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Bilderrahmen sogar aus Zigarrenschachteln geschnitzt

Von: defi
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Helmut Windeck (r.) erläuterte kenntnisreich die Ausstellungsstücke der Gerhard-Tholen-Stube, darunter zahlreiche Werke, die den Künstler Gerhard Mevissen (3.v.r.) besonders interessierten. Foto: defi

Waldfeucht. Helmut Windeck ist mit Leib und Seele seit 23 Jahren Vorsitzender des Historischen Vereins Waldfeucht und weiß so manches Anekdötchen über die Ausstellungsstücke der Gerhard-Tholen-Stube zu erzählen. Bei einer seiner Führungen durch das Waldfeuchter Heimatmuseum hatte er nun einen prominenten Teilnehmer, den aus Haaren stammenden Künstler Gerhard Mevissen.

Und Gerhard Mevissen entdeckte auch gleich Bekanntes unter den Exponaten, eine Bildertafel mit Fotografien der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs seines Heimatortes Haaren. „Diese Tafel hat doch mal bei meinem Großvater gehangen, der war Bürgermeister in Haaren?”, fragte Mevissen noch unschlüssig, ob ihn die Erinnerung wohl täusche. Und Helmut Windeck räumte ein: „Das kann durchaus sein, die habe ich mal in einer Scheune gefunden.” Heute freuen sich die Menschen, die die Gerhard-Tholen-Stube besuchen, ein Foto ihrer Vorfahren auf der restaurierten Bildertafel zu entdecken, stehen doch auf den Gedenktafeln nur die Namen.

Einen Künstler zu Gast in der Gerhard-Tholen-Stube zu haben, war für Helmut Windeck natürlich Anlass, auf die Bildexponate seines Museums besonders hinzuweisen. Man wird es kaum glauben, aber Helmut Windeck wusste zu jedem der zahlreich vorhandenen Gemälde, Zeichnungen und Radierungen die Herkunft zu berichten. So schuf etwa Josefine Liesefeld 1954 das Bild „Blick durch das Obertor”. So weit so gut, doch Helmut Windeck wusste auch Bemerkenswertes über den Rahmen, der das Werk ziert. Es waren die Bauern Karl und Leonard Cleef, die zwischen 1900 und 1910, so genau wollte sich Windeck da nicht festlegen, den Rahmen mit dem Küchenmesser aus Zigarrenholzschachteln schnitzten, im Winter am „Bärenklau” (gusseiserner Ofen) sitzend. Jede zusätzliche Mark war damals willkommen.

Gerhard Mevissen und die übrigen Teilnehmer des Museumsrundgangs erfuhren aber auch etwas über das wohl wertvollste Bild der Gerhard-Tholen-Stube, einen Achenbach. Der berühmte Künstler brachte 1859 in einer Bleistiftzeichnung den Selsterhof, einen alten Lehenhofs, bekannt auch als Vrelenberger Hof, zu Papier. Andreas von Achenbach, geboren 1815, war Schüler und Freund von Johann Wilhelm Schirmer und verstarb 1910 in Düsseldorf. Wie sein Bruder Oswald zählt Andreas von Achenbach zu den deutschen Landschaftsmalern der Romantik. Beide werden der Düsseldorfer Malerschule zugerechnet und auch scherzhaft als das „A und O der Landschaftsmalerei” bezeichnet.

Die Bleistiftzeichnung war übrigens ein Schnäppchen, wusste Helmut Windeck zu berichten. August Lenz war die wertvolle Zeichnung für 800 Mark angeboten worden. Er war aber gerade nicht flüssig, so sprang der Arzt Dr. Albert Tholen (ein Freund von Gerhard Tholen, aber nur über fünf Ecken verwandt) ein und kaufte die Zeichnung des Meisters Achenbach. Aus Dr. Tholens Nachlass gelangte der Achenbach ins Waldfeuchter Heimatmuseum.

Besonders beeindruckt zeigte sich Gerhard Mevissen von den Bildern der beiden Künstler Jupp Koulen und August Lenz, die er beide noch persönlich gekannt hat und deren Arbeiten er nun in der Gerhard-Tholen-Stube wiederfand. Man konnte es Gerhard Mevissen ansehen, dass er darüber grübelte, wo dereinst wohl mal eines seiner Bilder in der Gerhard-Tholen-Stube hängen könnte, und welche Anekdötchen Helmut Windeck dann wohl über ihn erzählen wird.

Wer einmal an einer Führung durch die Gerhard-Tholen-Stube teilnehmen möchte, meldet sich einfach bei Helmut Windeck, Telefonnummer 02455/2068.

Der Künstler Gerhard Mevissen und sein Werk

Gerhard Mevissen, 1956 in Haaren geboren, gehört zu den Autodidakten unter den Künstlern. Über eigene Entwicklungswege hat er zu „seiner” Kunst gefunden. Vier Semester Theologiestudium in Bonn und eine Ausbildung im sozialpädagogischen Bereich ließen ihn zunächst sein Brot als Kunsttherapeut und Lehrbeauftragter für Bildnerischen Ausdruck verdienen, bis er sich 1999 ganz der Kunst widmete. Zwei große Themen bestimmen sein Werk, die Würde des Menschen und die Poesie.

Mevissen lebt heute im Eifelstädtchen Monschau. Er präsentierte seine Arbeiten unter anderem schon beim Kulturamt der Stadt Bourg St. Andéol in Frankreich, im Kontschthaus beim Engel in Luxemberg, in der Rochuskirche Köln, der Galerie Kämmerling in Aachen, dem Kunstverein Neuenkirchen/Saar, dem Hilton Hotel Weimar, dem Kramer-Museum in Kempen, der Domschatzkammer Aachen, dem St. Jakobushaus Goslar und im Niehler Dom in Köln sowie im Rahmen des Projektes „Lichtung Stillefeld II” im Selfkant.
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