Kreis Heinsberg - CDU sieht „Warnschuss” auch als Ansporn

CDU sieht „Warnschuss” auch als Ansporn

Von: disch
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Die Lektüre der Wahlergebniss
Die Lektüre der Wahlergebnisse erfreute die CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Gerd Hachen (l.) und Bernd Krückel kaum. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Auch wenn die CDU am Sonntag wieder einmal beide Landtagswahlkreise im Kreis Heinsberg gewonnen hat, so war statt Jubel angesichts des landesweiten Debakels für die Union eher nüchterne Analyse angesagt - zumal die Minuswerte für die Christdemokraten auch im Kreis sehr deutlich ausfielen.

„Ich bin nicht zufrieden”, sagte Bernd Krückel aus Heinsberg, der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete der Union, am Montag. Auch wenn er selbst im Süd-Wahlkreis 9 Heinsberg I mit 46,3 Prozent der Erststimmen erneut das Direktmandat holte, ebenso wie Dr. Gerd Hachen aus Erkelenz, der im Nord-Wahlkreis 10 Heinsberg II mit 40,4 Prozent die Nase vorn hatte.

Beide CDU-„Titelverteidiger” mussten aber empfindliche Stimmenverluste hinnehmen. Man könne einem Landestrend nur sehr beschränkt entgegenwirken, wenn überhaupt, sagten sie. „Brechen kann man ihn nicht”, so ­Krückel. Beide empfanden die Tatsache, dass sie als Wahlkreiskandidaten um rund 7,5 Prozentpunkte besser abgeschnitten hatten als ihre Partei beim Zweitstimmenresultat vor Ort, zumindest als eine Bestätigung für ihre persönliche Arbeit.

„Kein Automatismus”

Mit Blick auf den Nordkreis stellte Hachen fest, dass ein CDU-Sieg dort „kein Automatismus” sei. Er erinnerte an den Wahlkreissieg des Sozialdemokraten Johannes Sondermann im Jahr 1985. Und durch Zuzüge veränderten sich die Dinge. Für Hachen ist dieses Ergebnis, das ihn selbst eben nur noch um 5,2 Prozentpunkte vor der Sozialdemokratin Nicole von den Driesch liegend auswies, eindeutig „ein Warnschuss”: „Wir dürfen uns nicht auf irgendeinem Ruhekissen ausruhen.”

Daran dürfte angesichts des drastisch zusammengeschmolzenen Vorsprungs gegenüber der SPD im Lager der CDU auch niemand denken. So betonte Kreisvorsitzender Bernd Krückel: „Dieses Resultat ist für uns ein Ansporn.” Und er nahm dabei vor allem die Bundestagswahl 2013 in den Blick. Im Kreis-Resultat lag die CDU bei der Bundestagswahl 2009 noch um 20 Punkte vor der SPD: 41,5 Prozent (CDU) und 21,5 Prozent (SPD) - so damals die Zweitstimmenverteilung.

Bei der Landtagswahl 2010 betrug die Differenz immerhin noch 17,9 Punkte: 44,9 Prozent (CDU) und 27,0 Prozent (SPD) - so die Zweitstimmenanteile vor zwei Jahren. Nun sind es auf einmal nur noch 3,3 Punkte, die CDU und SPD voneinander trennen: 35,8 Prozent (CDU) und 32,5 Prozent (SPD) - so die aktuellen Zweitstimmenwerte vom Sonntag. Da ist es kein Wunder, dass Krückel bereits jetzt ankündigte, die Christdemokraten müssten für die Bundestagswahl arbeiten, damit der Kandidat oder die Kandidatin der Union den Wahlkreis gewinne. Das parteiinterne Bewerbungsverfahren soll am 1. Juli beginnen.

Das zögerliche Verhalten des Spitzenkandidaten Norbert Röttgen hatte Krückel bereits am Wahlabend als die Hauptursache für das CDU-Debakel ausgemacht. Krückel und Hachen hatten nach eigenen Angaben Röttgen bereits frühzeitig in einem Brief aufgefordert, sich eindeutig zu Nordrhein-Westfalen zu bekennen und auch die Bereitschaft zu zeigen, im Falle einer Wahlniederlage als Oppositionsführer in den Landtag zu wechseln. Wie reagierte der Bundesumweltminister und Chef der NRW-CDU auf die Post aus dem Kreis Heinsberg? „Es gab keine Reaktion”, so Krückel.

