Demonstration gegen zuviel Bürokratie in der Altenpflege

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Rund 300 engagierte Teilnehmer zählte die gestrige Demonstration von „Starke Partner” gegen die Bürokratie in der Pflege auf dem Heinsberger Marktplatz.

Kreis Heinsberg. „Wir brauchen Hände in der Pflege” stand in Rot und Schwarz auf dem großen weißen Tuch, das Thorsten Korwella und Anne Backhaus, Praktikant und Altenpflegerin im Alten- und Pflegeheim St. Josef in Waldenrath, auf dem Heinsberger Marktplatz hochhielten.

Sie waren am Mittwochnachmittag zwei von rund 300 Teilnehmern einer Demonstration von „Starke Partner”, einem Zusammenschluss von sieben Alten- und Pflegeheimen im Kreis Heinsberg. Mit ihrer knapp, aber prägnant formulierten Forderung machten sie deutlich, was derzeit anscheinend alle in der Pflege beschäftigte Menschen fordern: Mehr Zeit, in denen sie sich den Menschen in den Heimen widmen können anstelle von Verwaltungsaufgaben.

Nach einem Autokorso mit 30 weißen Fahrzeugen des Caritasverbandes begrüßte Marcel Ballas, Geschäftsführer von St. Josef, die Teilnehmer von der Rampe eines als Bühne umfunktionierten Lkw, als Gäste auch die Landtagsabgeordnete Ulla Meurer (SPD) sowie die Bürgermeister Wolfgang Dieder aus Heinsberg und Herbert Corsten aus Selfkant. „Das Maß ist voll, was die Bürokratie in der Pflege betrifft”, kam er direkt auf den Punkt, erntete dafür viel Beifall. Sicher müsse es Kontrollen geben, auch Spielregeln, räumte er ein. „Aber alles, wo zu davor steht, ist zu viel. Und bei uns ist es zu viel Bürokratie!”

Dieser Zustand treffe nicht nur die Pflege selbst, sondern auch Verwaltung, technischen Dienst und Hauswirtschaft. 30 bis 40 Prozent ihrer Zeit müssten die Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen mittlerweile für Aufgaben der Dokumentation aufwenden. Um dies zu verdeutlichen, entrollte er von der Bühne herab eine mehrere Meter lange Papierbahn, für die er alle Formulare aneinandergeklebt hatte, die für einen einzigen Bewohner benötigt würden.

Getreu dem Demonstrationsmotto „Wann ist Zeit für mich?” meldeten sich dann auf der Bühne die Heimbewohnerinnen Elfriede Bülles und Leni Vorwerk zu Wort, gespielt von Claudia Sonnenschein und Monika Schumacher, Mitarbeiterinnen im Franziskusheim in Geilenkirchen. In der Pflege gehe es derzeit zu wie in einem Formel-1-Rennen, erläuterte Oma Bülles die ihr vorgegebenen Zeiten für den Toilettenbesuch oder das Essen.

Mittlerweile würde mehr Platz für die Akten benötigt als für die Bewohner, pflichtete Leni Vorwerk ihr bei, die sogar ein paar Aktenordner vor sich her schob. Sie wusste auch zu berichten, dass derjenige, der heute ein Altenheim eröffnen wolle, mehr Vorschriften zu beachten habe als der Betreiber eines Atomkraftwerks.
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