Da bevorzugen selbst Biker ein Radler

Von: Dettmar Fischer
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Die Motorsportfreunde Karken sind ein eingeschworenes Team, anders wäre der viertägige Partymarathon „21. MSF-Fete” auch nicht zu stemmen gewesen. Fotos (2) : defi

Heinsberg-Karken. „Wie kommen wir zum Biker-Event?”, fragt ein Pärchen aus Wuppertal. Die beiden halten mit ihrem Kleintransporter mit anhängendem Wohnwagen den Verkehr in der engen Karkener Seitenstraße kaum auf.

Bei brütenden 39 Grad, gemessen am Raibathermometer auf der Karkener Hauptstraße, sind die Straßen eh fast menschenleer. Der Passant kann den beiden also in Ruhe den Weg erklären: „Kirche links liegen lassen und dann immer geradeaus. Wenn die gelben Nummernschilder zunehmen seid Ihr zu weit.”

Die Wolfhager Mühle ist das Ziel, liegt ganz am Rande von Karken, fast schon in den Niederlanden. Dort liegt das Feld von Landwirt Frank König, seit 16 Jahren ist es der ideale Austragungsort für die MSF-Feten der Motorsportfreunde Karken. Die 30 Jungs und Mädels veranstalteten in diesem Jahr die 21. MSF-Fete.

Die Party hat inzwischen Kultstatus und zieht nicht nur Biker aus dem ganzen Rheinland und sogar aus der Stuttgarter- und Bodenseeregion an. Vereinsmitglied David Backes: „Unser Open Air ist eine Veranstaltung für Jung und Alt mit oder ohne Bike, für alle von 16 bis 96.” Und wenn ein 97-Jähriger käme? Backes: „Gute Frage. Der Manni wollte heute Abend noch seinen Opa mitbringen, der sitzt im Rollstuhl und wird Ende des Jahres 100.”

Am Donnerstagabend startet für die Clubmitglieder und ihre Familien immer die heiße Vorbereitungsphase. Am Lagerfeuer wird bei Pizza für Alle, schließlich sind auch die Kinder mit von der Partie, nochmal durchgesprochen, ob alle Aufgaben verteilt und alles Notwendige vor Ort ist. Am Freitagnachmittag knattern die ersten Bikes über die kleine Brücke an der Wolfhager Mühle, wo die Begrüßungscrew den Ankommenden ein Schnäpschen serviert. Das große Zelt ist aufgebaut, die Bühne steht, die Planschbecken sind aufgeblasen, und der Toilettenwagen ist angeschlossen. Auf dem Zeltplatz werden die ersten Zelte aufgeschlagen. Freitagabend startet dann der Partymarathon. Clubmitglied Christoph Tholen: „Freitags haben wir immer Musik vom Band mit DJ Schmatz und Stefan Beiten.” Nach kurzer Nacht gibt es für alle Camper ein kostenloses Frühstück. „Die Letzten springen dann gerade vom Bier auf Kaffee über”, lacht David Backes.

Auf ins Schwalmtal!

Nach dem Frühstück, so gegen 14 Uhr, steht eine Motorradtour durch den Kreis Heinsberg auf dem Programm. In diesem Jahr präsentierte der MSF-Karken seinen Gästen die Schönheit der Schwalmtalregion. Zurück auf dem Festivalgelände hätte der sportliche Teil des Programms starten sollen. Spiele wie „Reise nach Jerusalem” mit im Pool versenkten Likörfläschchen, die mit dem Mund rausgeangelt werden müssen, bringen normalerweise eine Menge Spaß für Teilnehmer und Zuschauer. Bei 39 Grad unter der Sonne waren die Plätze im Pool zwar alle belegt, doch körperliche Anstrengung verpönt. Selbst das Biertrinken war manch einem zu viel. „Es ist zu heiß für Bier”, meinte David Backes, „da geht höchstens ein Radler, davon mussten wir schon Nachschub holen.”

Nicht, weil es zu heiß war, sondern mit Rücksicht auf die Umwelt, verzichtete der Club auf das spektakuläre Burnout: vordere Handbremse des Motorrads angezogen und dann Gasgeben, bis der Hinterreifen auf dem Asphalt qualmt und das Gummi in Fetzen von der Felge fliegt. Also lieber Abhängen im Planschbecken und auf den Abend warten.

Zwei Livebands ließen es dann so richtig krachen. Die beste AC/DC-Coverband, High Voltage aus Belgien und die Aachener local heroes, Chief Rockhead, spielten. Wo sonst als beim MFS-Karken bekommt man zwei Spitzenbands bei freiem Eintritt geboten? Die Atmosphäre der MFS-Partys ist schon etwas Besonderes. „Und in all den Jahren keine einzige Schlägerei”, freut sich David Backes.

Irgendwann am Sonntag nach dem gemeinsamen Frühstück, wenn die Party vorbei ist, liegen die Clubmitglieder auf den Knien. Platt sind sie nach einem „anstrengend, schönen Abend”, aber es gilt ja noch die Kronkorken von der Wiese aufzusammeln, damit Landwirt Frank Königs wieder wirtschaften kann.

Am Sonntagabend gibt es zum Abschluss traditionell Schnitzel für alle Helfer in der Gaststätte Pohlen, und dann waren vier Tage Partymarathon, wie in all den 21 Jahren bei tollem Wetter (Backes: „Der liebe Gott muss ein Biker sein.”) wieder einmal vorbei.
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