Wassenberg - Betty-Reis-Gesamtschule schließt Partnerschaft mit polnischem Gymnasium

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Betty-Reis-Gesamtschule schließt Partnerschaft mit polnischem Gymnasium

Von: Anna Petra Thomas
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Über die neue Schulpartnersch
Über die neue Schulpartnerschaft der Betty-Reis-Gesamtschule mit dem Kopernikus-Gymnasium in Laziska Górne freuen sich inmitten der Schüler aus beiden Schulen Zofia Kocyra, Dr. Ludger Herrmann, Manfred Winkens, Heinrich Spiegel und Monkia Profaska (von links). Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Dem Engagement einer Deutschlehrerin in der kleinen Stadt Laziska Górne im Süden Polens ist es zu verdanken, dass die Wassenberger Betty-Reis-Gesamtschule sich über eine neue Schulpartnerschaft freut.

Durch Heinz Zohren, der auch junge polnische Mannschaften immer wieder zu Fußballturnieren nach Wassenberg holte, hatte Zofia Kocyra die Adresse der Betty-Reis-Gesamtschule erhalten und an Heinrich Spiegel geschrieben.


„Sie war so aktiv, dass wir gedacht haben, das ist es, das muss es sein!”, erklärte der Wassenberger Schulleiter, als er mit den elf polnischen Gastschülern, ihren deutschen Gastgebern, der polnischen Englischlehrerin Monika Profaska, Dr. Ludger Herrmann als didaktischem Leiter der Gesamtschule und der Schulpflegschaftsvorsitzenden Nelli Hummen im Wassenberger Ratssaal die Partnerschaft im Beisein von Bürgermeister Manfred Winkens offiziell bestätigte.

Sie habe immer auf eine Antwort aus Wassenberg gehofft, erzählte Zofia Kocyra. Und die bekam sie dann auch. Heinrich Spiegel nahm die Einladung an und fuhr im Mai mit elf Schülern der Jahrgangsstufe 10 ins oberschlesische Steinkohlenrevier. „Wir hatten früh den Blick nach Westen”, erklärte Spiegel während des Empfangs im Rathaus. Aber die deutsch-polnische Geschichte sei sicherlich ebenso interessant wie die deutsch-französische.

Dass er mit deutschen Schülern in ein historisch so „belastetes” Gebiet habe reisen und dort dann auch noch so viel Gastfreundschaft habe erfahren dürfen, das sei für ihn die Erfüllung eines Traums, sagte Spiegel. „Ich hoffe, dass wir noch lange in beide Richtungen fahren können, für immer in Frieden!”

Zofia Kocyra hatte dem Wassenberger Bürgermeister zuvor die Grüße seines polnischen Kollegen überbracht. Als Gastgeschenke hatte sie eine Informationsschrift über ihre Schule mitgebracht, das Kopernikus-Gymnasium in Laziska Górne, dazu die Zeichnung eines Schülers, ein Buch, polnische Süßigkeiten und die neue CD einer polnischen Sängerin, die aus Laziska Górne stammt.

Auch der Schulleiter und der Bürgermeister seien erfreut über die neue Schulpartnerschaft, betonte sie und überbrachte die Einladung des polnischen Bürgermeisters an Winkens zu einem Besuch in Laziska Górne. Sie sei mit ihren Schülern bereits nach Auschwitz gereist und dabei wie auch jetzt vom deutsch-polnischen Jugendwerk unterstützt worden, erklärte Zofia Kocyra. Die Fahrt nach Wassenberg habe auch der Bürgermeister von Laziska Górne gefördert.

Es sei schön, dass für die Betty-Reis-Gesamtschule, die im ganzen Land bekannt sei, wieder eine neue Partnerschaft mit einem neuen Land entstehe, erklärte Winkens. Informationen gab er den polnischen Gästen dann über die bereits bestehenden Partnerschaften der Stadt Wassenberg mit Pontorson in Frankreich und Highworth in Großbritannien. Derzeit pflegt die Gesamtschule bereits einen Schüleraustausch mit Frankreich. Europa könne nur zusammenwachsen, wenn sich junge Menschen zusammenfänden und sich kennenlernen würden, erklärte Winkens. „Ich hoffe, dass ihr gerne wieder zurückkommt!”

Dem Besuch im Rathaus folgte eine Stadtführung. Auf dem Programm des fünftägigen Besuchs in Wassenberg stehen neben Begegnungen bei Unterricht und Sport in der Schule in dieser Woche Fahrten zum Braunkohletagebau sowie nach Aachen und Köln. In Aachen besuchen die Schüler Dom und Schatzkammer, in Köln das Völkerkundemuseum.

Die polnische Stadt Laziska Górne hat 28.000 Einwohner und liegt in Schlesien. Sie wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts von deutschen Siedlern gegründet. Mitte des 19. Jahrhunderts begann hier der Steinkohlebergbau. Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien im März 1921 votierten 84,6 Prozent der abgegebenen Stimmen für Polen.

Nach dem Polenfeldzug 1939 wurde Laziska Górne wieder in das Deutsche Reich eingegliedert. Während des Zweiten Weltkriegs folgte der Entschluss, den Ort nach dem Namen der Steinkohlegrube in „Prinzengrube” umzubenennen. Diese Umbenennung kam jedoch nicht mehr zustande. 1945 wurde der größte Teil der deutschen Bevölkerung vertrieben. Einige konnten bleiben, mussten aber die polnische Staatsangehörigkeit annehmen und durften sich nicht zu ihrer deutschen Herkunft bekennen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Laziska Górne polnisch und erhielt 1951 Stadtrecht. Dem Bergbau folgten 1954 ein großes Betonwerk sowie ein Chemisches Werk. Heute hat zudem ein Hersteller von Speichermedien für Computer seinen Sitz.

Das Kopernikus-Gymnasium ist nicht mit einem deutschen Gymnasium vergleichbar. Es hat rund 300 Schüler, baut auf der sechsjährigen Grundschule auf und ist für Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren verpflichtend. Am Ende der Gymnasialzeit legen alle Schüler eine allgemeine Prüfung ab. Sie ist Voraussetzung für die Zulassung zu einer weiterführenden Schule.

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