Das Aktionsbündnis „Kirche vor Ort” gibt sich kämpferisch

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„Kirche vor Ort”: Heinz-Josef Schmitz, Sprecher des Aktionsbündnisses für die Region Heinsberg, freute sich über die rege Beteiligung am Treffen im Pfarr- und Jugendheim Brachelen. Foto: Petra Wolters

Kreis Heinsberg. „Bischof setzt den Widerspenstigen letzte Frist”: Auf Posterformat vergrößert prangte eine Zeitungsüberschrift über dem Podium. Die „Widerspenstigen” sind diejenigen Kirchengemeinden, die auch weiterhin gegen die im Bistum angeordnete Fusion von Gemeinden sind, auch wenn die Entscheidung des Bischofs dazu bereits gefallen ist.

110 von ihnen haben sich im Aktionsbündnis „Kirche vor Ort” zusammengeschlossen, das sich am Donnerstagabend im Pfarr- und Jugendheim in Hückelhoven-Brachelen traf. 125 Gäste konnte Heinz-Josef Schmitz, Sprecher des Aktionsbündnisses für die Region Heinsberg und stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes von St. Gereon Brachelen, begrüßen.

„Man könnte vielleicht meinen, unser heutiges Treffen sei der Abgesang. Ich glaube allerdings, dass wir heute erst richtig in die Gänge kommen”, gab er sich schon zu Beginn der Veranstaltung weiterhin kämpferisch. „Umfallen können wir jederzeit. Kämpfen können wir noch lange!”

Über die Arbeit des Bündnisses im vergangenen Jahr berichtete dessen Gesamtsprecher Karl-Josef Begaß aus Würselen-Bardenberg. Er erläuterte Einzelheiten aus zwei Schiedsstellenverfahren, die seine Kirchengemeinde St. Peter und Paul und andere, auch aus den Regionen Heinsberg und Aachen, gegen das Bistum angestrengt haben.

Dabei geht es einerseits um den Zwangsbeitrag für diejenigen Kirchengemeinden, die dem Verwaltungszentrum nicht beitreten wollen, und andererseits um die Verteilung der Kirchensteuern, um die sogenannten Schlüsselzuweisungen an die Kirchengemeinden. Kirchensteuermittel würden in die Gemeinden gehören, betonte Begaß. Früher seien 40 Prozent davon vor Ort angekommen, aktuell seien es nur noch 25 Prozent.

Immerhin sei durch das Verfahren erreicht worden, dass im Jahr 2007 zwei Mal sechs Millionen Euro zusätzlich an die Gemeinden ausgezahlt worden seien. Da gelte es, auch für die Folgejahre weiter zu kämpfen.

Diese Verfahren seien allerdings nur eine Bekämpfung von Symptomen, sagte Dr. Guido Rodheudt, Pfarrer von St. Gertrud Herzogenrath. Er betreue eine freiwillig aus ehemals drei Pfarreien fusionierte Gemeinde, und er sei auch nicht gegen Hierarchie an sich. Als Problem sehe er allerdings, dass die Kirche dabei sei, sich vom territorialen Gemeindeprinzip zu verabschieden.

Da bestehe sehr schnell die Gefahr, dass Funktionärsmentalität aufkomme, Pfarrer nur noch „Sakramentenreferenten” seien und es kein „Hirte-Herde-Verhältnis” mehr gebe. Leitsprüche wie „Kirche in Rufnähe” oder „Gottes Wort am Menschenort” würden da geradezu zynisch klingen. Es sei durchaus möglich, bei kleinen Einheiten mit eigener Verantwortung zu bleiben, erklärte er.

Konsequent wäre, wenn in dieser Situation keiner mehr ein Ehrenamt ausüben würde, fuhr Walter Strüder, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands in Herzogenrath, fort. Dann ging er noch weiter und forderte eine Unterschriftenaktion, in der 10.000 bis 15.000 Katholiken konkret ihren Austritt aus der Kirche bekunden sollten, falls das Bistum bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht von den aktuellen Fusionsplänen zurücktrete. „Nur mit einer massiven Aktion können wir jetzt noch Aufsehen erregen”, erklärte er.

Und darauf werde dann sicherlich auch der Vatikan aufmerksam. Dabei werde man bei einem Austritt aus der Kirche nicht automatisch exkommuniziert, wenn man sich nicht gegen den Glauben wende, sondern sich damit nur der Bistumspolitik widersetze, betonte er. Einstimmig sprach sich die Versammlung dafür aus, entsprechende Aktivitäten kurzfristig zu planen.
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