Präferenz für Laschet

Die beiden Abgeordneten aus dem Kreis Heinsberg plädierten am Montag beide dafür, dass in Zukunft die Ämter des Landtagsfraktionsvorsitzenden und des Landesparteivorsitzenden in Personalunion wahrgenommen werden sollten. Und sie ließen auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihre persönliche Präferenz für die Besetzung dieser Posten beim Aachener Armin Laschet liege, auch wenn Karl-Josef Laumann ebenfalls ein exzellenter Politiker sei.

Doch allein mit einem personellen Wechsel an der Spitze, der ja bereits wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale mit der Rücktrittserklärung von Röttgen als Parteivorsitzender beschlossene Sache war, sei es nicht getan, mahnte Krückel. „Wir werden uns auch mit Themen beschäftigen müssen.” Es gehe darum, dass diese greifbar transportiert werden müssten. So wäre es nach seiner Ansicht wichtig gewesen, wenn die CDU im Wahlkampf nicht nur die Verschuldung des Landes thematisiert, sondern wenn sie auch konkrete Sparbeispiele aufgezeigt hätte.

Grüne: Fundament ist „stabil”

Dr. Ruth Seidl, die über den Grünen Reservelistenplatz 21 wiederum ins Landesparlament eingezogen ist, war auch am Tag nach der Wahl die Freude anzumerken: einerseits über den klaren Sieg für Rot-Grün und andererseits über ihren erneuten Einzug in den Landtag. Die leichten Verluste sowohl bei den Erststimmen wie auch bei den Zweitstimmen „können wir natürlich verschmerzen”. Das Fundament der Grünen sei auch im Kreis Heinsberg „stabil”.

FDP: „Riesen-Erfolg” mit Zweitstimmenkampagne

Stefan Lenzen, Südkreiskandidat und Kreistagsfraktionsvorsitzender der FDP, sprach von einem „Riesen-Erfolg” für die FDP - gemessen an der Ausgangsposition mit Umfragewerten von nur zwei Prozent im März. Die Tatsache, dass die FDP bei den Erststimmen ein Minus und bei den Zweitstimmen ein Plus verzeichnete, „war zu erwarten”, verwies Lenzen auf die „konsequente Zweitstimmenkampagne”, die von ihm und Tino Pakusa gefahren worden sei.

Linke: „Herbe Niederlage”

Michael Schreiner - für die Linke im Südkreis angetreten - räumte unumwunden „eine herbe Niederlage” ein. Der Linken fehle im Westen Deutschlands die Verankerung vor Ort, stellte er fest. Und er erkannte ein Problem bei der Vermittlung der politischen Ziele. Es stelle sich die Frage, „ob man die Sprache der Menschen spricht”. Mit Blick auf eine Politik im Interesse der Menschen bezeichnete er das Aus für die Linke im Landtag aber als „einen großen Verlust”.

Piraten: Erwartungen „mehr als übertroffen”

Thomas Theves, Kandidat der Piraten im Südkreis, sagte: „Wir sind sehr zufrieden.” Die Piraten hätten im Kreis noch besser als landesweit abgeschnitten. Kreisweit hochgerechnet, lägen sie vor den Grünen und der FDP. „Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen”, so Theves. Noch gibt es keinen Kreisverband der Piraten, so Theves. Aber darüber werde nachgedacht. Und er erwarte auch, dass die Piraten bei der nächsten Kommunalwahl 2014 antreten werden.

Freie Wähler: Wahl„kam für uns zu früh”

Walter Leo Schreinemacher, Landtagskandidat und stellvertretender Landesvorsitzender der Freien Wähler, bezeichnete das Abschneiden der Freien Wähler, die unter ­einem Prozent blieben, als „für uns enttäuschend” - gemessen am Engagement vor Ort. Erfreulich sei zwar, dass die FW-Zahlen im Kreis besser als im Land gewesen seien. Doch diese Wahl „kam für uns zu früh”, so Schreinemacher, sei doch die Landesvereinigung erst 2011 gegründet worden.

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