Besuch in der Behindertenwerkstatt: Jeder hat seinen Platz

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Intensiver Dialog: Eine Gruppe vom evangelischen Kirchenkreis mit Superintendent Jens Sannig an der Spitze war zu Gast bei der Lebenshilfe.

Kreis Heinsberg. Herzlich aufgenommen in Oberbruch wurde die Besuchergruppe vom evangelischen Kirchenkreis Jülich: Der Superintendent, Pfarrer Jens Sannig, sowie die Mitglieder des Ausschusses „Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt“, Jutta Schwinkendorf, Klaus Pentzlin und Hans-Joachim Schwabe, waren zu Gast bei der Lebenshilfe und zeigten sich beeindruckt.

Heinz-Willi Jansen vom Vorstand der Lebenshilfe, Betriebsstättenleiter Oliver Hensen, der Mitarbeiter der Geschäftsstelle, Marlon Ermler, und Öffentlichkeitsreferent Michael Kleinen informierten die Gäste über die Arbeit der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) an vier Standorten im Kreis Heinsberg. Etwa 1100 Menschen mit Behinderung – so war zu erfahren – bearbeiten Aufträge aus Industrie und anderen Wirtschaftszweigen.

Die WfbM profitiere von ihrem guten Ruf, gute Arbeit in guter Qualität pünktlich abzuliefern. So entstehe eine hohe Kundenzufriedenheit. Entsprechend ihren Fähig­keiten arbeiten die Jugendlichen sowie Frauen und Männer in verschiedenen Fachbereichen. Die Botschaft lautete: Alle bringen das in den Produktionsprozess ein, was sie eben leisten können. Jeder hat einen wichtigen Platz im ­System, niemand ist unwichtig. So werde der scheinbare Widerspruch zwischen sozialem Handeln und wirtschaftlichem Denken aufgelöst. Berufsbildung und Schulung sorgen für das theoretische Rüstzeug und die Weiterentwicklung.

Zahl älterer Mitarbeiter steigt

Etwa 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind älter als 50 Jahre – und ihre Zahl steigt in den kommenden Jahren stark an. Auf die Lebenshilfe kommt also in steigendem Maße die Aufgabe zu, die Gestaltung von Ruhestand und Freizeit ihrer Mitarbeitenden in den Blick zu nehmen. „Daran arbeiten wir intensiv und suchen nach tragfähigen und kreativen Lösungen“, erklärte Heinz-Willi Jansen. So sind Seniorengruppen eine von vielen Möglichkeiten, Frauen und Männer in Freizeit und Ruhestand bei der Gestaltung ihres Alltags jenseits der Werkstätten zu unterstützen.

Die Gäste vom Kirchenkreis konnten sich bei einem Rundgang durch die Werkstätten selbst ein Bild von der Realität der Arbeit vor Ort machen. Arbeit mit Holz und Metall, Montieren und Verpacken – jede und jeder ist entsprechend den persönlichen Fähigkeiten und Grenzen sinnvoll eingesetzt. Ob Teile für Messestände gefertigt werden oder Transportpaletten, ob Produkte eine neue Verpackung erhalten oder ein genial einfacher Grillanzünder zusammengesetzt wird: Die Besuchergruppe traf überall auf gute Stimmung bei der Arbeit, Zeichen dafür, dass die Mitarbeitenden mit ihrer Beschäftigung offensichtlich zufrieden sind.

In der O.A.S.E (Offene Angebote – für Schlafen und Entspannen) haben vor allem ältere Frauen und Männer die Möglichkeit, bei Bedarf die Arbeit zu unterbrechen und Atem zu holen. Und in einer Gruppe mit schwerst mehrfach behinderten Menschen konnten sich die Gäste ein Bild davon machen, wie trotz Kostendruck und Sparmaßnahmen engagierte Mitarbeitende sich liebevoll um Menschen kümmern, die rund um die Uhr auf Betreuung angewiesen sind.

Glaube in leichter Sprache

Diakon Peter Derichs von der katholischen Kirche berichtete von seiner Tätigkeit bei der Lebenshilfe. Dazu gehören Seelsorge und Trauerbegleitung, Seminare und Gespräche über das eigene Sterben und vieles andere mehr. Er bemühe sich, so der Geistliche, den Glauben in leichter Sprache verständlich zu machen. Er sei zuständig für die Menschen an ihren Arbeitsplätzen in der WfbM, aber auch in den Wohngruppen.

Zusammen mit dem „Arbeitskreis Religion“, in dem Menschen mit und ohne Behinderung mitwirken, gestaltet er vier Gottesdienste im Jahr. Drei Gottesdienste werden jeweils in Form einer Messe gestaltet, ein Gottesdienst findet in der evangelischen Erlöserkirche in Oberbruch zusammen mit dem evangelischen Pfarrer statt.

Am Ende eines intensiven Besuchs dankte Superintendent Sannig den Gastgeberinnen und Gastgebern. Er könne sich ein gemeinsames kirchliches Handeln gut vorstellen, nicht zuletzt im Blick auf das geplante Lebenshilfe-­Center in Heinsberg-Oberbruch. Er wünschte den Menschen in der Werkstatt für behinderte Menschen Gottes Segen und gutes Gelingen.

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