätze“ auch in der heutigen Zeit hervorragend funktionieren. Foto: Georg Schmitz
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Wie in alten Zeiten: Anton Schultes bindet das zuvor gedroschene Stroh. Foto: Georg Schmitz
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Ein seltener Flügelmäher aus dem Jahr 1920 bei der Arbeit. Foto: Georg Schmitz
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Wie in alten Zeiten: Anton Schultes bindet das zuvor gedroschene Stroh (links), ein seltener Flügelmäher aus dem Jahr 1920 bei der Arbeit (Mitte) und Daniel Jansen aus Waldenrath zieht mit seinem Pflug tiefe Furchen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Gillrath. Seit nunmehr drei Jahrzehnten begeistert die Interessengemeinschaft historische Landmaschinen Selfkant ein interessiertes Publikum für die technischen Errungenschaften längst vergangener Zeiten. Das 30-Jährige galt es am Wochenende mit einer Großveranstaltung auf einem fast komplett abgeernteten Kornfeld neben dem Gillrather Hof zu feiern.

Nicht nur alte Traktoren von Deutz, Eicher, Fahr, Fendt, Ferguson, Kramer, Porsche, Lanz, IHZ, Güldner, Krieger, Bautz, Hanomag, Ursus, Allgaier, Bautz, Holder, Schlüter, Vierzon, Hatz, McCormick, MAN oder Zettelmeyer zählten zu den rund 300 ausgestellten Schmuckstücken aus früher Landwirtschaft, bei denen das Herz eingefleischter Traktorenfans höher schlägt.

Besonders die uralten Häckselmaschinen, Pflüge, Flegel, Dreschmaschinen, Gespannbinder oder anderen Utensilien aus dem bäuerlichen Bereich sollten bei dem historischen Erntefest im Mittelpunkt stehen. IG-Vorsitzender Gerd Werths aus Geilenkirchen-Horrig und der „harte Kern“ des 34-köpfigen Mitglieder-Teams haben das Jubiläum lange vorbereitet. Die Teilnehmer reisten aus dem deutsch-niederländischem Grenzgebiet, aber auch aus Belgien und dem Raum Mönchengladbach/Bergheim nach Gillrath an. Deshalb hatten einige auch schon am Freitag ihre Zelte auf geschlagen oder einen Campingwagen mitgebracht.

Die Gemeinschaft der Traktorensammler ist sowieso eine „große Familie“. Jeder kennt jeden und überall wird gefachsimpelt. Reiner Krekels aus Straeten zückt kurz nach seiner Ankunft am Sonntagmorgen einen großen Lappen und „poliert“ seinen Lanz Bulldog 1506 mit Baujahr 1940 auf Hochglanz. Zu Hause stehen noch ein Deutz und fünf IHZ, die allesamt gut in Schuss sind. Die auf einem abgezäunten Areal weidenden Schafe von Hans Ehemann aus Süggerath sind trotz der ständig lautstark anfahrenden Traktoren nicht aus der Ruhe zu bringen. Sie würdigten auch dem Lanz Bulldog D 7506 von Markus Middendorf aus Waldfeucht-Bocket keines Blickes. Der Zündsack des 25 PS starken Gefährtes mit 4,7 Liter Hubraum muss noch mit einer Heizlampe angeheizt werden.

Zum anschließenden Anwerfen des Traktors wird übrigens das abnehmbare Lenkrad verwendet. Middendorfs Lanz zieht einen Gespannbinder, der früher eigentlich von Pferden bewegt wurde. Wie der Name es vorgibt, bindet er das Getreide und legt die Garben ab. Diese werden zur Dreschmaschine gebracht. Die Vorführung des Erntevorganges findet viel Interesse bei den zahlreichen Zuschauern und wird mit Handys, Tablets und Kameras festgehalten. Gleich nebenan drischt Anton Schultes kräftig auf das Stroh ein – wie vor 100 Jahren mit dem Dreschflegel. Schultes hat 25 Jahre lang Vorstandsarbeit in der Interessengemeinschaft geleistet.

Daniel Jansen aus Waldenrath zieht tiefe Furchen mit einem Pflug in das abgemähte Feld. Sein Gesicht ist punktuell gezeichnet von der intensiven Arbeit, denn er hat jede Menge Erde ab gekommen. Ein Flügelmäher aus dem Jahre 1920 erregt die Aufmerksamkeit vieler Besucher, denn ein solch außergewöhnliches Gerät zum Mähen des eigens für die Vorführungen stehen gelassenen Weizens hatte kaum jemand zuvor gesehen. Weil der Weizen noch etwas zu feucht war, streikte der Flügelmäher immer mal wieder.

Bei den Ausstellungsstücken fielen unter anderem die Erntekarre von 1887, eine Wann von 1860 und eine kleine Handjauchepumpe ins Auge. Aufgrund der großen Mengen an Ausstellungsstücken mussten sich die rund 2000 Besucher ins Zeug legen, um alle gebührend bewundern zu können. Am Ende waren Veranstalter und Zuschauer begeistert von dem Erntefest aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Interessengemeinschaft historische Landmaschinen.

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