Der Feuerwehr geht der Nachwuchs aus

Von: Andreas Gabbert und Isabelle Hennes
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Wollen in Zukunft mit der Feue
Wollen in Zukunft mit der Feuerwehr ausrücken, wenn die Sirenen heulen: Kevin Melchers, Chiara Hamacher und Markus Lennartz (v.l.). Foto: Andreas Gabbert

Waldfeucht. Der Feuerwehr gehen die Reserven aus. Die Löschgruppen registrieren immer weniger Nachwuchs in ihren Reihen. Aber noch besteht kein Grund zur Sorge. Noch gibt es Jugendliche wie Chiara, Markus und Kevin.

Als Chiara Hamacher in die Jugendfeuerwehr eintrat, haben die Jungen sie zunächst wenig beachtet und eher gemieden. Mädchen sind in der Feuerwehr immer noch die Ausnahme. Mittlerweile gehört sie aber fest dazu. Chiara trägt die gleiche Uniform wie ihre männlichen Mitstreiter. Lediglich der geflochtene Bauernzopf, der unter dem orangen Helm hervorguckt, unterscheidet sie. Die Uniform ist mehr als ein Arbeitsanzug, sie zeigt, dass man dazu gehört.

Wie Markus Lennartz und Kevin Melchers ist auch sie durch Verwandte zur Jugendfeuerwehr gekommen. Das Interesse hat allen voran ihr Vater geweckt, der sie regelmäßig zum Gerätehaus mitgenommen hat. Seit zwei Jahren ist die Zwölfjährige nun selbst in der Jugendfeuerwehr aktiv. „Ich will anderen helfen”, sagt Chiara. Erst vor zwei Wochen hatte sie dazu Gelegenheit: bei einer Übung war jemandem schwindelig geworden und sie konnte die Dinge, die sie kurz vorher in einem Erste-Hilfe-Kurs gelernt hatte, in der Praxis anwenden.

Die Feuerwehr ist Chiaras Welt. Sie weiß genau, wo die Schläuche, der Verbandskasten oder die Atemschutzmasken im Feuerwehrfahrzeug zu finden sind, und auch mit Knoten und Stichen kennt sie sich aus. Da macht ihr so schnell keiner was vor. Das bekommen auch die Jungs zu spüren. Energisch und mit fester Stimme fordert sie während der Übungen die Hilfe der älteren Jungs ein. Bei der Jugendfeuerwehr arbeiten alle Hand in Hand, Einzelgänger gibt es nicht. Das lernen die Jugendlichen als erstes.

„Die Jugendfeuerwehr ist das wichtigste Standbein der Feuerwehr”, sagt der Jugendfeuerwehrwart der Gemeinde Waldfeucht, Karlheinz Lennartz. Darum müsse die Nachwuchsförderung früh beginnen, denn Quereinsteiger gebe es keine, bis auf wenige Zugezogene.

„Es bringt nichts, einen 18-Jährigen für die Feuerwehr begeistern zu wollen”, sagt Lennartz. Hinzu komme, dass bereits viele Jugendliche Mitglied in einem Verein seien und ihnen dadurch neben Schule und Freunden schlichtweg die Zeit für ein weiteres Hobby fehle. Wichtig sei auch, die Bedürfnisse und Anforderungen der Jugendlichen aufeinander abzustimmen. Das ist nicht immer einfach, immerhin reicht die Altersspanne von zehn bis 17 Jahren.

Den 17-jährigen Kevin fasziniert die Technik der Fahrzeuge, dem 15-jährigen Markus gefallen die regelmäßigen Ausflüge, andere finden die praxisnahen Übungen besonders toll - und wenn dann am Ende auch noch eine Wasserschlacht auf dem Programm steht, sind sicher alle mit dabei. Aber auch so wird den Jugendlichen einiges geboten. Um den Jugendlichen einen Einblick in die Welt der Berufsfeuerwehr zu ermöglichen, fand 2010 der 24-stündige Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr statt. Während dieser 24 Stunden mussten sich die angehenden Feuerwehrleute ständig einsatzbereit halten, der Ernstfall wurde geprobt.

Wenn der Ernstfall wirklich droht, dürfen Chiara, Markus und Kevin noch nicht mit ausrücken, aber in Gedanken sind sie dann stets bei ihren Vätern oder Brüdern. Sorgen macht sich Kevin um seinen großen Bruder nicht. „Der hat das drauf”, sagt er. Chiara würde in diesen Momenten gerne mitanpacken, aber da das noch nicht möglich ist, tröstet sie eben ihre kleine Schwester, die sich um ihren Vater sorgt. Dann erzählt sie von ihren eigenen Erfahrungen mit der Feuerwehr.

Die Jugendfeuerwehr der Gemeinde Waldfeucht besteht derzeit aus 23 Jugendlichen der Orte Brüggelchen, Braunsrath, Obspringen, Bocket und Haaren. Im vergangenen Jahr waren es noch über 30, von denen viele zu den „Großen” gewechselt sind. In Zukunft werden die Feuerwehren aber wohl mit weniger Nachwuchs auskommen müssen, erst recht nach dem der Wehrdienst abgeschafft wurde und damit auch der Ersatzdienst entfällt, den viele bei der Feuerwehr geleistet haben. Auf dem Land sehe es im Vergleich zu den Städten zwar noch etwas besser aus, „die Feuerwehr gehört eben zur Dorfgemeinschaft.” Aber auch in Brüggelchen sorgt man sich um den Nachwuchs, die Löschgruppen könnten noch mehr Jugendliche wie Chiara, Kevin und Markus vertragen.

Ein Tag der offenen Tür am Sonntag bietet die Möglichkeit, sich über die Feuerwehr zu informieren und sich unverbindlich für die Teilnahme an einem Übungsabend anzumelden. Natürlich wird auch Chiara an diesem Tag mit von der Partie sein und die Fragen der Kinder und Erwachsenen am Infostand beantworten.

Chiara würde sich über mehr Mädchen in der Feuerwehr freuen. „Ich weiß nicht, warum Mädchen sich nicht so sehr für die Feuerwehr interessieren. Die meisten achten wahrscheinlich mehr auf ihre Schönheit und haben Angst vor abgebrochenen Fingernägeln. Mir ist das egal”, sagt die Zwölfjährige.
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