Kreis Heinsberg - Das neue Zeitalter des Telenotarztes beginnt

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Das neue Zeitalter des Telenotarztes beginnt

Von: disch
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Mobile Kommunikation macht die Echtzeitübertragung von Vitaldaten des Patienten zum Telenotarzt möglich: Rettungssanitäter Jochen ­Trimpel mit einem EKG-Defibrillator. Foto: agsb
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Für ihn ist Telemedizintechnik zukunftsfähig: Ralf Rademacher, Geschäftsführer der Rettungsdienst-Gesellschaft im Kreis Heinsberg. Foto: agsb
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Er weist auf die Kamera im Rettungswagen hin: Notfallsanitäter Frank Menzel von der Rettungswache in Gangelt-Stahe. Foto: agsb

Kreis Heinsberg. Im Rettungsdienst des Kreises Heinsberg hat vor wenigen Tagen ein neues Zeitalter begonnen: Der Telenotarzt ist – zusätzlich zu den leibhaftigen Notärzten, die von Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg und Wegberg aus ihre Einsätze absolvieren – in den regulären Rettungsdienst integriert worden.

Zwei neue Rettungswagen, die in Gangelt und Selfkant stationiert worden sind, wurden mit der Telemedizintechnik der Aachener P3 telehealthcare GmbH ausgestattet. Dies macht rund um die Uhr die Kontaktaufnahme mit einem Notfallmediziner in der Aachener Telenotarzt-Zentrale möglich.

Im Ausschuss für Gesundheit und Soziales des Kreises Heinsberg war im vergangenen Jahr wiederholt über das „Tauziehen“ mit den Krankenkassen berichtet worden: Es ging um die Frage, wann ein Notarzt am Einsatzort eintreffen muss. In dem im Einvernehmen mit den Krankenkassen aufgestellten Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises ist eine Notarzt-Hilfsfrist festgelegt: Binnen zwölf Minuten soll er in 90 Prozent der Fälle vor Ort sein. Im Raum Heinsberg / Geilenkirchen wurde dieser Wert bei 87 Prozent mit fallender Tendenz nicht mehr erreicht.

Letztlich haben dann die Verbände der Krankenkassen nach Gesprächen, in die auch die Kölner Bezirksregierung eingebunden war, der vom Kreis gewünschten Einführung eines ­Telenotarzt-Systems für die Rettungswagen in Gangelt und Selfkant zugestimmt. Viele Mitglieder des Ausschusses für Gesundheit und Soziales zeigten sich nach dieser Entscheidung erfreut. Und es wurde gleich der Wunsch geäußert, doch möglichst jeden Rettungswagen im Kreis mit dem Telenotarzt-System auszustatten.

Alle 15 Rettungswagen mit Telenotarzt an Bord? Das ist noch Zukunftsmusik. „Wir hätten am Ende natürlich gerne jeden Rettungswagen damit ausgestattet. Aber da müssen wir noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten“, so Ralf Rademacher, Geschäftsführer der gemeinnützigen Rettungsdienst-Gesellschaft im Kreis Heinsberg (RD HS), der von dem neuen System überzeugt ist und es gerade im ländlichen Bereich für zukunftsfähig hält.

Telenotarzt kann Rettungsdienst entlasten

Als nächste Fahrzeuge sollten aus seiner Sicht der für Patientenverlegungen genutzte Rettungswagen (RTW) und der im Jahr 2013 in ein positiv verlaufenes Pilotprojekt eingebundene RTW aus Hückelhoven mit der neuen Technik ausgerüstet werden. „Wir sind überzeugt davon, dass der ­Telenotarzt auch unseren Rettungsdienst entlasten und die notfallmedizinische Betreuung der ­Patienten weiter verbessern wird“, erklärte Rademacher.

„Die Mitarbeiter im Heinsberger Rettungsdienst sind dem Telenotarzt gegenüber sehr positiv eingestellt und sind hoch motiviert, damit zu arbeiten“, bescheinigte Dr. Frederik Hirsch, als Leiter des Qualitätsmanagements bei P3 telehealthcare auch als Ausbilder für Telenotärzte und Rettungsdienstmitarbeiter tätig, der RD HS gGmbH.

Rund 7500 Einsätze für einen Notarzt gibt es pro Jahr im Kreis Heinsberg. Als Gebühren werden für die Inanspruchnahme eines Notarzt-Einsatzfahrzeugs 361 Euro verlangt und zusätzlich für die eines Notarztes 348 Euro. Für den Telenotarzt gibt es laut Rademacher im Moment keine Gebühr. Der Kostenaufwand – veranschlagt seien 85.000 Euro für die Einführung und 130.000 Euro pro Jahr – werde über den Gesamtetat des Rettungsdienstes getragen.

In jedem Notfall, der nach einem Notruf über 112 in der Leitstelle als lebensbedrohlich eingeschätzt werde, rücke selbstverständlich auch in Zukunft nicht nur ein Rettungswagen, sondern auch ein Notarzteinsatzfahrzeug aus, betonte Rademacher. Doch in den ­allermeisten Fällen treffe die Besatzung des Rettungswagens zuerst am Einsatzort ein. Benötigten Notfallsanitäter oder Rettungsassistent und begleitender Rettungssanitäter rasch ärztliche Unterstützung bei der Findung der Diagnose oder bei der Entscheidung über einzuleitende Maßnahmen, müssten sie nicht auf den Notarzt warten, sondern könnten sofort mit dem Telenotarzt Kontakt aufnehmen: über mobile Kommunikation samt Echtzeitübertragung von Vitaldaten, Fotos und Videos. So solle eine noch schnellere Versorgung der Patienten gewährleistet werden.

Zum Beispiel auch, wenn erst einmal kein Notarzt alarmiert worden sei und sich ein Notfall erst vor Ort als schlimmer ­herausstelle. Dann sei dank Telemedizin ein Notarzt in Sekundenschnelle eingeschaltet. Wichtig seien natürlich die Zuverlässigkeit und die Sicherheit der Verbindung, so Rademacher. Sie solle mit Hilfe von drei Netzen gleichzeitig gewährleistet werden.

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