Hückelhoven - Buch „Spektra”: umfassende Darstellung eines persönlichen Werdegangs

Buch „Spektra”: umfassende Darstellung eines persönlichen Werdegangs

Von: Angelika Stöcker
Letzte Aktualisierung:
Dr. Henning Herzberg, der ehem
Dr. Henning Herzberg, der ehemalige Technische Beigeordnete der Stadt Hückelhoven und Mitbegründer der Künstlergruppe Canthe, hat ein gewichtiges Buch über seinen Werdegang verfasst. Foto: N. Schuldei

Hückelhoven. Die Älteren erinnern sich: 1959 herrschten Frieden und kalter Krieg in unserem Land, der Schutt war zum guten Teil beiseite geräumt, in der DDR war Ulbricht an der Macht, im Westen regierte Adenauer auf katholisch-rheinische Art.

Da begannen vier junge Leute in Aachen ein Studium an der Technischen Hochschule. Sie waren aus verschiedenen Gegenden Deutschlands und auf den unterschiedlichsten Wegen hierher gekommen. Gemeinsam war ihnen, dass sie kurz vor Kriegsbeginn sozusagen in die Barbarei hinein geboren worden waren und sich jetzt, mit Anfang zwanzig, für die Architektur und damit die Gestaltung der noch jungen Republik entschieden hatten.

Zu planen und zu bauen gab es bekanntlich genug - die Städte waren immer noch weitgehend zerstört, die stetig wachsende Bevölkerung brauchte Wohnraum, der Verkehr Straßen und das Wirtschaftswunder Flächen für Industrie und Gewerbe. Diese unterschiedlichen Ziele in Einklang zu bringen ist bekanntlich in beiden Teilen Deutschlands nicht immer gelungen - ideologische Verblendung, architektonischer Größenwahn und unreflektiertes Streben nach Modernität oder wirtschaftlicher Rendite haben hüben wie drüben ihre Spuren hinterlassen.

Der Umgang mit gewachsenen Strukturen und historischer Bausubstanz war oft gedankenlos oder respektlos. Auch eine Karriere im großdeutschen Bauwesen unter dem verhinderten Architekten Hitler erwies sich nur selten als Hindernis für ein glänzendes Fortkommen danach - da wurde oft einfach nach den gleichen Mustern weiter gebaut. So haben - einem geflügelten Wort zufolge - Architekten und Straßenbauer unsere Städte insgesamt schwerer verwüstet als zwei Weltkriege.

Was das Leben der vier Aachener Kommilitonen und ihrer Familien während der gesamten Zeitspanne des vergangenen Jahrhunderts umgibt, hat der ehemalige Hückelhovener Baudezernent Dr. Henning Herzberg - unter seinem Künstlernamen Herzberg de Pers - gesammelt und daraus eine Collage gefertigt. Sie besteht aus zahlreichen größeren oder kleineren Elementen mit historischen, politischen, kultur- und baugeschichtlichen, künstlerischen und persönlichen Zeugnissen.

Es ist ein gewichtiges Werk geworden: 1155 Gramm Buch mit knapp 500 Seiten Text, vielen Abbildungen sowie 1190 Fußnoten auf 86 Seiten.
Orte des Geschehens sind unter anderem Magdeburg, Greifswald, Aachen, Bonn, Köln, Stolberg, Kleve und Hückelhoven.

Ausweislich des Registers im Anhang begegnet der Leser 864 Personen: Da stehen zum Beispiel Willy Brandt neben Eva Braun, Paul Ginnuttis neben Hans Globke und Christoph Willibald Gluck neben Joseph Goebbels.

Thematisch reicht das Spektrum von: Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus über: Krieg und Zerstörung deutscher Städte, Sieg und Niederlage, Hunger, Gewalt und Vertreibung, Widerstand und Flucht vor Verantwortung, Kunst und Architektur in Ost und West, Schicksal von Stadt und Universität Greifswald bis: Kindheit und Jugend in Krieg und Diktatur oder Trennung und Wiedervereinigung in deutsch-deutschen Familien.

Der berufliche und künstlerische Werdegang des Autors bildet naturgemäß den Schwerpunkt des Buchs: Kindheit und Jugend in Magdeburg, Greifswald und Bergen auf Rügen; Studium und Referdariat in Aachen und Bonn. Dann Baurat in Kleve, später Technischer Beigeordneter in Hückelhoven und anschließend freier Architekt und Städtebauer in Erkelenz und Greifswald.

Für das einheimische Publikum sicher interessant sind daher die etwa 30 Seiten, auf denen es um die Entwicklung der Stadt Hückelhoven seit der kommunalen Gebietsreform von 1972 geht.

Hier erfährt der Leser, wie wie die Friedhofshalle nach Baal und die Skulptur auf den Kreisverkehr an der Parkhofstraße gekommen sind, warum die Sprengung der Ratheimer Fördertürme eine Schande waren und die Bergmannssiedlungen in Hückelhoven ein Juwel sind, warum die Mehrzweckhalle am Gymnasium immer noch zu tief im Gelände sitzt und wie konfliktreich und gefahrvoll das Leben eines Beigeordneten ist - von den Mühen des Marschierens bei Schützenfesten ganz zu schweigen.

Insgesamt ist das Buch ein Kaleidoskop ganz und gar verschiedenartiger Elemente, mehr spielerisch als systematisch zusammengesetzt von einem vielfältig interessierten und meinungsstarken Autor.

Das Buch trägt den Titel: Henning Herzberg de Pers: „Spektra - Collage. Eine politische, kultur- und baugeschichtliche Betrachtung in vier Darstellungen”. Erschienen ist es im Altius Verlag Erkelenz 2011. Es umfasst 621 Seiten und ist zum Preis von 49,90 Euro zu kaufen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert