Der „Stühlchenclub”: Erzählen, was das Zeug hält

Von: koe
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In Ratheim auf der Bergstraße gibt es seit mehr als vier Jahrzehnten den „Stühlchenclub”. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Ratheim. „Aber wenn der Blitz kommt, dann schnappen wir unsere Stühlchen und sind weg”. Ansonsten fast täglich das gleiche Bild an der Bergstraße in Ratheim - und das seit mehr als 40 Jahren.

Gegen 19 Uhr kann man Nachbarn beobachten, mit Gartenstühlen unterm Arm in Richtung Anwesen Stenger gehen. Der „Stühlchenclub” tagt, eigentlich eine Institution, über Jahrzehnte gefestigt und mit Idealen, die in unserer schnelllebigen Zeit eher Seltenheitswert haben: Hier wird dem Fernsehen und dem Sofa getrotzt, hier wird verzällt, meist auf plattdeutsch.

Die Frauen beraten sich, was am nächsten Tag gekocht wird, Witze werden zum besten gegeben, von kleineren oder größeren Wehwehchen berichtet und vieles mehr. Passanten grüßen freundlich,haben Spaß an der munteren Truppe, die da Geselligkeit pflegt.

Ab und zu wird auch schon mal spontan das Pizzataxi angerufen, oder Pellkartoffel mit Hering werden serviert. Der ganz große Favorit ist jedoch Eis. Fast kein Abend ohne Eis. Ein Eiscafe ist schließlich in der Nachbarschaft.

Lukullischer Höhepunkte im Verlauf des Jahres ist die Kirmes. Dann geht„s geschlossen zum Kirmesplatz. Hering oder Würstchen sind Tradition. Und danach geht´s in die Eisdiele. Zur Feier des Tages kein Eis auf der Faust - nein, ein Eisbecher mit allem Drum und Dran. Es ist schließlich Kirmes.

„Wir haben auch schon mal bei einem Tönnchen mit Feuer hier draußen gesessen”, klingt es aus der Runde. „Da war auch schon mal Pils drin”, meint ein anderer. Das sei jedoch eher die Ausnahme. „Wenn gegrillt wird, dann stellen wir einen großen Tisch in die Mitte, alles wird zusammengeschmissen und geguckt, wer die größten Gurken aus dem Garten mitgebracht hat.”

Ein Ausflug steht auch schon mal auf dem Programm, beispielsweise nach „Mops” in Hilfarth (Gaststätte Windelen). Höhepunkte in der Geschichte des „Stühlchenclubs” gab es viele. Schließlich war das Haus Stenger zweimal bereits „Königsdomizil”, und auch drei Goldhochzeiten konnten schon gefeiert werden. „Das Schmücken war immer toll”, schwelgen Mitglieder des „Stühlchenclubs” in Erinnerungen.

Derweilen strickt Käthe an ihrem zweiten Socken, und Tilde hat Ärger mit ihrem Spritzer auf der Bluse. Sie hatte Rote Beete eingekocht, und dann ausgerechnet der Spritzer, wo sich doch der Fotograf angekündigt hatte. „Schumacher hat gepasst, habt ihr schon gehört?”, ging´s munter weiter. „Wo bleibt das Eichhörnchen heute abend nur? Dat kütt doch sonst ömmer”.

Der Gesprächsstoff geht dem „Stühlchenclub” nie aus. Ed ist mit 85 Jahren der älteste Teilnehmer, Christina mit ihren zarten 19 Lenzen die jüngste. Bei allem Verzell ist es inzwischen dunkel geworden. Um 22 Uhr werden die Stühlchen eingepackt und es geht Heim. Übrigens: Hat der zweite Socken von Käthe die gleiche Farbe wie der erste? Sie sagt jedenfalls: „Ja”.
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