Diakon Stephan Lütgemeier neuer Seelsorger in der JVA Heinsberg

Von: defi
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Unter den Ehrengästen der Amt
Unter den Ehrengästen der Amtseinführung in der JVA Heinsberg war auch Bürgermeister Wolfgang Dieder (links mit Brille). Der Oberbrucher Chor Cantiamo unter der Leitung von Jakob Ronkartz begleitete die Veranstaltung. Foto: defi

Heinsberg. „Auf Wiedersehen, aber nicht in diesen vier Wänden”, diesen Wunsch möchte Diakon Stephan Lütgemeier in den kommenden Jahren seiner Tätigkeit als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg den jugendlichen Strafgefangenen bei ihrer Entlassung mit auf den Weg geben.

Dass dieser Wunsch sich nicht immer erfüllen wird, weiß Lütgemeier, schließlich ist er kein Fantast - er hat nicht einmal „Visionen”, wie er in seiner Predigt bei seinem Einführungsgottesdienst sehr lebensnah verkündete.

Stephan Lütgemeier ist 47 Jahre alt, hat vier Kinder und wurde am 25. Juni 2011 zum Diakon geweiht. 50 Prozent seiner beruflichen Tätigkeit wird er in der JVA Heinsberg leisten, die gerade zur größten Jugendstrafanstalt in Nordrhein-Westfalen erweitert wird, die übrigen 50 Prozent weiterhin in der Gemeindearbeit der Weggemeinschaft Gangelt.

Refinanzierung fehlt noch

Da „die Seelsorge für jugendliche Inhaftierte ein wichtiges Anliegen für das Bistum ist”, wie Eva Häselmann als Vertreterin des Bischöflichen Generalvikariats in ihrem Grußwort zur Amtseinführung sagte, sei diese Personalstelle eingerichtet worden, obwohl das Land noch keine Refinanzierung zugesagt habe.

Zusammen mit seinem katholischen Kollegen Pfarrer Rüdiger Hagens und dem Dritten im Bunde, dem evangelischen Pfarrer Günter Pilger, wird Diakon Stephan Lütgemeier die mehr als 580 Strafgefangenen betreuen, die bei Fertigstellung der JVA Heinsberg in der U-Haft oder im Strafvollzug dort „einsitzen” werden.

Eingeführt in sein neues Amt als Gefängnisseelsorger wurde Lütgemeier von Regionaldekan Gottfried Graaf im feierlichen Gottesdienst, der vom Oberbrucher Chor Cantiamo unter der Leitung von Jakob Ronkartz in der Kapelle der JVA musikalisch gestaltet wurde. Unter den Ehrengästen war auch Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder.

Dieder zeigte sich überzeugt, „dass Kirche und Strafvollzug im Interesse der Betroffenen zum Erreichen des Resozialisierungsziels eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten werden”.Dieder an Diakon Lütgemeier: „Ich bin sicher, dass Sie sich mit Leib und Seele in diese anspruchsvolle Aufgabe einbringen werden.”

Vorbereitet auf diese „anspruchsvolle Aufgabe” wurde Stephan Lütgemeier während eines dreimonatigen Vollzeitpraktikums in der Haftanstalt Köln-Ossendorf. Gelernt hat er dort, „dass man mit dem Tabak nicht ganz so freizügig umgehen sollte”, „dass der Schlüssel Macht hat” und „dass die Menschen im Knast keine Monster sind, aber manchmal ziemlich viel Mist gebaut haben”. Geträumt hat Lütgemeier nie davon, mal Seelsorger im Knast zu werden. Lütgemeier: „Ein Traum von mir war es nie, aber es ist eine schöne Arbeit, man gewinnt die Leute lieb.”

Seine Predigt im Einführungsgottesdienst zeugte von Lebensnähe: eine Ellbogengesellschaft, bei der die Schwachen unter die Räder geraten, sei eine Gesellschaft, die nicht mehr auf dem Boden der Bibel stehe. Es sei sicherlich geschehen (und geschehe vielleicht auch noch heute), dass Propheten wie Paulus Visionen hatten, doch solch eine Vision habe er nie erlebt, so Lütgemeier.

Schon Jesus habe seine Jünger mit einem unspektakulären „Hopp, auf hinter mir her” um sich geschart. Auf solch eine Berufung, die nicht mit Blitz und Donner einhergehe und dennoch spürbar werde, könne es nur eine Antwort geben.

Mit einem Blick rüber zu den Strafgefangenen, die den Empfang der Gäste mit vorbereitet hatten und daher am Gottesdienst teilnahmen, schloss Diakon Lütgemeier Bischof Klaus Hemmerle zitierend, dass gerade auf krummen Wegen oft das Ziel erreicht werde.
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