Braucht der Friedhof einen Abschiedsraum?

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Aus diesem Abstellraum in der
Aus diesem Abstellraum in der Trauerhalle des Waldfriedhofs Wassenberg könnte ein moderner Abschiedsraum werden. Ob dieser wirklich in Anspruch genommen werden würde, ist aber fraglich. Foto: Verena Müller

Wassenberg. Vollverkachelt, eng, fensterlos - so sehen derzeit die vier Zellen im Keller der Trauerhalle auf dem Waldfriedhof in Wassenberg aus, die als Kühl- und als Abschiedsräume genutzt werden können.

Ein dunkles Kreuz steht unter dem Ventilator der Klimaanlage, die beiden Pflanzen rechts und links davon retten die bedrückende Atmosphäre auch nicht mehr. Zehnmal im Jahr wird eine der Zellen in Anspruch genommen, bei rund 50 Bestattungen, die auf dem Waldfriedhof stattfinden. Ob es an der Beschaffung der Räume liegt, daran, dass sie für Gehbehinderte über die Treppe nur schwer zu erreichen sind oder daran, dass viele Bestatter einen eigenen Abschiedsraum vorhalten und Kunden lieber darauf zurückgreifen - vermutlich spielt alles eine Rolle.

Im Haushaltsentwurf der Gemeinde Wassenberg sind nun 78.000 Euro eingestellt, die in Sanierungs- und Umbaumaßnahmen der Friedhofshalle fließen sollen. Der Abschiedsraum macht weniger als ein Viertel der geplanten Kosten aus. Seit über einem Jahr funktioniert die Heizungs- und Lüftungsanlage nicht mehr, minimal 14 Grad Celsius müssen es aber laut Manfred Sieg vom Gebäudemanagement der Stadt in der Halle sein.

Die Heizung soll nun durch eine Gasbrennwerttherme ersetzt werden, in einem Aufwasch soll dann der Rest des Gebäudes, das Ende der 60er gebaut wurde, zeitgemäßer gestaltet werden: Statt zwei Toiletten soll es künftig eine modernere und behindertengerechte geben, statt der vier Kühlzellen im Keller soll aus dem Lagerraum im Erdgeschoss neben der Halle ein ansprechender Abschiedsraum werden. Die Kühlung würde dann über eine Art Glasglocke über dem Sarg erfolgen.

Die CDU-Fraktion hatte beantragt, den Haushaltsposten mit einem Sperrvermerk zu versehen und bat um einen Ortstermin. Der Grund: Sie bezweifelt den Nutzen und die Notwendigkeit eines solchen Raums. Die Bürger würden möglicherweise über die Friedhofsgebühren für etwas zur Kasse gebeten werden, das sie gar nicht in Anspruch nehmen.

Die Stadt sieht dennoch eine Notwendigkeit argumentiert mit dem NRW-Bestattungsgesetz. Darin steht unter Paragraph 11 zwar, dass „Tote (...) spätestens 36 Stunden nach dem Tode, jedoch nicht vor Ausstellung der Todesbescheinigung, in eine Leichenhalle zu überführen” sind. Die Aufnahme und Aufbewahrung von Verstorbenen kostet in Wasssenberg 90 Euro. Dass dazu ein Kühlraum erforderlich ist, liegt auf der Hand. Von einer Pflicht, einen Raum für einen Abschied in Würde vorzuhalten, ist in dem Gesetz aber nichts zu finden.

Max-Georg Willms, Geschäftsführer des Wassenberger Bestattungsunternehmens Willms, sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass er es grundsätzlich begrüße, wenn sich in der Trauerhalle etwas täte. „Man kann jemanden zum Abschiednehmen nicht in den Kühlraum schicken”, sagte er. Wegen dieser Bedingungen stelle er bereits seit Jahren einen Abschiedsraum in seinem Unternehmen zur Verfügung, ebenso wie alle anderen Bestatter im Ort. Auch Bestatter Achim Dohmen aus Heinsberg hat bereits seit den 90ern ein Haus des Abschiedes, 15 Euro pro Tag stellt er für Kühlung, Abschiedsraum und Betreuung der Kunden in Rechnung. Max-Georg Willms findet, dass die Initiative der Stadt eigentlich zu spät kommt.

„Ich würde mir aber wünschen, dass man sich mit den ortsansässigen Bestattern an einen Tisch setzt und gemeinsam überlegt, wie man die Trauerhalle schöner gestalten könnte”, fügte er an. Denn architektonisch sei der Bau wirklich schön und aus der Halle könne man sicherlich noch mehr rausholen.


Bei dem Ortstermin erschien am Rande bemerkt exakt ein Ratsvertreter: Frank Kretschmer von den Grünen. Er ist der Meinung, dass man das Projekt in Angriff nehmen sollte. Auch die Aufenthaltsräume seien in einem schlechten Zustand. „Und wenn das Geld reicht, sollte man auch den Abschiedsraum einrichten”, sagte Kretschmer. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Dohmen ließ sich entschuldigen, er war auf einer privaten Feier, der SPD-Fraktionsvorsitzende verwies auf den ungünstigen Zeitpunkt, nämlich 16 Uhr nachmittags. Telefonisch ließ er aber wissen, dass „etwas gemacht werden muss”, so sei das kein Zustand.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert