Wegberg - „Blumen zum Selbstschneiden”: Erfahrungen mit der Ehrlichkeit

„Blumen zum Selbstschneiden”: Erfahrungen mit der Ehrlichkeit

Von: Monika Baltes
Letzte Aktualisierung:
„Blumen zum Selbstschneiden”
„Blumen zum Selbstschneiden” an der Umgehungsstraße zwischen Wil-denrath und Arsbeck: Viel Arbeit für Bernd und Andrea Wirtz. Foto: Baltes

Wegberg. In die Blumenfelder fahren, welch herrliche Aufgabe! Landwirt Bernd Wirtz aus Erkelenz macht es täglich, denn - das sollte man gar nicht meinen - „Blumen zum Selbstschneiden” sind arbeitsintensiv. Einmal aussäen, dann einfach ein Schild und eine Spardose aufstellen, so läuft das nicht.

Wirtz besitzt gleich mehrere Blumenfelder, eines davon an der Umgehungsstraße zwischen Wil-denrath und Arsbeck. Unzählige verschiedene Blumen leuchten in den schönsten Farben neben der Straße auf dem Feld, dem man nicht ansieht, wie viel Arbeit und Mühe dahinter steckt. Gladiolen, Dahlien und Sonnenblumen umfasst das normale Sommerangebot, im Frühjahr blühen Tulpen und Narzissen. Die Kunden schätzen die Frische der selbstgeschnittenen Blüten, die enorme Farbauswahl, den günstigen Preis und die Unabhängigkeit von Ladenöffnungszeiten.

„Wenn sie nur ein bisschen ehrlicher wären”, sagt Wirtz und seufzt. Die Info-Tafel mahnt: Nur bezahlte Blumen bringen Freu(n)de. Natürlich wisse er ziemlich genau, wie viel Geld in der Kasse sein müsse, und der eine oder andere Blumenfreund bediene sich auch schon einmal ohne zu bezahlen. „Aber ich würde das ja nicht mehr machen, wenn ich draufzahlen würde”, so Wirtz.

Gut, wenn nette Nachbarn hin und wieder ein Auge auf die blühende Oase haben. „Sie sagen uns Bescheid, wenn sich ungewöhnliche Dinge auf unseren Feldern ereignen und im Ernstfall würden wir im Interesse unserer ehrlichen Kunden Anzeige erstatten. Im Supermarkt würde ja auch niemand auf die Idee kommen, Blumen einfach durch die Kasse zu schmuggeln”, ergänzt seine Frau Andrea. Aber es gibt auch genug ehrliche Kunden. Manchmal findet sie in der Kasse kleine Zettel: Heute nicht genug Geld dabei, komme morgen wieder. Und prompt gibt es am nächsten Tag wieder einen Zettel: „Ich bin wieder da.”

Einbrüche in die Kassen sind selten und meist bleibt es beim Versuch, denn die Geldbehälter sind fest verankert und sicher. Mit dem Leeren der Kassen ist es bei den täglichen Kontrollen nicht getan, Schädlingsbefall erfordert rasches Eingreifen, die Wege zwischen den Beeten müssen in einwandfreiem Zustand gehalten werden, und heute ist auf der Info-Tafel die Telefonnummer verstümmelt worden. Bernd und Andrea Wirtz machen sich sofort an die Arbeit, das nächste Blumenfeld wartet schon.

Andere Erfahrungen hat Landwirt Heinz-Josef Nobis aus Waldfeucht gemacht. Auch er hat die Blumenfelder nebenher betrieben, u.a. in Kirchhoven. Vor vier Jahren hat er sie aufgegeben. „Die Zahlungsmoral war einfach zu schlecht”, resümiert er. Erstaunt habe ihn die Tatsache, dass es manchmal auch darauf ankam, was auf den angrenzenden Feldern angebaut werde.

Er habe zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass ein angrenzender Acker mit hohen Maispflanzen die Blumenliebhaber ehrlicher mache. Ein angrenzendes Feld mit Zuckerrüben dagegen verleite zum Schummeln. „Wahrscheinlich haben die Leute gemeint, im Maisfeld steht einer, der kontrolliert”, schmunzelt er. Reichtum habe er sich vom arbeitsintensiven Blumenanbau sowieso nicht versprochen. „Aber wenn die Einnahmen nicht mehr die Kosten decken, muss man auch Blumenfelder aufgeben”, so Nobis.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert