Brüder müssen für rund drei Jahre ins Gefängnis

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Heinsberg. Die Brüder Ragip S. (31) und Razim S. (41) hatten am Dienstag anscheinend nicht so richtig mit der Verurteilung gerechnet, warum nicht, das mag ihr Geheimnis bleiben.

Jedenfalls sah der Vorsitzende der Aachener Schwurgerichtskammer, Richter Gerd Nohl, erheblichen Strafbedarf für eine Tat, die am 17. August 2009, einem schönen Sommertag, den kompletten Heinsberger Marktplatz in Angst und Schrecken versetzt hatte.

An diesem späten Nachmittag „zwischen 17 und 18 Uhr”, so der Richter, „fuhr Ragip in seinem dunklen Mercedes mehrfach an der Eisdiele vorbei”. Hier saß sein langjähriger Kontrahent Enwar H. (40) mit drei Freunden. Der Angeklagte habe in der Absicht angehalten, H. einen körperlichen Denkzettel zu verpassen. Er habe einen 38 Zentimeter langen Radmutterschlüssel in der rechten und eine Pistole in der Linken gehalten und sei so auf die Gruppe losgestürzt.

Zwar sei das nicht in Tötungsabsicht geschehen, wertete der Richter die dann folgende Auseinandersetzung „nur” als gefährliche Körperverletzung. Doch die Umstehenden, darunter Frauen und Kinder, habe der Täter in Todesangst versetzt, auch weil er mit den Worten „Ich bringe dich um” auf den Kontrahenten im Eiscafé zu lief und Schüsse abgab. Dass es sich dabei um eine Schreckschusspistole handelte, habe niemand wissen können.

Sein Bruder Razim S. stach dann mit einem Schraubenzieher in den Rücken von H., der dadurch schwer verletzt wurde und mit dem Hubschrauber ins Aachener Klinikum gebracht werden musste. Razim S. habe in dem Moment mit Tötungsabsicht zugestochen, sei dann aber „von dem Versuch zurückgetreten” - was juristisch eine Strafbefreiung für den Totschlag bedeutet. So musste sich auch Razim S. letztlich „nur” wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das Gericht verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten, weil er „aus Familiensinn”, so der Richter, dem kämpfenden Bruder helfen wollte.

Gegen den jüngeren Bruder Ragip verhängte die Kammer eine Strafe von drei Jahren und drei Monaten, vor allem deswegen, weil er seit Beginn des Verfahrens die eigentliche Schuld dem späteren Opfer zuschieben wollte. Die Kontrahenten, die beide aus dem Kosovo stammen, hatten sich über beinahe fünf Jahre immer wieder gestritten, aus völlig nichtigen Anlässen. Die gewalttätige Reaktion darauf sei ein Verhalten, „das hier unter keinen Umständen hingenommen werden kann”, machte der Richter klar.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert