„Bei Anruf Mord”: Theaterkrimi schlägt Fernseh-Tatort

Von: sche
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Achtung, die Olchis kommen: Der Auftakt zur Theaterstarter-Saison in der Stadthalle war ein voller Erfolg und begeisterte rund 600 Grundschulkinder aus der Region. Foto: Volker Beushausen

Heinsberg. Theater trotz Herbstkirmes? Niemand schien Vorbehalte zu haben. Die Besucherzahlen stimmen auch. Das TTT (Tournee-Theater-Thespiskarren) hatte keinen anderen Termin frei. Der Krimi gewann haushoch gegen den obligatorischen sonntäglichen Tatort.

Schließlich standen Fredrick Knott und Hitchcock dahinter. Und ein Burgtheaterteam - Peter M. Preissler - führte Regie.

Man erinnerte sich an Zeiten, als der Krimi noch laufen lernen musste. Das war vor 60 Jahren. Zunächst hatte der Brite Knott wenig Glück, als er „Bei Anruf Mord” bei der BBC einreichte. Er war Debütant. Bei der Ausstrahlung zeigte sich das Publikum elektrisiert. Sofort entbrannte ein weltweiter Wettstreit um die Aufführungsrechte. Vom Londoner Westminster Theatre startete der Triumphzug. Doch der wäre halb so gut gewesen, wenn 1954 Alfred Hitchcock mit der legendären Grace Kelly als Sheila Wenice den Stoff nicht filmisch umgesetzt hätte und es damit in die Top-Ten-Liste schaffte. Der Rest ist Filmgeschichte.

Thema ist der perfekte Mord. Es wird mit offenen Karten gespielt. Trotzdem steigt die Spannung gut zwei Stunden bis zuletzt und endet mit einem betäubenden Knall. In den Rollen Isabella Schmid - wie Hitchcocks Lieblingsheldinnen blond gelockt - Stefan Bürgi (Tony), Tim Niebuhr (Max), Kay Szachnys und Werner W. Schuster. Gespielt wird vor dekorativem Hintergrund (Horst Neumann) und bei knalliger Musik (Dennis Bädekke). Allemal waren Kenner und Könner am Werk, um den alten Stoff neu zu beleben.

Wie schon gesagt, geht es um den Mord, so vollendet ausgeführt, dass er nicht aufgeklärt wird. Ein Wechselspiel ist angesagt. Mal sympathisiert man mit dem Täter, mal mit der Polizei, je öfter, je besser. Theater und Film haben da ihre eigenen Mittel. Tucholsky spricht von einer nicht ungefährlichen, süchtig machenden Entspannung von narkotischer Wirkung. Niemand verstand sich besser darauf als Hitchcock. Auch beim Theaterstück obsiegt die filmische Vorstellung. Trotzdem agiert das Ensemble szenisch blendend, als leibhaftige Unschuld (Sheila) oder ausgekochter Tony bzw. nüchtern kalkulierenden Inspektor Hubbard, der sämtliche Tatort-Kommissare in den Schatten stellt. Leute von Scotland Yard sind dafür weltberühmt. Nicht umsonst gehören englische Krimis zu den besten. Alle anderen sind nur „Ableger”.

Was diesen Knott so attraktiv macht, ist die Tatsache, dass das Verbrechen von Anfang an glasklar ist und es sich nur um die Frage nach dem eingebauten Fehler handelt.

Es gab wohl niemanden, der den Tausch Krimi gegen Tatort bereut hätte. Das lag nicht zuletzt an der ausgezeichneten Besetzung mit vielfach erprobten Schauspielern, von Film und Fernsehen schon irgendwann und irgendwie bekannt. Die Session kann so erfolgreich weitergehen.
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