Kreis Heinsberg - Der Dialekt schwindet

Der Dialekt schwindet

Letzte Aktualisierung:
hs-gill-bu
Leo Gillessen, 82, war Museumsleiter des Kreises Heinsberg und Vorsitzender der Volkskundlichen Arbeitsgemeinschaft im Kreis. Er ist Verfasser des Wörterbuches „Mundart im Heinsberger Land”, herausgegeben vom Landschaftsverband Rheinland/Amt für rheinische Landeskunde, Bonn. Foto: Norbert Koenigs

Kreis Heinsberg. „Viel mehr als schätzungsweise zehn Prozent werden es nicht sein, die heute im Kreis Heinsberg ständig, das heißt täglich, Mundart sprechen”: Mundartexperte Leo Gillessen sieht ziemlich schwarz für die Zukunft unseres heimischen Dialektes, des Platts.

Der gebürtige Dremmener, jetzt in Gerderath lebend, war bis 2008 Vorsitzender der Volkskundlichen Arbeitsgemeinschaft im Kreis Heinsberg.

Er konstatiert in Sachen Dialekt „einen Bruch nach dem zweiten Weltkrieg”. Zwei 1976 und 1991 in Dremmen veranstaltete Stichprobenerhebungen haben ergeben, dass alleine während dieser 15 Jahre in der erwachsenen Bevölkerung der ständige oder gelegentliche Gebrauch der Mundart ganz erheblich zurückgegangen war, so Gillessen im Sonderheft 2009 von „Oos Platt - Grenzland-Mundart gestern und heute”.

Bemerkenswert, dass unter den Mundartsprechern alte ortsmundartliche Lautungen nur noch von den Wenigsten gesprochen werden und die Vertrautheit mit alten Mundartwörten abnimmt.

Auch wird vor allem durch die gestiegene berufliche Mobilität ein Angleichen der Dialekte über die engen lokalen Grenzen hinaus feststellbar. Ein im Kreis Heinsberg lebender Mundartsprecher, der als Pendler 20 Jahre in Aachen arbeitet, dessen Dialekt kann lautlich leicht eine Aachener Färbung annehmen.

Als Ergebnis der Untersuchung wird „die zunehmende situative, an Kommunikationsanlässe und Kommunikationsgruppen gebunde Verwendung der Mundart” hervorgehoben. Immer stärker breitet sich auch das sogenannte Rheinische Hochdeutsch, auch Regiolekt oder „Hochdeutsch mit Knubbeln” genannt (Beispiele: „Jib misch dat” oder „isch hab dat jekrischt”), als Mischung aus Dialekt und Hochdeutsch aus, wobei Elemente beider Seiten aufgesogen werden.

„Ich schätzte, das wird sich nivellieren und auf der Ebene des Rheinischen Hochdeutschs einpendeln”, so Leo Gillessen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ein Grund für den Rückgang des Platts ist sicher auch, dass es mit der rasanten technischen Entwicklung nicht Schritt gehalten hat. So hat es für technische Neuerungen wie Mähdrescher, Fernseher, Staubsauger, keine entsprechenden Wörter gebildet, obwohl dies theoretisch („Wiitkieker” für Fernseher) möglich gewesen wäre.

Allerdings ist es so, dass eine lebende Sprache als hochkomplexes, wissenschaftlich niemals exakt zu fixierendes Gebilde sich ständig in Bewegung befindet. Dies gilt auch für die Mundart, die schon früher Veränderungen unterworfen war, wie man an alten schriftlichen Quellen (Urkunden, Akten) sehen kann. Und bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde über den Untergang des Dialektes geklagt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert