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Der ganz coole Rettungsanitäter ist so cool nicht

Von: Pia Wilbrand
Letzte Aktualisierung:
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Jörg Nießen las in der Buchhandlung Viehausen in Erkelenz aus seinem Bestseller „Schauen Sie sich mal diese Sauerei an”. Foto: Wilbrand

Erkelenz. Da steht der Berufsfeuerwehrmann und Rettungssanitäter Jörg Nießen. Kinnlange Haare, lässige Haltung, ein cooler Typ, Marke Entertainer. Der kann bestimmt gut erzählen, ist ein Gedanke, während er über sein Buch und die Idee dahinter bei seiner Lesung in den neuen Räumen der Buchhandlung Viehausen spricht.

In seinem Bestseller berichtet er über „20 wahren Geschichten vom Lebensretten”, unter denen seine Lebensgefährtin viel zu oft „gelitten” habe und die ihm dann irgendwann riet, seine Erfahrungen doch mal aufzuschreiben.

„Das Ganze ist also mehr oder weniger aus einer Schnapsidee heraus entstanden. Die Geschichten muss sich meine Freundin aber trotzdem weiter anhören”, sagt Jörg Nießen. Das Ergebnis ist allerdings kein autotherapeutitsches Tagebuch, sondern eine Sammlung von Kurzgeschichten, in denen er schonungslos und mit viel schwarzem Humor seine oft sehr skurrilen Einsätze als Rettungssanitäter zum Besten gibt.

Bevor seine Anekdoten über sein Berufsleben allerdings zum Beststeller wurden, habe er sich eine blutige Nase bei den großen Verlagen geholt, denen er ein Manuskript schickte. „Mit ein bisschen Vitamin B und sehr viel Glück hab ich dann den Berliner Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf gefunden. Und dann haben die Zahnräder wie von allein ineinander gegriffen und ich stehe jetzt hier.”, erinnert sich Jörg Nießen.

Der Titel des Buches „Schauen Sie sich mal diese Sauerei an” sei ein O-Ton einer Frau, die einen Notruf abgesetzt und ihn und seinen Kollegen an ihrer Haustür in Empfang genommen habe. „Das hat die echt so gesagt, nachdem ihr Mann sich im Badezimmer mit einer doppelschrotigen Flinte in den Kopf geschossen hat!”

Manche Geschichten habe Jörg Nießen aber weglassen müssen, weil es sich um so einmalige und außergewöhnliche Begebenheiten gehandelt habe, dass selbst mit Verfremdung von Namen und Orten eindeutig gewesen wäre, um wen es sich handelt. „Dazu ist die mir die Pietät viel zu wichtig, denn da soll ja niemand vorgeführt werden.”

Der Autor las drei Kapitel einem bunt gemischten Publikum beim ein oder anderen Glas Sekt vor. Da ging es um eine „psycho-mental entkoppelte Alte” mit hypochondrischer Veranlagung, der irgendein „Schwachsinniger” die Telefonnummer 112 verraten habe. „Veronika suchte Gesellschaft und wir waren ihre Opfer”, diagnostiziert der Autor.

In einer anderen Geschichte berichtet Jörg Nießen von einem Rentner mit psychosomatischem Asthma, das vor allem auftritt, wenn er die Nachrichten sieht und sich unglaublich über die aktuelle Tagespolitik aufregt. Seine Ansicht lautet: „Raucher sind die Speerspitze im Kampf gegen den Terror”, denn die würden schließlich die ganzen Steuern dafür bezahlen. In diesem Kapitel wird auch geklärt, wie die Rettungskräfte den Rentner mit 85 Kilogramm Kampfgewicht vom 32. Stock ohne Aufzug in den Krankenwagen transportieren und warum es eigentlich so bestialisch im Treppenhaus stinkt.

Zwischen den einzelnen Lesungen bereicherten Wolfgang Wittmann und Markus Fröhlich mit Akustikversionen verschiedener Musikstücke im Rockabilly Stil den Abend. Christopher Viehausen bedankte sich bei den Beteiligten für einen runden Abend und lud die Gäste im Anschluss zur Signierstunde ein.

Am Ende soll aber noch gesagt sein, dass auch ein scheinbar abgebrühter Rettungssanitäter seine unsicheren und schwachen Momente hat. Als Jacqueline, 23 Jahre alt, droht, ihr Kind in seinem Rettungswagen noch auf dem Weg ins Krankenhaus zur Welt zu bringen, habe er ernsthaft über eine Lösung nachgedacht: „Einfach wieder zurückschieben.” Letztlich sei er aber doch recht überwältigt von dem Ereignis gewesen und habe festgestellt: „Der coole Rettungssanitäter ist gar nicht so cool.”
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