Kreis Heinsberg - Das Thema Vergänglichkeit treibt René Schoemakers um

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Das Thema Vergänglichkeit treibt René Schoemakers um

Von: defi
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Bei der Vernissage: Der Maler
Bei der Vernissage: Der Maler René Schoemakers (r.) erläuterte Alwin Hintzen, dem Vorsitzenden des Kunstvereins Region Heinsberg, und der Kunstpädagogin Ingrid Trantenroth-Scholz seine Arbeiten. Foto: defi

Kreis Heinsberg. „Dysfunktionale Kognitionen?” hat der Künstler René Schoemakers seine Ausstellung beim Kunstverein Region Heinsberg betitelt. Zu sehen sind in Unterbruch (Horster Hof) Gemälde des 1972 in Kleve geborenen und heute mit seiner Familie in Kiel lebenden Künstlers.

Schoemakers studierte an der Muthesius-Hochschule in Kiel bei Peter Nagel. Nicht der Peter Nagel, der in der hiesigen Region unter anderem für seine Nashornköpfe bekannt ist, ist gemeint, sondern der Peter Nagel, der 1965 mit Dieter Asmus, Nikolaus Störtenbecker und Dietmar Ullrich die Gruppe Zebra gründete und dessen Malerei in die Strömung des Neuen Realismus einzuordnen ist. Den Ausstellungstitel muss man dem Künstler nachsehen, studierte er doch vor der Malerei die Philosophie mit dem Schwerpunkt Analytische Philosophie.

Dysfunktionale Kognitionen bescheren dem Patienten eine verkehrte Wahrnehmung der Realität, wobei es René Schoemakers wohl weniger um ein psychotherapeutisch zu behandelndes Krankheitsbild geht, sondern eher um grundsätzliche Fragen der Welt­erschließung. Das Thema Vergänglichkeit sei eines, das ihn umtreibe, erklärte Schoemakers im Dialog mit der Kunstpädagogin Ingrid Trantenroth-Scholz vom Kunstverein Region Heinsberg vor dem Vernissagepublikum.

René Schoemakers gab auch Auskunft über den Arbeitsprozess, in dem seine naturalistische Malerei entsteht. Wenn eine Bildidee im Kopf durchgespielt ist und die bildliche Vorstellung gediehen, baut Schoemakers sein Bild auf. Das ist bei seinen Bildern durchaus wörtlich zu nehmen.

Das Bild „carne levale III” (Acryl auf Leinwand, 1,30 mal 1,30 Meter groß) zeigt einen Schädel vom Künstler aus Legosteinen gebaut. Von diesem Legosteinbau fertigt der Künstler dann Fotografien an. Das endgültige Foto, nach dem Schoemakers malt, wird aus mehreren Fotografien am PC zusammengesetzt, bis die Bildvorstellung passt. Erst dann greift Schoemakers zum Pinsel. Für die Vernissagebesucher ließ der Künstler die Katze aus dem Sack - auch wenn seine Bild- und Ausstellungstitel recht kopflastig sind, bekannte er: „Ich denke eigentlich nicht viel nach. Während des Malens denke ich nicht nach. Denken beim Malen führt nicht zu besseren Bildern.”

Während bei „carne levale III” das Thema Vergänglichkeit in der Kombination von Totenschädel und Legosteinen vielleicht sogar etwas humorvoll angegangen wird, muss man hingegen bei „carne levale I”, einem Triptychon (1,30 mal mal 4,60 Meter groß) aufpassen, dass man sich von der hübschen Nackten auf dem ersten Bild nicht in die Irre führen lässt. Der Halbakt zeigt die Frau des Künstlers mit einem Kranz aus Wacholderblättern auf dem Kopf, in den kleine Spielzeugfiguren gesteckt sind.

Bild zwei ist comicartig angelegt, ein Mädchen, das mit einem Hammer ein Loch in die Wand schlägt und sich durch dieses aus dem Nebenraum ein kleines Haus greift. Auf Bild drei stellt René Schoemakers eine Erschießungsszene dar. Mit Figuren und Zubehör aus dem Modellbaubereich im HO-Maßstab hat der Künstler diese Szene detailgenau bis hin zur Beleuchtung im Atelier aufgebaut. Rotwild grast dort, doch die Schützen der Wehrmacht nehmen Menschen ins Visier, die sich gerade ausziehen und einen Graben ausheben.

Da könnte man wild drauflos interpretieren, doch der Künstler rät: „Ich denke, man sollte mit Interpretationen insgesamt entspannter umgehen und zuerst die Arbeit selbst genau betrachten.” Man solle erst einmal versuchen, „eine Zeit lang in den Schuhen des Künstlers zu gehen.” Die Gelegenheit dies zu tun, besteht beim Kunstverein in Unterbruch noch bis zum 15. Juli.

Die Öffnungszeiten des Kunstvereins Region Heinsberg in Unterbruch (Horster Hof) sind sonntags von 11 bis 17 Uhr und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 02452/65598. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.kunstverein-heinsberg.de.

Zur aktuellen Ausstellung ist wieder eine Edition erschienen, ein ­Linolschnitt in einer Auflage von 25 Exemplaren.
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