Bildung und Armut sind eng verknüpft

Von: defi
Letzte Aktualisierung:

Kreis Heinsberg. So einfühlsam hatte Willi Paffen wohl noch keine Sitzung im Kreishaus angekündigt: „Wir wollen uns heute annähern an ein gesellschaftliches Phänomen”, sagte er vor den Mitgliedern des Ausschusses für Gesundheit und Soziales und des Jugendhilfeausschusses.

Die Ausschüsse hatten sich zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen, um etwas über den „Armutsbericht für den Kreis Heinsberg” zu hören. Wohl kaum jemand im Saal habe Armut am eigenen Leib kennen gelernt, so Paffen weiter und: „Wir wollen heute eine Draufsicht auf den Kreis von außen wagen.”

„Von außen”, genau genommen aus Bonn, war Wolf Krämer-Mandeau gekommen. Im März 2010 hatte die Kreissparkasse Krämer-Mandeaus Projektgruppe „Bildung und Region” beauftragt, den „Armutsbericht für den Kreis Heinsberg” zu erstellen. Der Kreistag hatte zuvor auf Anregung der CDU-Fraktion beschlossen, das Thema Kinderarmut, aber auch die Armut generell in Angriff zu nehmen. Eine wirksame Datenbasis wünschte sich der Kreistag.

Doch die Erhebung dieser Daten gestaltet sich schwierig, und so wird der „Armutsberichts für den Kreis Heinsberg” erst im Sommer vorliegen, wie Wolf Krämer-Mandeau ankündigte. Was er den Ausschussmitgliedern vorstellte, war das Ergebnis einer Elternbefragung an allen Grundschulen im Kreis, die lediglich als Ergänzung zum Armutsbericht gedacht war. Wolf Krämer-Mandeau hatte Eltern von Kindern des dritten Schuljahres einen Fragenkatalog vorlegt, der das Thema „Kinderarmut” erhellen sollte. 76,3 Prozent der angesprochenen Eltern hatten geantwortet.

Ein Fazit dieser Befragung fasste Krämer-Mandeau in wenige Worte: „Je besser es den Familien wirtschaftlich geht, desto weniger haben Kinder Lernschwierigkeiten.” Auch die enge Verknüpfung von Bildung und Armut lässt sich als ein Ergebnis der Befragung festhalten.

Fragen mit ökonomischem Hintergrund habe man aber, so Krämer-Mandeau, nicht in den Vordergrund gestellt, um die Teilnahme der Eltern nicht zu gefährden. Dennoch sei klar geworden, dass es für vier von zehn Eltern ein finanzielles Problem darstelle, auf welche weiterführende Schule sie ihre Kinder schicken.

Gefragt wurde unter anderem nach dem Fernsehverhalten der Kinder, ob sie morgens frühstücken, bevor sie in die Schule gehen oder ob die Kinder Schwierigkeiten mit der Sprache haben. Bei der Befragung sollten die Eltern der Drittklässler angeben, auf welche weiterführende Schule ihre Kinder einmal gehen werden. Dies ergab dann eine Aufschlüsselung der Antworten nach Schulformen. So antworteten zum Beispiel auf die Frage, ob ihr Kind Schwierigkeiten beim Lernen hat, 33 Prozent der Befragten, deren Kinder einmal die Hauptschule besuchen werden, ihre Kinder hätten „ziemliche” Schwierigkeiten beim Lernen, während bei anderen Schulen die Quote weitaus niedriger ausfiel: Realschule fünf Prozent, Gymnasium ein Prozent, Gesamtschule neun Prozent.

Wolf Krämer-Mandeau hatte auch festgestellt, dass je höher der Bildungswunsch der Eltern für ihre Kinder ist, desto häufiger sind die Kinder Mitglied in einem Sportverein.

Die Befragung im Kreis Heinsberg, so Krämer-Mandeau abschließend, habe keine Dinge ergeben, die gegenüber anderen Regionen aus dem Rahmen fallen würden.

„Was sind denn nun die Konsequenzen?”, wollte Georg Nebel, für die Evangelische Kirche im Jugendhilfeausschuss sitzend, im Anschluss an Krämer-Mandeaus Power-Point-Präsentation wissen. Das sei nicht der Armutsbericht gewesen, stellte Wolf Krämer-Mandeau fest und fügte hinzu: „Mehr war jetzt nicht möglich.”

Andrea Reh, SPD-Fraktion, war die Befragung zu schullastig. Sie vermisste Fragen, wie: Kann ich noch mit meinem Kind ins Schwimmbad gehen oder kann ich das Schulmaterial bezahlen, habe ich genug Zeit für mein Kind oder bin ich gezwungen zwei Jobs zu machen.

Direkte Armutsfragen habe man nur sehr dezent eingebaut, erwiderte Wolf Krämer-Mandeau. Norbert Reyans, CDU-Fraktionsvorsitzender, sagte: „Ich vertraue darauf, dass jetzt noch Daten kommen, die ein gutes Gesamtbild entstehen lassen.”

Dezernentin Liesel Machat machte deutlich: „Die Datenerhebung ist schwierig. Diese Befragung ist nur eine Ergänzung zum Armutsbericht.” Paffen schloss die Sitzung mit den Worten: „Wir sehen den Dingen entgegen, die da kommen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert