Kreis Heinsberg - Dialog über Arbeitslosigkeit und Armut

Dialog über Arbeitslosigkeit und Armut

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Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion vor der Klagemauer, auf der Gedanken zu den Themen Arbeitslosigkeit und Armut formuliert werden können: Karl Panitz, Gisela Johlke, Günter Rosenkranz, Jens Sannig, Johannes Eschweiler, Dirk Aldenhoff, Stephan Pusch, Michael Stock und Winfried Müller (v.l.n.r.). Foto: Petra Wolters

Kreis Heinsberg. „Wir mischen uns ein...” lautete das Motto, mit dem die katholische und die evangelische Kirche im Februar in der Oberbrucher Erlöserkirche zusammen mit dem Deutschen Gewerkschafts-Bund (DGB) angetreten waren, um sich gegen Arbeitslosigkeit und Armut in der Region zu engagieren.

Zu einer Diskussionsrunde mit Politikern trafen sie sich jetzt an selber Stelle wieder. „Wir mischen uns ein... in den politischen Dialog im Kreis Heinsberg” lautete der erweiterte Slogan. Platz genommen hatten vor rund 70 Zuhörern im Altarraum der Kirche für die Initiatoren Karl Panitz vom DGB, Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, und Regionaldekan Winfried Müller.

Johannes Eschweiler, Vorsitzender des Oberbrucher Hilfsvereins Amos, moderierte die fast dreistündige Veranstaltung. Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Pfarrer Günter Rosenkranz, gab er zunächst den drei Vertretern der Initiatoren das Wort.

„Die vorrangige Option für die Armen ist grundlegend für das Verständnis der Bibel”, erklärte Sannig. „Das Menschenrecht auf Arbeit ist unmittelbarer Ausdruck der Menschenwürde”, betonte Müller. Panitz prangerte die hohe Zahl von Hartz-IV-Empfängern ebenso an wie die steigenden Anmeldungen von Kurzarbeit, die Zunahme von befristeten Arbeitsverhältnissen, 400-Euro-Jobs und Leiharbeitern.

Anders als der Landratskandidat Dirk Aldenhoff (FDP) mit seiner Äußerung, jetzt sei auch die Eigeninitiative der Betroffenen gefragt, erntete sein „Kollege” Michael Stock (SPD) den ersten Beifall des Abends mit der Bemerkung, viele Menschen seien in einer Situation von Arbeitslosigkeit und Armut, „weil es Menschen gab, die kein Maß gehalten haben”.

Gisela Johlke (Bündnis 90/Die Grünen), die in Vertretung für Landratskandidatin Maria Meurer gekommen war, zitierte aus dem Bundesprogramm der Grünen die Aussage, dass innerhalb von vier Jahren eine Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Landrat Stephan Pusch (CDU) als Vierter im Bunde der Politiker warnte vor einer Fehlinterpretation der sozialen Marktwirtschaft.

Der Staat dürfe sich nicht einmischen, sondern nur den Rahmen vorgeben. Wenn er dafür da sein solle, jeden Menschen in Arbeit zu bringen, „dann sind wir beim Sozialismus”.

Johannes Eschweiler gab nach jeder Runde Wolfgang Cohnen die Gelegenheit, dem Podium zusammengefasst auch die Meinungen und Fragen des Publikums - auf gelbe Karten geschrieben - zu präsentieren. Drei Experten boten darüber hinaus „Futter” für Stellungnahmen der vier politischen Vertreter im Podium.

Ralf Welter vom Diözesanverband Aachen der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) zeichnete ein düsteres Szenario für den Kreis Heinsberg, etwa mit einer „dramatischen Landflucht” und einer hohen Jugendarbeitslosigkeit. Michael Schmitt, Leiter der Oberbrucher Hauptschule, beschrieb eindrucksvoll die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und Armut an seiner Schule. Jürgen Bahr, Sozialberater im Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach, forderte die Fortführung einer unabhängigen Beratung für arbeitslose Menschen auch im Kreis Heinsberg.

Insgesamt sei es gelungen, einen Dialog zu den Themen Arbeitslosigkeit und Armut zu beginnen, fasste Eschweiler am Ende des Abends zusammen. „Den werden wir sicher weiterführen, auch mit den Bürgern.”
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